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Gesamtwerk: Harry Potter

Sieben Bände, acht Filme und ein Riesenhype bis zum Schluss – das muss man erst einmal schaffen. Da ist J.K. Rowling ein großer Wurf gelungen und trotzdem mir die Reihe am Ende nichts mehr gab, ist anzuerkennen, dass Rowling nicht siebenmal dasselbe Buch geschrieben hat, sondern eine Vision der Geschichte umgesetzt hat, die das Universum stetig erweiterte und immer neue Aspekte gefunden hat.

Die ersten Bücher zeichnen sich durch eine unbändige Fantasie aus, die mit einer wunderbaren Leichtigkeit erzählt werden. Da wird mit einer bewundernswerten Selbstverständlichkeit ein komplett neues, schlüssiges Universum geschaffen, dessen Geschichten bestimmt nicht auserzählt sind.

Die Hintergrundgeschichte um Harry und Voldemort ist groß genug angelegt, um sieben Bände durchzuhalten. Hogwarts entsteht beim Lesen vor unseren Augen und alle Figuren sind gut genug erzählt, um sie kennenzulernen und mit ihnen mitzufiebern.

Die ersten vier Bände kann ich immer wieder lesen, insbesondere Band vier ist ein erzählerischer Höhepunkt, was Spannung, Geschichte, Verwicklungen und durchgehaltene innere Logik angeht.

Und die Ideen: Zeitumkehrer, Eulen, Pensieve, Muggles, Quidditch, …

Leider interessiert Rowling ab Band fünf die dunkle Seite ihrer Geschichte und die Erweiterungen, die sie dort vornimmt, insbesondere, was Dumbledore, Snape und Harrys Eltern angeht, sind echt nicht mein Ding. Sie verkompliziert die Geschichte und kann die Einzelteile nicht mehr schlüssig zusammenhalten. Gleichzeitig verengt sie so den Erzählrahmen, die Größe des geschaffenen Universums nimmt unnötigerweise ab. Was ist mit den Riesen, Drachen, anderen Schulen? Dazu kommt, dass Harry, Ron und Hermione dauernd gegeneinander arbeiten müssen, was in den ersten Bänden noch charmant ist, nervt in den letzten Bänden nur noch, insbesondere im Angesicht der Bedrohung durch Voldemort.

Apropos Figuren, hab ich oben noch gelobt, sind bestimmte Muster aber auch nervig. So gelingen Rowling keine guten Frauenfiguren. Insbesondere Hermione, die einzig kompetente Kinderfigur, wirdd dauernd als Streberin dargestellt, was negativ geschildert wird. Während die Jungen tun können, was sie wollen, und Hermione ihnen den Rücken freihält, wird sie von beiden genauso zuverlässig ignoriert. Für die Handlung ist sie oft nur als Auslöserin von Aktionen da, nicht als aktive Rolle. Das ist schade.

Dann werden zwar bis Band 4 neue Figuren eingeführt, diese jedoch wieder zurückgefahren und hauptsächlich in Klischees belassen. Ginny z.B. ist so gut, aber siehe Hermione. Einzig die Zwillinge sind noch interessant.

Apropos Klischee: die größte Enttäuschung ist tatsächlich das stockkonservative Happy-End. Wie kann jemand mit solch einer Fantasie so ein Nummer-Sicher-Ende wählen?

Leider hat das dazu geführt, dass ich andere Bücher aus dem Universum nicht lesen werde, denn ich vermute, J.K. Rowling hat ihren erzählerischen Höhepunkt hinter sich und ich will mich da vor weiteren Enttäuschungen schützen.

Ich hab auch Probleme mit der Darstellung von Hogwarts als Schule mit vier Häusern, die gegeneinander ausgespielt werden, wo Bullying geduldet wird und wo die Begünstigung von Harry Potter und die Demütigung anderer Schüler:innen, insbesondere von Slytherin, durch den Schulleiter anormale Züge annimmt. Das liest sich zwar nett hin und im Buch fiebere ich mit, aber tiefer drüber nachdenken sollte man nicht,

Die Filme setzen die Bücher adäquat um. Es gibt stärkere und schlechtere Umsetzungen, insgesamt ist das aber in Ordnung, denn die Medien unterscheiden sich in Länge und damit in der zu zeigenden Komplexität grundlegend.

Es wäre interessant, eine Harry-Potter-Fernsehserie zu sehen: eine Staffel – ein Buch. Aber das werde ich wohl leider nicht erleben. Evtl. auch animiert, um das Problem mit alternden Darsteller:innen zu umgehen.

Insgesamt hat mich die Serie gut unterhalten, die letzten Bücher waren zwar nichts für mich, aber dennoch sind die Bücher eine Riesenbereicherung des Fantasygenres und insbesondere Band 4 lese ich immer wieder gern.

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Kritik: Harry Potter and the Deathly Hallows: Part 1 (2010) und Part 2 (2011)

Harry Potter and the Deathly Hallows (Harry Potter und die Heiligtümer des Todes) wurde in zwei Filme aufgeteilt: Film 1 und Film 2.

Ganz schlimm. Das einzige Buch der Reihe, das ich nur einmal gelesen habe und das auch nicht wieder tun werde. Die Horcrux-Geschichte war schon im Halbblutprinz zu kompliziert angelegt, wird hier aber um die Deathly Hallows erweitert. Das stemmt Rowling erzählerisch einfach nicht mehr. Die Geschichte ist viel zu lang, überkomplex und zu trostlos. Sicher will Rowling so ein Gefühl beschreiben, aber das ist nur noch traurig und das Verhalten unserer drei Hauptfiguren nur noch in Ansätzen nachvollziehbar.

Dazu kommen noch Entscheidungen… Was ist mit dem unwürdigen Ende von Snape? Und das Ende – wie sehr muss man in Klischees baden, um so was zu schreiben?

Wenn ich dran denke, mit welchem Einfallsreichtum Rowling begonnen hat und wie stark das doch abfällt, ist das einfach sehr enttäuschend.

Die Filme setzen das Buch gut um, mir hätte einer gereicht, da insbesondere inhaltlich nicht so viel zu erzählen ist. Aber im Endeffekt war das eine Entscheidung für sehr, sehr viel Geld.

Fazit: weder Buch noch Filme sind was für mich.

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Kritik: Harry Potter and the Half-Blood Prince (2009)

Harry Potter and the Half-Blood Prince (Harry Potter und der Halbblutprinz), der sechste Teil, bei dem sich Rowling leider komplett verzettelt und bei dem die erzählerischen Fähigkeiten der Autorin an ihre Grenzen geführt werden.

Die Magie ist auserzählt, Rowling legt den Fokus auf die Geschichte um Voldemort und seinen Aufstieg sowie die Vorbereitungen, ihn zu besiegen. Das kann sie nicht. Die Idee mit den Horcruxes ist ok, aber deutlich zu kompliziert angelegt und erzählt. Sie versucht, die Figur Snapes interessanter zu machen und schafft eigentlich nur mehr Klischees um die Figur. Er verliert leider wieder nach guten Ansätzen in den Bänden 4 und 5. Dumbledore wird immer unverständlicher und verschlossener und insgesamt ist das einfach nur noch anstrengend.

Dazu Harry, der immer eigensinniger wird, das Buch des Halbblutprinzen hilft immerhin mal beim Lernen.

Der Film kondensiert das Ganze noch, er lässt fast alle Magie weg und konzentriert sich auf die Geschichte. An sich eine gute Idee, leider bleibt damit ein unangenehm dunkler Film übrig, der wenig Ausweg für Staunen oder Freuen lässt.

Damit sind weder Buch noch Film was für mich und ich hoffte noch darauf, dass der siebte Teil wieder zu alter Form findet.

Fazit: erzählerisch schwach, inhaltlich ok.

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Kritik: Harry Potter and the Order of the Phoenix (2007)

Harry Potter and the Order of the Phoenix (Harry Potter und der Orden des Phönix), der fünfte Teil der Reihe und der Teil, bei dem mich Rowling im letzten Drittel des Buchs verlor.

Dabei ist die Geschichte am Anfang gut: Voldemort ist wieder da und das Zauberministerium will das vertuschen, erklärt alle zu Lügnern und ersetzt Dumbledore durch die bürokratische, hartherzige und folternde Schulleiterin Umbridge. Diese versucht, Harry das Leben schwer zu machen und die Kontrolle über Hogwarts zu gewinnen. Was nicht gut läuft.

Das ist gut und flüssig erzählt, auch der Aufbau des Widerstands gegen Umbridge und Voldemort – gut gelungen. Aber dann wird das zu viel, wieder einmal wird die Geschichte von Harrys Eltern erweitert und neu gedeutet, wieder einmal weiß Dumbledore alles, sagt aber keinem etwas, erst recht Harry nicht, und irgendwie summiert sich das alles und ist zu viel. Ich kann den Finger nicht drauf legen, aber das sprach mich plötzlich nicht mehr an, mitten im Buch.

Auch der Bruch mit Cho aus nichtigen Gründen, wahrscheinlich, um die Hauptfiguren beieinander zu halten, ist schlecht, denn so wurde die Chance vertan, offensichtliche Figurenkonstellationen aus dem Klischee „beste Freunde müssen heiraten“ zu befreien.

Damit hat der Film natürlich auch ein Problem, zusätzlich dazu sind auch hier wieder Auslassungen und Zufügungen enthalten, die wirklich fehlen oder unnötig sind. So erzählt der Film die Geschichte ein wenig anders und verändert dabei die Stellen, die mir im Buch gut gefallen haben.

Im Film ist der Bruch mit Cho sogar noch schlechter umgesetzt als im Buch.

Was in Buch und Film positiv bleibt, ist Snape, hier darf er tatsächlich einmal zeigen, was es bedeutet, erwachsen zu sein und Verantwortung zu übernehmen.

Gut besetzt hinten heraus Helena Bonham Carter als Bellatrix Estrange, leider wird der Tod Sirius Blacks auch verändert, um billig die Figur Estrange zu verbösen. Das sind so die Kleinigkeiten, die einfach stören.

Insgesamt ist der Film der Geschichte angemessen düster und einfacher erzählt, was schade ist, denn das Staunen, die Magie – die fehlen (auch schon im Buch).

Fazit: Buch ab dem letzten Drittel, Film insgesamt sprechen mich nicht mehr an.

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Kritik: Harry Potter and the Goblet of Fire (2005)

Harry Potter and the Goblet of Fire (Harry Potter und der Feuerkelch) ist für mich der Höhepunkt der Buchreihe, der beste Band, den Rowling geschrieben hat.

Sie führt die Geschichte mit einer bewundernswerten Leichtigkeit von einer Vorahnung über Vodemort über das Quidditch-Turnier und das trimagische Turnier zur ersten direkten Begegnung von Harry und Voldemort. Das ist ganz, ganz große Kunst. Die vielfältigen Verästelungen der Geschichte, die alle berücksichtigt und aufgedröselt werden, die auch alle wichtig sind für die Geschichte und die wirklich nicht vorhersehbaren Twists sind immer wieder ein Lesevergnügen. Und natürlich der Auftritt von Voldemort sowie die Darstellung der ganzen Organisation dahinter – brillant.

Natürlich kann ein Film das nicht vollständig abbilden, dafür ist das einfach zu komplex. Aber die Kürzungen und Erweiterungen, die im Film gemacht wurden, gehen für mich komplett am Buch vorbei. Am trimagischen Turnier sind für mich weniger die eigentlichen Herausforderungen interessant als die Vorbereitungen der verschiedenen Champions, die Frage, ob und wie man sich hilft, oder das Zerwürfnis von Ron und Harry (bei dem leider wieder einmal deutlich wird, wie nebensächlich eigentlich Hermiones Figur ist, sie ist halt dafür da, bestimmte Sachen anzustoßen, nicht mitzuwirken). Das wird im Film glattgezogen, es werden halt viele Drachen gezeigt und eine Zusatzszene erfunden, dafür werden essenzielle Bestandteile geändert, z.B. dass Harry zu faul ist, Hinweise zu berücksichtigen oder sich vorzubereiten.

Plötzlich lebt das Labyrinth, statt dass dort Fabelwesen warten. Warum? Es macht den Film nicht besser.

So gesehen konnte ich den Film nicht genießen und ihm auch nicht wirklich etwas abgewinnen, da die Änderungen zu weit vom Buch weg sind, das ich einfach im Hinterkopf hatte. Es geht so viel Hintergrund verloren…

Dennoch sind bestimmte Szenen gut gelungen und Brendan Gleeson sowie Ralph Fiennes sind wieder einmal genial besetzt. Insbesondere bei Ralph Fiennes wäre es mir lieber gewesen, wenn man auf das Schlangengesicht verzichtet hätte. Der ist auch so extrem furchteinflößend.

Es kann sein, dass der Film für sich gut ist, ich bin einfach zu enttäuscht von der Umsetzung des Buches, um das objektiv zu beurteilen.

Fazit: nichts für mich, da zu weit weg vom Buch.

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Kritik: Harry Potter and the Prisoner of Azkaban (2004)

Weiter geht es mit dem dritten Teil der Serie: Harry Potter and the Prisoner of Azkaban (Harry Potter und der Gefangene von Askaban) und einem neuen Dumbledore, da Peter Harris verstorben war.

Rowling erweitert das Universum erheblich und führt immer dunklere Elemente ein, hier den Massenmörder und Harrys Paten Sirius Black und damit die Dementoren und eine bedrohliche Grundstimmung. Der Film versucht, dem gerecht zu werden, aber erstmals sind Kürzungen notwendig, die tatsächlich die Handlung und das Verständnis der Figuren beeinflussen.

So sind die Dursleys und Tante Marge z.B. nur nervig und nicht, wie im Buch, bösartig zu Harry. Oder die Beziehung von Black, Lupin und Harrys Vater zu Snape wird abgeschwächt, was Snape grundlos bösartig erscheinen lässt. Oder die Ungerechtigkeit um Quidditch und den Firebolt von Harry, die weggelassen wird. Oder die Überforderung Hermiones durch den Zeitumkehrer.

Dennoch schafft es der Film, den düstereren Grundtenor des Buchs zu übernehmen und auf die Leinwand zu bringen. Wir erfahren wieder mehr Hintergründe über Harrys Eltern und deren Tod, wir lernen Animagi kennen und Emma Thompson hat wunderschöne Szenen.

Was sich fortführt, hier aber erstmals deutlich zu Tage tritt, ist die Bevorzugung, die Harry gegenüber den anderen Schüler:innen bekommt, er kommt quasi mit jeder Regelverletzung durch, weil es ja der Harry ist. Auch das Bullying seiner Eltern und ihrer Freunde wird nicht wirklich als schlecht dargestellt.

Ansonsten ist es wieder einmal eine Freude, guten Schauspieler:innen bei ihrer Arbeit zuzusehen, hier behält der Film seine Qualität bei, und Gary Oldman ist einfach eine Bank.

Fazit: erwachsenere, sehr gute Verfilmung des dritten Bands.

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Kritik: Harry Potter and the Chamber of Secrets (2002)

Harry Potter and the Chamber of Secrets (Harry Potter und die Kammer des Schreckens) ist die Verfilmung des zweiten Potter-Buchs, die Figuren wurden im ersten Film eingeführt, sie können stärker charakterisiert und das Universum erweitert werden.

Die Geschichte dreht sich um die titelgebende Kammer, die Harry finden muss, um zu beweisen, dass er ein Gryffindor ist, kein Slytherin (wozu die anderen Häuser erfunden wurden, erschließt sich im Lauf der Bücher nicht so recht, die sind einfach so da, ohne besondere Eigenschaften). Immerhin spricht er Parseltongue und kann somit mit Schlangen und Basilisken reden.

Rowling erweitert in diesem Buch geschickt den Kosmos, indem sie die alten, fantastischen Elemente aufnimmt und behutsam neue Elemente hinzufügt. Wichtigstes Element m.E. ist das Magieministerium, das einen bürokratischen Einfluss in das Universum bringt, das bisher aus Staunen und leichten Gefahren bestand. Auch der Gefahrenlevel wird durch Versteinerungen angehoben.

Schön die Figur des Professor Lockhart, genial dargestellt von Kenneth Branagh. Und Moaning Myrtle ist auch eine sehr gute Ergänzung. Nicht zu vergessen Dobby, der Hauself und die ganze Idee der Hauselfen. Und natürlich Ginny, Rons Schwester.

Das Ganze bleibt ein Märchen wie im ersten Teil, richtig Angst um die Protagonisten kommt nicht auf, wir sind noch im fantastischen Teil der Buchreihe.

Der Film bringt das alles wieder einmal sehr gut auf die Leinwand, die Kürzungen und Abweichungen von der Romanvorlage sind verschmerzbar.

Fazit: sehr guter Film, sehr gute Fortsetzung.

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Kritik: Harry Potter and the Sorcerer’s Stone (2001)

Wir müssen mit vier Vorbemerkungen anfangen.

Erstens: der Titel. Harry Potter and the Sorcerer’s Stone ist der amerikanische Titel des Buchs, der allgemein für den Film übernommen wurde, in Großbritannien heißen Film und Buch „Harry Potter and the Philosopher’s Stone“, auf deutsch hat sich der Verlag für „Harry Potter und der Stein der Weisen“ entschieden.

Zweitens: J.K. Rowling. Leider hat sie sich in Bezug aus Transmenschen zu einem weißen alten Mann entwickelt, was sehr schade ist, denn gerade auf dem Gebiet des Feminismus hat sie gute Arbeit geleistet, ist dann aber in ihrer Form des Feminismus „steckengeblieben“ ohne neue Impulse aufzunehmen. Ähnlich wie Alice Schwarzer, deren Verdienste unbestritten sind, die aber auch mit modernem Feminismus, der sich übergreifender versteht, nichts anfangen kann. So meine laienhafte, sicher nicht alles erfassende Einschätzung. Macht das die Bücher bzw. Filme schlechter? Für mich nicht, ich bin eher enttäuscht, da ich einfach mehr von ihr erwartet hätte. Allerdings bin ich auch nicht persönlich betroffen von ihren Aussagen.

Drittens: die Altersfreigabe ab 6. In Deutschland gab es ernsthaft eine Debatte, dass das Zaubern so schlimm wäre, dass Sechsjährige dadurch auf falsche Pfade geführt würde, statt richtiger Religion zu frönen. Yepp, CSU. Yepp, Bild.

Für Sechsjährige ist so viel Okkultismus gefährlich. Sie sind religiös nicht gefestigt und glauben alles, was sie sehen.

Benno Zierer

Echt, wenn es irgendwo groben Unfug zu lesen gibt, sind Bild und CSU ganz weit vorn.

Viertens: die Übersetzung der Bücher. Die sind mäßig gut übersetzt. Teilweise werden ganze Szenen durch schlechte Übersetzung verfremdet, ob das Unvermögen des Übersetzers ist oder einfach Schludrigkeit, unvollständige Manuskripte, Zeitdruck; ich glaube, eher die letzteren Sachen. Macht die Sache nicht besser, da das irgendwie zeigt, dass selbst bei sehr großen Büchern Kinderbücher nicht gut behandelt werden. Jedoch hatte auch Rowling in den Büchern einige Fehler drin, die bei späteren Ausgaben behoben wurden. Das führte dann zu einer Art Kleinkrieg zwischen internet und Übersetzer, bei dem jede Fehlübersetzung aufgelistet wurde. Interessant zu lesen, grenzte aber stark an Mobbing gegenüber dem Übersetzer. Gut gelungen ist allerdings die Übersetzung der neuen Wörter, die sich Rowling ausgedacht hat, das ist nie einfach, vor allem, wenn man nicht weiß, welches Wortspiel auch noch Bedeutung erlangen wird. Andererseits: warum aus „Hermione“ „Hermine“ wurde – who knows.

Soviel zur Vorrede – das Buch, der Film:

Ich hab den Potter-Hype damals miterlebt, bin aber erst zur Veröffentlichung von Band 3 richtig darauf aufmerksam geworden. Daher konnte ich drei Bücher am Stück lesen und musste nicht ewig auf die Fortsetzungen warten. Das hatte den Vorteil, dass die Geschichte für mich eine Einheit bildete, das gilt ab Band fünf leider nicht mehr, dafür liegen die dann zu weit auseinander. Mein Problem.

Der Film greift die phantastischen Elemente der Bücher auf und bringt diese unglaublich gut auf die Leinwand. Die Fantasie Rowlings wird umgesetzt und das ist wahrlich nicht einfach.

Die Sets sind beeindruckend. Das sind alles plausible Umsetzungen des Buches, da hab ich mir ähnliches beim Lesen vorgestellt.

Die Schauspieler:innen sind bestens besetzt, am Schwächsten meiner Erachtens nach Harry selbst (mit Daniel Radcliffe, der bei mir durch seine Post-Potter-Filme deutlich an Ansehen gewonnen hat). Aber Hermione, Ron, Dumbledore, Professor McGonagall(!), Hagrid, Professor Snape(!), das sind nur die herausragenden Figuren, die wie aufs Auge für ihre Rollen passen. Auch die anderen Rollen sind sehr, sehr gut besetzt.

Die Musik. John Williams. Wo er das nur hernimmt…

Von der Geschichte werden die wesentlichen Teile umgesetzt, natürlich muss da gekürzt werden. Etliche Szenen sind weggefallen, die ich extrem gut finde, insbesondere die Trostlosigkeit bei den Dursleys, aber dafür sind ja dann noch die Bücher da. Der Film ist auch deutlich freundlicher als der Roman, was auch ok ist. Ob Handlungsstränge fehlen, die für das Verständnis der nachfolgenden Filme nötig sind, kann ich nicht einschätzen, da ich die Bücher alle vor den Filmen gelesen hatte.

Die Stimmung des Films wird durch die Sets und die Inszenierung angenehm nostalgisch. Alles in warmen Farben, viel Staunen von Harry über die neue Welt, wir staunen mit. Diese Naivität wird dann ab Teil 5 leider aufgegeben, was für mich einen Bruch mit der Reihe darstellt. Aber dazu dann bei Teil 5.

Kritik muss leider auch sein: Hermiones Rolle, die ich in den Büchern schon zu negativ fand, wird hier noch mehr Anhängsel an Harry. Ich meine, Hermione ist die einzige kompetente Person der Kleingruppe und das wird als negativ dargestellt.

Harrys Haare. Warum man da vom Buch abgewichen ist, keine Ahnung. Den Haaren werden mehrere Absätze gewidmet und das wird dann so verschenkt.

Professor Snape: eine der wenigen Figuren im Buch mit Tiefgang: nicht im Film. Dennoch hervorragend dargestellt von Alan Rickman.

Und Quidditch. Das lässt mich kalt, das war sehr schwer umzusetzen und das passt nicht für mich. Auch die Spannung, die Rowling in den Büchern hinbekommt weicht hier einer eher plumpen 08/15-Sportdramatik.

Dennoch: für den ersten Film einer sehr schwierig umzusetzenden Reihe ist dieser Film sehr gelungen und kann sehr empfohlen werden (aber nur wenn man ein gefestigtes religioses Weltbild hat).

Fazit: sehr fantasievoller, moderner, nostalgisch inszenierter Märchenfilm.

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Volltrottel in Verkehr und Literatur

OK, der Verkehr heute war eigentlich ganz ok, früh sogar ein Kastenwagen, der die gesamte Leipziger Straße hinter mir blieb, ohne zu drängeln. Sehr schön.

Dafür auf der Rückfahrt eine Rechtsabbiegerin, die einfach nicht halten wollte. Mich ließ sie noch zähneknirschend vorbei (ohne stehenzubleiben), die Radfahrerin hinter mir musste dann vollbremsen.

John Asht – der „Autor“

Apropos Volltrottel: der mir bis dato unbekannte Autor John Asht macht sich gerade selbst zu einem solchen. Eine an sich lustige Geschichte, die man nicht glauben mag:

Ausgangslage: Myriel schreibt in ihrem Blog Bücherzeit eine Rezension von Twin-Pryx Zwillingsbrut von eben jenem John Asht. Offensichtlich war das Buch nicht ihres, denn nach 90 Seiten bricht sie ab und beschreibt nachvollziehbar, dass das Buch von ihr keine Empfehlung bekommt.

Tja, so läuft das halt manchmal, da gefällt das Buch halt nicht.

Nicht mit John Asht (was auch immer das für ein Pseudonym sein mag, ich will es gar nicht wissen). Denn der weiß, was Sache ist und kommentiert, sagen wir, etwas ungehalten, dass sich Myriel erdreistet a) das Buch nicht zu mögen und b) das auch noch zu sagen. Und das, obwohl sie gar nicht das ganze Buch gelesen hat! Also will er sie verklagen!

Oder in seinen Worten:

Na ja, von einer 23-jährigen Fantasy-Leserin, die mit gehobener Literatur überhaupt nichts anfangen kann, erwarte ich auch nicht mehr als eine solch’ unqualifizierte Pseudo-Rezi.
Mädel, schreib’s dir hinter die Ohren: Phantastische Literatur ist nicht „Fantasy“.
Also, tu uns allen einen Gefallen und bleib bei deinen Zwergen und Elfen – für mehr reichts nicht!

OK, reicht noch nicht:

… außerdem werde ich „Myriel“ und „Bücherzeit“ von meinem Rechtsanwalt gerichtlich ahnden lassen – denn mir sieht diese Einrichtung sehr suspekt aus – etwa so, wie von gewissen Leuten bezahlt, um einem Autor zu vernichten. Das wird teuer, Lady!

Der Roder-Verlag

Har, har. OK, jetzt würde man denken: hoffentlich liest der Verlag mit und schlichtet etwas. Der Verlag liest mit. Auftritt Antje Roder, Geschäftsführerin des Roder-Verlags.

Nur Auszüge, denn ihre Kommentare sind etwas länger:

Grundregel Nummer 1 für eine Rezension ist, dass man das Buch überhaupt gelesen hat!!!

Drei(!) Ausrufezeichen. Myriel hat sich nämlich nicht an die Rezensionsregeln gehalten.

[…] Daneben gibt es aber noch solche Autoren, die sich Zeit nehmen für ihr Werk, die Handlungsstränge ausarbeiten und eine Geschichte entwickeln. Daraus entstehen Bücher, die nicht zur Massenware zählen und die den Leser zum Mitdenken anregen wollen – keine vorgekaute Kost. […]
Wer damit nicht mehr umgehen kann, sollte sich künftig besser nur noch mit anspruchsloser Kost berieseln lassen. Das ist auch den Machthabern lieber, denn diese Art von Fast-Food-Leser lassen sich optimal lenken und kontrollieren – eben weil sie allmählich das rationale Denken verlernen.

Myriel ist einfach zu doof für das Buch (zu dem komme ich noch). Aber jetzt kommt’s dicke:

Artikel 5 des Grundgesetzes gibt Ihnen noch lange nicht das Recht, Wirtschaftskriminalität zu betreiben, indem Sie willkülich den Verkauf eines Produktes boykottieren.
Sie sind keine studierte Literaturkritikerin – das sieht man allein schon daran, dass Sie den fantastischen Abenteuerroman „Twin-Pryx, Zwillingsbrut“ fälschlicherweise in die Kategorie „Fantasy“ abgeheftet haben. Fantastische Abenteuerromane sind z. B. das Genre des Jules Verne. Fantasy hingegen ist das Genre der modernen Märchengeschichten, wo Fabelwesen um den Menschen agieren.
[…]
Außerdem werde ich den Börsenverein des Deutschen Buchhandels informieren, dass Sie auf launische Weise Literaturkritiken veröffentlichen, ohne überhaupt das Werk gelesen zu haben – abgesehen davon, dass Sie es wie oben beschrieben falsch kategorisiert haben.
Überlegen Sie sich, was für Konsequenzen das alles für Sie haben wird. Das Recht ist auf unserer Seite!

Uiuiui. Falsche Kategorie genommen und nicht Literaturkritik studiert. Und auf launische Weise Kritiken veröffentlicht. Ein Fall für die spanische Inquisition.

Zum Glück nimmt Myriel das Ganze sportlich und wartet ab, ob endlich gerichtliche Schritte erfolgen. (Herr Staatsanwalt, die hat mein Buch nicht gut gefunden, obwohl sie es nicht zu Ende gelesen hat!!!)

Noch nicht peinlich genug?

OK, dann auf ins Blog von John Asht. Dort beschreibt er nämlich den Vorfall auf seine Art unter dem Titel (und das habe ich mir nicht ausgedacht) „Literatur-Kriminalität im Internet„. Er beginnt mit:

Vor der Internetexplosion gab es noch gestandene Literaturkritiker[…]

Jetzt schwadroniert er sich eine Verschwörungstheorie um eine abgelehnte Autorin zusammen. Muss man lesen. Weiter:

Lady Oberschlau publiziert also ihre unqualifizierte Kritik in ihrem Blog und gibt sogar noch offiziell zu, dass sie das Buch überhaupt nicht gelesen hat.

Die Schlange. Erzählt also offen die Wahrheit. Schlimm.

Der Verlag verwarnt die unseriöse Rezensentin und belehrt sie vorbeugend, dass sie nicht einmal die Literaturgattung des Buches richtig erkannt habe und somit eine Rezension nach den Kriterien eines ganz anderen Genres erstellt hat. Vor allem aber wird sie darauf aufmerksam gemacht, dass sie ein Buch von der ersten bis zur letzten Seite zu lesen habe (sorgfältig), bevor sie überhaupt eine Kritik zu veröffentlichen gedenkt.

Ja, wieder diese Rezensionsregeln, die so gelten. Aus dem Rezensionsgesetzbuch (ok, der war schlecht).

Demonstrativ schickt die pseudo-erpresserische Rezensentin ihre Postanschrift zu – womöglich in der Hoffnung, dass da nun bald ein schönes Paket mit Geschenken und vielleicht auch einem Geldumschlag eintrudelt. Stattdessen aber bekommt sie eine Anzeige wegen Verstoßes gegen § 15 UWG „Geschäftlicher Verleumdung“.

Klar, die wollte Geschenke haben. Mal sehen, was Myriel dazu schrieb:

Hallo Frau Roder,
da Sie so plakativ darauf hinweisen, dass das Recht auf Ihrer Seite ist, dürfen Sie mich gern davon überzeugen. Meine postalische Anschrift habe ich Ihnen soeben per E-Mail übermittelt, so dass Sie Ihre Ankündigungen umsetzen können.

Tja, sie wartet einfach auf die Anzeige (die bisher noch nicht gekommen ist).

Aber nochmal die Regeln von John Asht:

Sobald eine Rezension veröffentlicht ist, untersteht sie nur dann dem Schutze der freien Meinungsäußerung, insofern sie zutreffend fundiert und objektiv analysiert ist – vor allem aber muss der Rezensent das gesamte Werk von der ersten bis zur letzten Seite gelesen haben. Für nur angelesene Bücher kann man höchstens ein referierendes Statement abgeben – allerdings niemals in einem Rezensionsblog.

Jenau. Und zum Schluss die Tränendrüse:

Was diese rücksichtslosen Wichtigtuer(innen) nicht wissen, ist, dass so mancher Kleinverleger sein ganzes Hab und Gut als Sicherheit bei der Bank hypothekiert hat, nur um einige ausgewählte Manuskripte zu Büchern zu machen, in der Hoffnung, dass ein Broterwerb daraus enstehe, für ihn und seine Autoren.

Tja, sollte der Verlag sich seine Autoren wohl genauer aussuchen. Oder gute Literatur veröffentlichen. Oder sich nicht öffentlich im Netz zum Vollhonk machen. Nur so eine Idee.

Immer noch nicht peinlich genug?

OK, John Asht hat seinen Ursprungsartikel editiert, vorher hat er (laut diesem Screenshot) noch das Wunderargument gezogen, dass die Rezensentin es einfach mal besorgt kriegen muss:

Vielleicht sollte ihnen die Krankenkasse eine Therapie bezahlen: eine Kur in lieblichen Gefilden, wo es reale Jungs gibt, die ihnen besorgend beibringen, worum es im Leben überhaupt geht.

OK, er hat halt ein einfaches Frauenbild, schaut mal auf seinem Blog den Artikel Frauenquote an, in dem er über die böse „Emantipation“ herzieht, da gibt es Perlen zur Frauenquote:

Und von wem kommen solche abstrusen Vorschläge? Von Frauen der Regierungsbank, die noch nie einem ehrlichen Beruf nachgegangen sind […] Aber gerade weil sie Berufspolitikerinnen sind, sollten sie wissen, dass es diese bornierte Experiment schon einmal gegeben hat: im früheren Ostblock. Da wurden urplötzlich Menschinnen gefördert, die kaum noch was Weibliches an sich hatten – Mannsweiber, die überhaupt keine Kinder haben wollten und von grundauf alles hassten was männlich war – und dementsprechend auch alles hinterfragten und widersprachen was von einem Manne im Unternehmen kam. Fazit: Alles ging den Bach runter!

Was ist die Lösung für das Menschinnenproblem?

Natürliche Rollenverteilung braucht die Nation, um als solche weiterbestehen zu können.
[…]
Nun frage ich mich aber, wie viele Frauen haben was genau erfunden und entdeckt bis heute? Da gibts leider nur sehr wenige – und selbts diese Frauen forschten an der Seite ihres Mannes und setzten nach deren Tod deren Errungenschaften fort. Es ist nun mal gegen die Natur einer biologisch richtigen tickenden Frau, plötzlich hochtechnisierte Maschinen, Formeln oder Raketen zu erfinden.

Ein schlichter Geist, dieser John Asht.

Was, noch mehr Peinlichkeit?

Na ja, vielleicht ist er ja ein guter Schriftsteller, wenn er schon sonst eher nicht viel kann. Lesen wir Auszüge aus dem rezensierten Werk TWIN-PRYX, Zwillingsbrut. Oh nein, ich werde jetzt nicht alles hierher kopieren, aber zwei Kostproben sollen sein, einfach selbst lesen. Aber seid gewarnt: schlechte Literatur ahead!

Eine Schweißperle wollte herunter zum Augenwinkel kullern – sie wischte sie weg und wünschte sich, den Albtraum genauso einfach aus ihrem Gedächtnis löschen zu können. Hinterhältige Halunken, überraschend waren sie aus den Büschen gesprungen, hatten sie vom Pferd gezerrt und wortlos in eine dunkle Höhle verschleppt.

„Hinterhältige Halunken“?

Sie beschloss, sich noch vor dem Erwachen der anderen Burgbewohner etwas abzukühlen, denn ihr Körper vibrierte nach wie vor von diesem furchtbaren Traum. Nackt schritt sie zur offenen Tür, streichelte zuerst ihre beiden treuen Wolfshunde, die Nacht für Nacht ihren Schlaf bewachten, dann äugte sie sicherheitshalber nach allen Seiten und ging schließlich gemächlich zum Brunnen.
[…]
Zurück in ihren Räumen trocknete sie völlig erfrischt ihren wohlgeformten, sportlichen Körper ab, warf noch einen fast scheuen Blick in den Spiegel und schlüpfte in eine ihrer geliebten Reitermonturen – es war eine dieser Einzelkreationen, wie sie nur die Mutter, bedingt durch ihre indianische Abstammung, hatte anfertigen können.

Nicht sagen, dass ich nicht gewarnt hätte.

Es mag Leute geben, denen sowas gefällt. Aber dass Myriel sich durch 90 Seiten dieser gequirlten Kacke gelesen hat, ringt mir Hochachtung ab. Ich habe es nicht mal durch die Leseprobe auf der Webseite geschafft.

Lest die Kommentare bei Myriel und Astrodicticum durch, da ist viel gesagt. Dort sind auch weitere lesenswerte Seiten verlinkt.

Und lest mal wieder ein gutes Buch.

PS: eigentlich warte ich noch darauf, dass ich auf einen ganz raffinierten Hoax reingefallen bin.

Quellen:

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Bücher

Buchbranche

Buchbranche, insbesondere Ihr Verleger – wir müssen reden.

Gerade war die Frankfurter Buchmesse, auf der laut Euren Aussagen insbesondere die elektronischen Bücher vorgestellt werden sollen – stimmt nicht. Hauptplatz gehört den „richtigen“ Büchern aus bedrucktem Holz und das finde ich gar nicht so schlecht. Ich lese gerne in einem Buch, das ich mit ins Bett nehme oder ins Bad, da finde ich Elektronik doch noch unpassend. Außerdem ist es haptisch schön, sich in einem Buch von vorn nach hinten durchzuarbeiten.

Was ich schlecht finde, das ist Eure Einstellung gegenüber Büchern im Allgemeinen, darunter auch digitalen Büchern und damit gegenüber mir, der ich Eure Bücher kaufen soll.

Ich vermutete früher, Euer Geschäftsmodell basiert darauf, dass ich Eure Bücher kaufe. Derzeit glaube ich das nicht mehr.

Ich lese sehr gern und sehr gerne das, was allgemein als „Schundliteratur“ bezeichnet wird: King, Koontz, Lukanienko, Cook, die Warhammer-Reihe, die Star-Wars-Reihe, Harry Potter etc. Ich denke, Ihr wisst, was ich meine. Damit ist man von vornherein gebrandmarkt: als dumm. Entsprechend werden die Bücher behandelt: schlechte Übersetzer, viele Fehler, schlechte Buchqualität. Das habe ich gelernt, hinzunehmen, vor allem in den schlimmen Neunzigern des letzten Jahrhunderts.

Dort wurde die Qualität meiner Bücher schleichend innerhalb von ca. zwei Jahren grottenschlecht: kaum eine Seite ohne Druckfehler, willkürliche Übersetzungen, Inkonsistenzen innerhalb von Buchserien etc. Begründet wurde das durch die exorbitanten Kosten, die richtige Übersetzer und Lektoren kosten würden. Gleichzeitig wurde die Bücher teurer, Grund waren offiziell die gestiegenen Kosten von Druck, Papier etc. Also gestiegene Produktionskosten nichtmenschlicher Natur (merken, brauch wir später noch, den Fakt). Das brachte mich und einige Freunde dazu, mehr Bücher auszutauschen, da die Anschaffung für den Preis zu hoch war – bis dato hatten wir von guten Büchern jeder ein Exemplar gekauft.

Dann kam die Zeit der originalsprachigen Bücher, die ich aus sprachenlerntechnischen Gründen kaufte. Erst eins, dann zwei, dann viele. Und ich merkte, dass ich mit den Übersetzungen von den Verlagen sehr oft im Stich gelassen wurde. Klar, Hemingway, Shakespeare oder Tolkien werden gut übersetzt. Aber King, Koontz, Brown, Rowling eben nicht. Und das sind die Bücher, die ich bevorzugt lese.

Nur kurz anschneiden möchte ich das leidige Thema Comics/Graphic Novels: ganz traurig in Deutschland. Ist halt Kinderkacke und wird genauso behandelt.

Fazit bisher: den Verlagen war es eine lange Zeit von Mitte der Neunziger bis Mitte der Nuller Jahre recht egal, ob sie Qualität ablieferten, denn die Leute kauften Bücher ja sowieso.

Das fing an, sich zu ändern, als Amazon und Co. auf den Markt kamen. Denn auf einmal standen dem normalen Leser ganz neue Buchwelten offen. Nicht nur, dass man englischsprachige Bücher direkt bestellen konnte, auch die Welt der Comics, Graphic Novels, Mangas etc. wurde plötzlich sichtbar. Und, was nicht zu vergessen ist: mit dem Internet konnte man endlich einmal über seine Leseleidenschaft sprechen, sich mit anderen austauschen, ohne sofort ein Naserümpfen zu ernten. Es gab Gleichgesinnte da draußen.

Mit der massiven Verbreitung des Internet und Verbesserung der Elektronik kamen viele neue technische Errungenschaften auf den Markt: Print-On-Demand; Bücher im Netz zum Lesen, Selbstausdrucken, mitschreiben; elektronische Bücher; Buchscans von Google und vieles andere mehr. Statt nun aber mit Neugierde zu reagieren und die neuen Möglichkeiten auszuloten, mitzugestalten oder wenigstens zu nutzen, beging die Buchwelt den gleichen Fehler wie die Musik- und Filmindustrie: Verteufelung des Neuen.

Und jetzt sind wir beim Thema, das ich eigentlich ansprechen wollte: elektronische Bücher. Und die Vision der Buchindustrie dazu.

Kurz mal meine Gedanken zu elektronischen Büchern: ich finde sie unglaublich praktisch. Text auf einem Rechner zu halten, dort zu kommentieren und immer auf dem aktuellen Stand zu haben ist gut. Wie eingangs erwähnt, würde ich meine Schmöker nicht elektronisch kaufen. Aber bei Sachbüchern sieht das schon ganz anders aus: dort brauche ich Notizen, um Druckfehler auszugleichen oder Gedanken zu sammeln. Ich brauche die Möglichkeit, einen Text zu durchsuchen, wie oft blättere ich durch ein Sachbuch, um eine bestimmte Stelle zu finden, zu der ich nur ein Schlagwort kenne. Außerdem nervt es mich, mit veralteten Büchern zu arbeiten, will aber nicht so gerne Bücher wegschmeißen, außerdem muss ich jedesmal den vollen Preis für ein Update löhnen, bei dem ein paar Kapitel marginal geändert wurden.

Was erwarte ich also: die Möglichkeit, ein Buch elektronisch zu kaufen. Ich möchte das Buch auf meinen Rechnern halten, schön synchronisiert mit Notizen und allem Brimborioum (ja, ich besitze mehrere Rechner, evtl. in Zukuft ein Smartphone oder was auch immer). Ich möchte Updates zu dem Buch haben, wenn es sie gibt. Ich bin bereit, Fehler zu melden und zu korrigieren, damit die nächste Version des Buches besser wird. Dafür erwarte ich einen angemessenen Preis für das Buch, der deutlich unter dem Papierpreis liegt, sowie preiswerte Updates und kostenlose fehlerkorrigierte Versionen.

Das mit dem Preis erwarte ich übrigens, da die Druckkosten für Bücher so exorbitant hoch sind dass sie in den Neunzigern eine deutliche Preiserhöhung rechtfertigten, wie ich oben erwähnte.

Was waren aber die ersten und einzigen Überlegungen, die Ihr angestellt habt? Das Buch darf nicht kopiert werden. Wir wollen die Kontrolle über den Vertriebsweg haben. Wir wollen ein Buch löschen können, auch auf dem Gerät des Kunden. Und die Bücher dürfen nicht billiger werden als ihre Papierpendants.

Mit einigem Nachdenken sollten bestimmt auch Regionalcodes eingesetzt werden, damit ich nicht direkt Bücher aus dem nichteuropäischen Ausland kaufen kann – die Filmindustrie lässt grüßen. Kann ja noch kommen.

An mich als Kunden wurde da nicht einmal gedacht. Das heißt, so ganz stimmt das nicht – ich wurde als Störenfried identifiziert, dessen einziges Sinnen ist, Bücher zu kopieren und so oft wie möglich zu vervielfältigen.

Im Ergebnis sind elektronische Bücher unbenutzbar. Man kann sie zwar kaufen, weiß aber nicht, ob sie nicht später gelöscht werden. Außerdem können sie nur mit einem(!) Gerät genutzt werden und meist auch nur mit einem bestimmten(!) Gerät eines Herstellers. Ein neues Gerät oder ein Update des Rechners können einen Neukauf zur Folge haben. Mehrere Kopien auf mehreren Rechnern sind strikt verboten. Die Preise der Bücher sind exorbitant, Updates oder Preisnachlässe auf Folgeversionen sind nicht vorgesehen.

Nun frage ich Euch, liebe Buchindustrie: warum soll ich mir das antun?

Klar, das ist Euch egal. Noch. Bis Amazon oder Google oder wer auch immer mit einem ordentlichen Angebot kommt, das ich auch nutzen kann. Bis jemand an den Kunden denkt. Und dann geht Euch der Arsch auf Grundeis, wie der Musikindustrie derzeit oder den Zeitungsverlagen. Dann kommt Ihr gejammert und wollt staatliche Hilfe und was nicht alles, damit Euer Geschäft nicht zugrunde geht. Aber selbst mal ein Geschäft zu machen, das fällt Euch nicht ein.

So viel zu elektronischen Büchern, aber Ihr habt ja noch die Holzbücher. Alles in Ordnung. Wenn Ihr da wenigstens mal Qualität abliefern würdet. Aber auch da sind Euch Eure Kunden scheißegal.

Beispiel: die Warhammer-Reihe, Sammelstück für viele Fans. Mit dem schönen Warhammer-Logo auf dem Rücken, gut zu sammeln. Und was fällt Euch da ein? Mitten in der Reihe ändert Ihr die Größe der Bücher und lasst das Logo auf dem Buchrücken weg. Brilliant. Das wird viele Fans animieren, weiter die Bücher zu kaufen, statt sie vom Freund zu leihen. Und wenn wir schon dabei sind: die Übersetzer sind nicht besser geworden in den letzten zwanzig Jahren.

Anderes Beispiel: die Harry-Potter-Romane. Diese sind ein Paradebeispiel für schlechte Übersetzung. Und für verfälschende Übersetzung. Und für Inkonsistenzen innerhalb einer Buchreihe.

Letztes Beispiel: Buchtitel. Klar, der Autor hat sich sicher nichts dabei gedacht, als er sein Buch „The Da Vinci Code“ nannte. „Sakrileg“ ist da viel besser. Oder „Dinopark“ ist viel besser als „Jurassic Park“. Oder, oder, oder.

Von Comics wollen wir gar nicht erst anfangen: teuer ohne Ende, schlecht übersetzt, kaum im Buchhandel zu finden, Kinderkram halt.

Ein letzter Gedanke: habt Ihr schon mal darüber nachgedacht, eine interessante Buchsendung ins Fernsehen zu bringen? Klar, ich schaue Druckfrisch, da sind aber selten Bücher für mich dabei und es werden sehr wenig Bücher vorgestellt. Ich möchte einfach pro Woche eine halbe Stunde Buch: neue Bücher, alte Bücher, mit Anspruch, ohne Anspruch, für Erwachsene, Kinder, Männer, Frauen, etc.

Tja, das war’s auch schon, ich wollte nur mal all das sagen, was ich schon immer mal zu Büchern sagen wollte. Bestimmt habe ich noch was vergessen, aber wenn ich das Gejammere bei Messen immer höre, wie schlecht alles ist, könnte ich kotzen. Weil Ihr nicht auf den Kunden schaut, nicht versucht, ihn zu erfreuen und was für sein Geld zu bieten, sondern Euch auf Euren vertrockneten Lorbeeren ausruht und denkt, Ihr hättet die Weisheit mit Löffeln gefressen. Habt Ihr nicht. Ihr vergrault Eure Kunden. Langfristig.