Kritik: Rammstein – Streichholz

Das neue Rammstein-Album ist raus und ich werde oft gefragt, wie ich es finde.

Mäßig bis besser, zu langsam.

Live deutlich besser.

Deutschland – musikalisch gut, textlich hinter meinen Erwartungen zurück. Wenn man dreißig Jahre kein neues Album rausgebracht hat, sollte die erste Single schon irgendwie der Bringer sein. Der Text ist typisch Rammstein, für das Thema aber deutlich zu zurückhaltend. In der Anfangszeit wäre das noch ok gewesen, aber das Land hat sich seit den Neunzigern geändert, das kann Till durchaus in den Texten berücksichtigen. Inhaltlich hab ich da einfach mehr erwartet. Das Video dazu fand ich ok, die Aufregung zu groß für den Inhalt.

Besonders blöd: “Wer hoch steigt, der wird tief fallen.”. Was soll hier “hoch gestiegen” bedeuten?

Radio – gefällt mir rundum. Musik, Text, Video passt. Highlights: “Meine Ohren werden Augen” und “Jenes Liedgut war verboten. So gefährlich fremde Noten.”

Zeig Dich – sehr gut, hätte ich mir im Refrain wuchtiger gewünscht. Highlight der Text. “Aus Versehen sich An Kindern vergehen”

Ausländer – von bis. Von “Ich bin kein Mann für eine Nacht – Ich bleibe höchstens ein zwei Stunden” (Yeah) bis “Du kommen mit, ich dir machen gutt” (WTF?) Musikalisch gut, das Video rassistisch. Wie bei “Deutschland” – die Zeiten haben sich seit den 90ern geändert, das sollte auch Rammstein anerkennen. Ich weiß, dass sie keine Rassisten sind, aber diese Unbekümmertheit ist nicht mehr angebracht. Und ja: auch Nichtrassisten können rassistische Dinge tun. Wieder ein Fall von: da hätte ich mehr erwartet. Referenz dazu wäre z.B. das Video zu “Mein Land”.

Sex – Text ok, Musik meh. Potential, aber zündet nicht. Schön: “Denn besser liederlich als wieder nicht”

Puppe – so soll das. Mit Abstrichen. Text Klasse, Musik passend aber zu zurückhaltend, die hätte im Refrain gerne noch abgefahrener sein können. Aber das ist in dem Fall Meckern auf hohem Niveau. “Dam dam”

Was ich liebe – na ja, nicht meins. Sehr melancholisch, als hätte Till noch was zu verarbeiten gehabt. Musikalisch auch nicht der Bringer.

Diamant – wie “Was ich liebe” nicht meins, immer noch was zu verarbeiten. Aber Text und Musik gehen in Ordnung. Ballade.

Weit weg – Oh. Oh je. Nee. Wieder nicht meins.

Tattoo – Potential, Text ok, Musik ok, aber irgendwie beliebig. Highlight: “Deinen Namen stech’ ich mir. Dann bist du für immer hier. Aber wenn du uns entzweist. Such’ ich mir jemand, der genauso heißt”

Hallomann – Idee genial. Text sehr gut,etwas zu verklausuliert. Musik bleibt dahinter zurück. Schöne Melodie aber zu langsam, keine Wucht.

Tja, ich hoffe, das ist nicht die langfristige Richtung, dieses langsame. Ich kann über mittelmäßigen Text hinwegsehen, wenn die Musik stimmt, umgedreht ist das leider nicht so. Und wenn beides mäßig ist, kommt “Bückstabü” raus.

Trotzdem gibt es einige sehr gute Lieder, der Rest ist mittel, richtig schlecht ist keins. Ist ok.

Live gehen auch die mäßigen Lieder gut, Feuer und Lautstärke helfen.

“Richtig ist was Richtig ist”

Über den 1. Weltkrieg

Gerade trudelt das neue Sabaton-Video über Verdun bei mir ein und das ist mir zu heroisch. Ich weiß, das ist anders gemeint und Sabaton sind eine eigene Sache, aber ich würde da dann mal Lemmy mit Motörhead dagegen stellen, wie ich mir ein Lied über den 1. Weltkrieg vorstelle.

1916

16 years old when I went to war,
To fight for a land fit for heroes,
God on my side, and a gun in my hand,
Counting my days down to zero,
And I marched and I fought and I bled and I died,
And I never did get any older,
But I knew at the time that a year in the line,
Is a long enough life for a soldier,

We all volunteered, and we wrote down our names,
And we added two years to our ages,
Eager for life and ahead of the game,
Ready for history’s pages,
And we fought and we brawled and we whored ’til we stood,
Ten thousand shoulder to shoulder,
A thirst for the Hun, we were food for the gun,
And that’s what you are when you’re soldiers,

I heard my friend cry, and he sank to his knees,
Coughing blood as he screamed for his mother,
And I fell by his side, and that’s how we died,
Clinging like kids to each other,
And I lay in the mud and the guts and the blood,
And I wept as his body grew colder,
And I called for my mother and she never came,
Though it wasn’t my fault and I wasn’t to blame,
The day not half over and ten thousand slain,
And now there’s nobody remembers our names,
And that’s how it is for a soldier.

Bad Wimpfen

Bad Wimpfener.

Dass man Eure Stadt besucht mit Hoffnung auf den in Reiseführern gepriesenen Neckarblick und dieser Blick dann aus einer Sicht auf ein Kraftwerk, eine Baustelle, das DHL-Logistikzentrum und einen riesigen Aldi besteht – dafür könnt Ihr wahrscheinlich eher wenig.

Aber dass die beiden Attraktionen (beide Türme) gleichzeitig wegen Renovierung geschlossen sind, davor schöne Container gestellt werden und überall Autos das mittelalterliche Stadtbild prägen – muss das sein? Auch die Kapelle war nicht offen.

Ansonsten sind Rückreisetage grundsätzlich von Fotoarmut geprägt.