Asylkritiker

Immer wenn man denkt, da kommt nix Gutes mehr, überrascht einen die Zeit. Ein sehr schöner Artikel über “Asylkritiker” und den mit diesem Begriff verbundenen Versuch, Neonazis als Diskurspartner zu legitimieren. Sehr schön.

Das hat mich schon bei den “Islamkritikern” gestört, die nicht den Islam kritisierten, sondern Stumpfsinn und Gewalt auf die Straße bringen wollten. Und dann von Politikern ernst genommen wurden in dem Sinne, dass Dialog versucht wurde.

Die Maskerade des “Asylkritikers” ist der Versuch, Ausländerfeindlichkeit zur legitimen Diskursposition zu erheben, eine Position in die Öffentlichkeit einzuführen und ihre Ideologie zu camouflieren. Eine Art Du-darfst-Rassismus. Plötzlich klingt alles ganz zivil, nach einer Meinungsverschiedenheit zwischen politisch engagierten Bürgern, zwischen Kritikern und Befürwortern,[...]

Der “Asylkritiker” ist ein Wort aus der Euphemismuskiste, mit dem alle nationale Selbstbesoffenheit getarnt werden soll und das Fehlen jeglicher Empathie, außer für sich selbst. Ob man sie jetzt Nazis nennen will, Ausländerfeinde oder Vollidioten, ist unerheblich.

(Quelle: Zeit, via Mädchenmannschaft)

Kritik: Terminator Genisys

2015-07-23_GenisysTerminator Genisys ist der 5. Terminator-Film und ich war im Vorfeld hin- und hergerissen. Einerseits wollte ich den Film gut finden, damit wieder ein guter Terminator kommt; andererseits wusste ich, den ersten und zweiten Teil kann der Film nicht toppen.

Zusätzlich hatte ich den Trailer schon gesehen, der wichtige Handlungsstränge einfach mal so erzählt. Danke dafür, Trailerschneider.

Letzte Vorbemerkung: ich fand den 3. Terminator grottig, den 4. aber gar nicht mal so schlecht.

Was soll ich sagen: der Film hat mich überrascht. Er greift die bekannten Geschichten auf, verändert diese doch sehr mutig, lässt sich auf Logikfehler epischen Ausmaßes ein und macht dabei erstaunlich viel Spaß.

Schon die Möglichkeit, Arnold Schwarzenegger wieder einzusetzen, hilft enorm. Die anderen Schauspieler – na ja. Muss man mögen, haben nicht sonderlich gestört, würde ich sagen. Keine Michael Biehn oder Linda Hamilton, aber auch bei weitem keine Totalausfälle, eher gut bis besser.

Das charakterisiert den Film m.E. ganz gut: kein Totalausfall, ordentlich bis besser.

Apropos Michael Biehn: wie die Schwätzer hinter mir (gesamten Abspann durchgequatscht) so schön feststellten: “Kyle Reese im 1. Teil war einfach superhot”. Da hat es Jai Courtney sehr sehr schwer.

Was mir gefiel war die Scheiß-drauf-Attitüde gegenüber Logik, den bisherigen Filmen, Figuren, Entwicklungen etc. Aufgreifen, verändern, was eigenes draus machen.

Fazit: völlig in Ordnung.

Kritik: Minions

2015-07-22_MinionsDie Minions sind wieder da. Begleitet von aufwendiger Werbung und einem Trailer, der mich am Endprodukt fast zweifeln ließ.

Aber es gab nichts zu zweifeln, sie haben es wieder geschafft: der Film ist genial. Tolle Geschichte, tolle Schauspieler, tolle Stimmen, Tempo, Action, alles da.

Ich habe meine Zweifel, dass Kinder alle Gags mitbekommen, die können aber sicher an anderen Stellen lachen.

Nächste Woche kann ich dann testen, ob der Film auch auf Deutsch funktioniert.

Fazit: unbedingt ansehen.

Filmtrailer

Liebe Filmfirmen: ein Trailer, der länger als eine Minute ist und den gesamten Film erzählt:

  • ist langweilig
  • verrät meist zu viel über den Film
  • motiviert mich meist, den Film nicht anzusehen

Ist das das Ziel?

Doppelfolgen im Fernsehen

Fernsehsender: ich werde keine Serien mehr schauen, die Ihr in Doppel-(oder noch mehr)-Folgen ausstrahlt. Ich werde die fertigsehen, die ich schon angefangen habe, ansonsten ist das ein Konzept, das mich vom Fernsehen abbringt.

Es ist mir unklar, welches Konzept, falls es ein solches gibt, hinter Doppelfolgen steht: das ist zu viel. Die Folgen sind so aufgebaut, dass man eine Folge pro Woche sieht. Insbesondere bei schwächeren Serien kommen sofort Defizite zutage, die man wöchentlich übersehen würde (Sleepy Hollow, ich denke da sehr stark an Dich. Mit Doppelfolgen wäre das nix mit uns geworden).

Außerdem sind die Serien sehr schnell zu Ende. Was spricht denn dagegen, mich mal ein halbes Jahr an Euren Sender zu binden, wie es mit Fringe ging oder am Anfang mit Grimm oder Castle oder …

Selbst hochgelobte Serien wie “Game of Thrones” schafft Ihr, an mir vorbeizusenden. Ich bin die Zielgruppe. Wenn Ihr mich nicht erreicht, dann geht da was gewaltig schief. Ihr erreicht nur, dass ich die Serie verschiebe und mir später mal per Streaming im Original ansehe. Ist das der Plan?

In den Weg stellen

Auf der Linienstraße (Fahrradstraße) gibt es einen Baustellenbereich, bei dem die Fahrbahn verengt ist. Ca. 10 m lang.

Jetzt ratet mal, wo sich die Bauarbeiter mit ihren Autos und Anhängern besonders gerne hinstellen…

Genau.

Gestern wieder so einen erlebt und gleich mal gefragt, ob das denn sein muss.

Antwort: “Wirste doch mit dem Rad vorbeikommen.”

Komm ich, aber Autos werden es dort schwer haben, auch mehrere Radfahrer oder Radfahrer, die sich entgegenkommen. Alles vorausgesetzt, man hat keinen Anhänger, z.B. mit Kindern, die dort auch gerne fahren.

Wichtig ist halt, nicht 10 m zusätzlich laufen zu müssen, oder einfach so mal kein Arschloch zu sein.

Alles wird schöner #dankhelm

Politikern fällt zu Radfahren nicht viel ein, außer, dass es unglaublich gefährlich ist. Und da die Fahrradlobby nicht existiert, kann sie auch nicht so viel zahlen wie z.B. die Autolobby. Also wird “Sicherheit” über Schuldzuweisung an die Radfahrer betrieben, statt in Verkehrssicherheit zu investieren.

Paradebeispiel: die Kampagne #dankhelm, die suggerieren soll, dass Radfahrer sicherer sind, wenn sie einen Helm tragen. Und wer das kritisiert, wird von Dorothee Bär persönlich angepöbelt.

So süß, dass drei unwesentliche Einzelpöbler meinen, sie könnten mit einem Shitlüftchen unsere Politik für mehr Verkehrssicherheit stoppen..

Wie so viele schrieben: wahrscheinlich glaubt sie wirklich, dass Fahrradhelme für mehr Verkehrssicherheit sorgen. Das kommt davon, wenn man über Dinge zu entscheiden hat, von denen man keine Ahnung hat.

Die Zeit hat schon gut darauf geantwortet, auch Twitter hat unter #dankhelm sehr schöne Argumente gefunden. Einfach mal in Ruhe durchlesen.

Erstaunliches von der Fahrradstraße

Ich fahre auf der Linienstraße, die als Fahrradstraße ausgewiesen ist, Richtung Oranienburger Straße.

Vor mir drei Radfahrer, einer überholt eine Frau, ein anderer fährt hinterher, allerdings nicht auf der rechten Fahrbahnseite, sondern links, dort, wo normalerweise der Gegenverkehr fährt. Er macht keine Anstalten, zu überholen.

Ich warte, bis ganz links eine Lücke ist, in der keine Autos parken und überhole dort, brabbele dabei vor mich hin, dass man auch weiter rechts fahren könnte. Erstaunlich, dass er das gehört hat, denn ich habe, entgegen meiner Gewohnheit, nicht laut gerufen oder so ;)

Jedenfalls stellt er mich an der nächsten Kreuzung zur Rede und erklärt mir, dass die Straßenverkehrsordnung vorsieht, dass man auf Fahrradstraßen auch links fahren darf.

Ich antworte, dass das sehr ungünstig für das Überholen ist und dass ich das ausdrücken wollte.

Er erklärt mir, dass die StVO das nun mal erlaubt.

Ich erkläre, dass ich ihn ja nicht angezeigt oder angebrüllt habe und nur vorbei wollte.

Er, nun völlig entrüstet, sagt mir, dass ich mich also über die StVO erhöhen würde und dass das… Und das habe ich nicht mehr gehört, weil die Ampel grün wurde und es mir egal war.

Das ganze Gespräch sehr zivilisiert im Plauderton.

Und wieder einmal habe ich keinerlei Schuldgefühle. ;)

Vorratsdatenspeicherung

Ein sehr schöner Text von Sascha Lobo über die Vorratsdatenspeicherung. Gleichzeitig auch mit einer sehr guten Wort-für-Wort-Analyse des unsäglichen Tweets von Herrn Gall.

Unbedingt lesen.

Ganz unter uns: Für mich ist die Vorratsdatenspeicherung eine rote Linie, gegen deren Überschreitung ich immer kämpfen werde.

[...]

Denn obwohl es sich lohnt, jedes einzelne Wort des unsäglichen Tweets zu analysieren, kann man Reinhold Galls fatale Haltung auch viel kürzer zusammenfassen: Sie ist in wirklich jedem Detail unwürdig für einen Innenminister in einer Demokratie.

(Quelle: Sascha Lobo, via Internet Law)

Kritik: San Andreas

2015-06-17_San-AndreasKurze Vorrede: das Cinestar hat neue Tickets, also eigentlich Kassenzettel. So wird der Besuch im Kino natürlich zu noch einem schöneren Erlebnis. Wer hat sich denn das ausgedacht. Und billiger ist es dadurch auch nicht geworden.

Zu San Andreas: endlich mal wieder ein Katastrophenfilm, der alles richtig macht. Nicht zu verkopft, nicht zu doof. Keine A-Schauspieler, aber eine sehr ordentliche B-Riege, die weder über- noch unterfordert wurde. Eine Geschichte, die ok ist und im Rahmen des Films keine allzugroßen Löcher aufweist. Ein Film, der Spaß macht.

Und, was ich hoffentlich nur noch selten erwähnen muss: mit Frauenfiguren, die eine Rolle hatten, nicht doof waren und den Film mittrugen. Aus meiner Sicht Bechdel-Test mehr als bestanden.

The Rock ist ein Berg, das sieht man in diesem Film sehr gut, weil man “normale” Menschen neben ihn stellt. Da ist so ein Flugzeug sehr schnell voll, wenn The Rock drinsitzt. Beeindruckend bis beängstigend. Leider hat mir ausgerechnet seine Rolle nicht so gut gefallen, weil sie zu selten auftrat, da wäre m.E. etwas mehr Zeit angemessen gewesen.

Dafür hätte man komplett auf den “Bösewicht” verzichten können, der nicht viel zum Film beigetragen hat und dessen man sich sehr nebenbei entledigte. Den hätte der FIlm nicht gebraucht.

Zu den Effekten: wenn es um Städte und Gebäude geht, ist das beeindruckend gut. Wechselt aber auch mit grottigen Animationen ab. Hier einfach mal auf das wirklich Gute konzentrieren und den Rest weglassen, wäre mein Wunsch.

Aber das ist Meckern auf hohem Popcorn-aber-nicht-ganz-blöd-Niveau.

Und, was mir vor allem am Schluss auffiel: bis kurz vor Ende hält sich der Film mit “Wir Amerikaner sind die besten” sehr zurück. Angenehm (außer halt am Schluss).

Fazit: sehr guter Katastrophenfilm ohne große Ausfälle.