Kategorien
Kino Kritik

Kritik: Eden Log

Mein letzter Film der Fantasy-Filmfest-Nights: Eden Log. Ein französischer Film, derer zur Zeit sehr viele herauskommen, von sehr gut bis mies, aber es tut sich was bei den Galliern. Laut Regisseur und Produzent des Films, die im Kino waren, ist das hauptsächlich auf Canal+ zurückzuführen, die derzeit sehr viele harte, phantastische Filme finanzieren.

Apropos Auftritt: die beiden waren sehr charmant, sprachen aber sehr schlecht englisch, wir sehr schlecht französisch. So war das Interview unterhaltsam, aber die Informationen aufgrund der Sprache und der Scheuheit der beiden doch eher spärlich. Macht aber nix.

Der Film beginnt langsam. Sehr langsam. So langsam, dass ich mich fragte, ob ich a) wach bleiben würde und b) mich wieder ärgern müsste. Aber die Furcht war unbegründet, nach geschätzten 20 Minuten nimmt der Film Fahrt auf und hält sie bis zum (unbefriedigenden) Ende durch.

Eine dunkle Geschichte, die unter der Erde spielt (gedreht wurde unterhalb von Paris, dort wo früher die Pariser Champignons gezüchtet wurden), in verschiedenen Stockwerken, die durch Diaprojektionen an Beton versinnbildlicht wurden. Das fand ich etwas enttäuschend, da sah billig auch billig aus. Das galt für das gesamte Set. Andererseits kann man an solchen Filmen prima erklären, wie Computerspiele trotz mehrerer Ebenen für den Spieler mit nur einer technischen Ebene auskommen. Aber ich schweife ab.

Der Hauptdarsteller ist toll, Clovis Cornillac, ich kannte ihn noch nicht, habe aber auch nicht Asterix gesehen, den er seit Neuestem spielt. In F. ist er wohl ein Star. Physisch sehr präsent, trägt er den Film fast alleine. Die Geschichte ist durchdacht, schwer zu folgen, aber mit genügend Erklärungen, wenn man mal nicht aufgepasst hat. Das Ende hat mir nicht gefallen, eine ökologische Botschaft (so sagten die beiden), die sich mir verschloss.

Fazit: Sehenswert, langsam, finster, neue Ideen.

Kategorien
Kino Kritik

Kritik: Sukiyaki Western Django

Ich weiß, wer Takashi Miike ist, ich kenne seine Bedeutung, trotzdem habe ich noch keinen Film von ihm gesehen. Diese Lücke konnte ich nun bei den Fantasy-Filmfest-Nights mit Sukiyaki Western Django schließen.

Ein Western, der so albern anfängt, dass wir (I war mit) uns verwundert ansahen. Japanische Schauspieler, die Englisch radebrechen, als gelte es ihr Leben. Alles falsch betont, was geht, falsche Pausen, eigenartig. Daher auch englische Untertitel, damit man verstand, was die Schauspieler gerade auf Englisch sagen. Dazwischen Quentin Tarantino, der mich erstmals seit langer Zeit mal nicht geärgert hat, sondern zwei gute Auftritte hinlegte.

Nach dem Prolog, bei dem die Richtung als albern bis scheißegal vorgegeben wurde, geht die eigentliche Western-Handlung los. Es ist müßig, den Inhalt zu beschreiben. Es passiert alles, was man sich vorstellen kann, in unglaublicher Geschwindigkeit, es wird geschossen, was das Zeug hält, Filme werden zitiert (Herr der Ringe, z.B.), keine Peinlichkeit wird ausgelassen, keine coole Pose verfehlt. Grandios. Wenn man bis dahin nicht gelacht hat, beim Versuch, das Schwert mit klatschenden Händen aufzufangen, rutschte ich tief in den Sessel vor Lachen. Diese Szene war allein den Eintritt wert.

Zwei andere Beispiele: der Showdown funktioniert nur im Schnee? OK, dann schneit es halt in einer Minute einen halben Meter. Who cares?
Der Hauptheld ist verprügelt worden und sieht aus wie ein Steak? Eine Nacht beim Wunderheiler und er sieht aus wie neu. Mit der Dialogzeile „Der Trick des Indianers hat funktioniert“.

Fazit: was für ein Film. Abgedreht, schnell, blutig. Klasse.

Kategorien
Kino Kritik

Kritik: Frontière(s)

Frontière(s), der neue Film von Xavier Gens, darauf habe ich mich bei den Fantasy-Filmfest-Nights gefreut, nachdem ich Hitman für sehr gelungen hielt.

Aber ach, nach einem starken Anfang sollte ich das Kino extrem enttäuscht verlassen.

Der Film beginnt in Paris, vier Jugendliche fahren von dort los, in ein Motel, eine nicht verratene Anzahl von Menschen überlebt. Der erste Teil des Films erinnert stark an Hostel, ohne dessen Beschränkungen, was das Blut angeht. Hier geht es richtig zur Sache. Gut gespielt, gute Darsteller, gute Inszenierung, keine Kritik.

Nach ca. einer Stunde kommt jedoch ein starker Durchhänger mit Erklärungen, Nazis, Unsinn etc. Nicht nur, dass die Spannung auf den Nullpunkt sinkt, hier sind Overacting, schlechte Schauspieler und seltsamer Nazischeiß von Feinsten zu besichtigen. Da fragt man sich schon: was hat Herrn Gens da geritten? Ähnlichen Unsinn habe ich zuletzt bei Rivières pourpres II sehen müssen, auch da hat es den ganzen Film restlos zerstört. Und nebenbei: so weit ist D. doch auch nicht entfernt, dass man den deutschen Text nicht korrekt aussprechen lassen kann, oder?

Und so erholt sich auch dieser Film nicht von dem Intermezzo, die Jagd geht zwar weiter, jetzt jedoch auf einem unterirdischen Niveau. Schauspielern bedeutet unartikuliert schreiben und mit dem Kopf wackeln. Einfach Mist.

Fazit: nach einer Stunde abschalten. Oder ärgern.

Kategorien
Kino Kritik

Om Shanti Om

Jetzt habe ich ihn mir angesehen, den neuen Film von SRK. Denn so wird er in Fachkreisen ausschließlich genannt.

Das Thema Wiedergeburt ist uns Europäern doch etwas fremd, ebenso wie die Kleidung der Inder in der 70er Jahren. Aber ich schweife ab, es geht um Om, einen Kleindarsteller des Bollywood-Kinos, der Shanti liebt. Beide sterben, Om wird wiedergeboren diesmal als Star der Filmindustrie und nimmt Rache. Dazu viel Tanz und Musik, wie üblich und nicht zu vergessen die Cameo-Auftritt-Orgie. Lustig war auch der Abspann, da durfte jeder mal auftreten bis hin zu den Spot Boys – in Indien hält so ein Anzug ein ganzes Leben lang. 😉

Fazit: Mal etwas anderes Bollywood Kino bei dem nicht ganz soviel auf die Tränendrüse gedrückt wird. SRK zeigt Sixpack und kann wirklich alles spielen. 😀 Endgesang erinnerte mich stark an das Phantom der Oper. Ich fand den Film gut.

Kategorien
Kino Kritik

Kritik: Doomsday

Die 80er sind zurück. Snake Plissken, Aliens, Mad Max, sie alle haben einen würdigen Nachfolger gefunden: Doomsday von Neil Marshall.

Neil Marshall hat ja schon für einige Perlen gesorgt: Dog Soldiers oder The Descent (bei dem das erste „e“ als kurzes „äh“ gesprochen wird, wie in „at“, nicht als „i“, nur mal so nebenbei). Während diese beiden Film reine Genrefilme der Bereiche Werwolf und Survival-Horror sind, ist Doomsday eine wilde Mischung aus 80er-Jahre-Action-Filmen, dem Video zu „Wild Boys“, Liedern der 80er Jahre, Excalibur und dem Besten von heute.

Doomsday wird im August herauskommen, ob geschnitten, weiß keiner. Ich habe den Film im Rahmen der Fantasy-Film-Nächte gesehen, in Anwesenheit der Regisseurs, der genau obige Mischung ankündigte. Und sie kam. Memo an mich: wenn der Regisseur kommt, was zum Signieren mitnehmen. Ich Blödmann.

Zum Film: er fängt als Escape from New York an, geht als Resident Evil: Apocalypse weiter und steigert sich zu Aliens (inclusive des tollen Fluchtfahrzeugs). Danach kommt Mad Max durchmischt mit „Wild Boys“, wir gehen über zu Excalibur und dann alles wieder in umgekehrter Reihenfolge zurück auf Anfang. Nur ein paar Highlights: Punks und „Good Thing“ von den Fine Young Cannibals: der Bandname ist Programm. Oder eine Verfolgungsjagd zu „Two Tribes“ von Frankie Goes To Hollywood. Grandios.

Dabei geht der Film ordentlich zur Sache, mit blutleer ist hier nix. Schauspieler, die ihren Namen verdienen, allen voran Rhona Mitra, Bob Hoskins oder Malcolm McDowell.

Die oben genannten Film- und Musikreferenzen sind sicher nicht alle, aber ich habe den Film ja erst einmal gesehen. Mir fällt zur Zeit noch ein: Pulp Fiction. Nebenbei: laut Marshall waren wir die ersten Zuschauer, die beim blutigen Abgang des Kaninchens geklatscht haben. Da waren die anderen wohl Weicheier.

Fazit: unbedingt ansehen, wenn man eine blutige Hommage an die 80er sehen will. Planet Terror ist der letzte Film, der mich derart begeistern konnte.

Kategorien
Kino Kritik

Kritik: Sweeney Todd

Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet Street, so die Verfilmung eines Musicals, das auf einer Londoner Legende basiert.

Verfilmt von Tim Burton mit Johnny Depp und Helena Bonham Carter in den Hauptrollen, verspricht das der übliche Burton zu werden. Auch die Trailer deuteten darauf hin, nur mit ein wenig Musik.

Weit gefehlt. Die Musik bestimmt den Hauptteil des Films (gut, ist halt ein Musical), die typischen Burton’schen Elemente stehen zugunsten einer musicalgetreuen Verfilmung zurück – beides tut dem Film nicht gut. Die Leichtigkeit in der Inszenierung, die schrägen Momente und interessanten Einfälle – all das fehlt bis auf wenige Momente. In diesen brilliert der Film, zu nennen sind die Szene unter dem Baum, Pirelli oder die Arie von Sweeney Todd, die in seinem Zimmer endet. Dort ist der Film herausragend, dort war ich begeistert.

Dem stehen äußerst langatmige Teile gegenüber, bei denen ich weder mit Musik, Inhalt oder Inszenierung was anfangen konnte, als Beispiel sei das Klagen des verliebten Jungen erwähnt – der hätte zuvorderst als Pastete enden sollen. Ebenfalls schade: die guten Schauspieler, die nicht genutzt wurden: wie kann man Alan Rickman so verheizen.

Lamento: warum wird nicht beachtet, dass Kino und Bühne zwei unterschiedliche Welten mit unterschiedlichen Anforderungen sind?

Fazit: ich war hin- und hergerissen zwischen gutem und schlechtem Film, Begeisterung und Langeweile. Schade.

Kategorien
Kino Kritik

Kritik: Untraceable

Untraceable ist ein Film, auf den ich durch einen extrem schlechten Trailer aufmerksam wurde. Da jedoch im Kino keine gute Alternative kam, biss ich in den sauren Apfel und schaute mir den Film an.

Er war überraschend gut. Im Gegensatz zum Trailer kein Splatterfilm (zumindestens nicht durchgehend), sondern ein erstaunlich nüchterner, melancholischer Film über einen Verbrecher, der Leute quält und umbringt. Obwohl für das Szenario keine Erklärung nötig gewesen wäre, wird eine geliefert, die trotzdem den Film nicht verdirbt, wie sonst üblich. Mit gutem Willen kann man sogar Medienkritik erkennen, die jedoch sehr einseitig geführt wird.

Auch die frühe Einführung des Täters nimmt nicht die Spannung, im Gegenteil, sie erhöht sie sogar. Diane Lane als Ermittlerin spielt sehr gut, sie drückt mit einem Stirnrunzeln, einer Geste soviel aus, dass es eine Freude ist, richtige Schauspieler an der Arbeit zu sehen. Noch dazu ist die die Frau von Josh Brolin, da habe ich in kurzer Zeit die ganze Familie gesehen.

Joseph Cross ist als Bösewicht gut, wenngleich er eine etwas schlechtere Rolle hat. Er macht das Beste draus. Die restliche Besetzung ist ordentlich mit einem erstaunlich nervfreien Kind. Da habe ich wohl in letzter Zeit Glück mit Kinderrollen.

Wenn etwas zu kritisieren ist, dann das Ende, das passt nicht wirklich zum Rest des Films, der sehr realistisch daherkommt. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

Fazit: trotz des Trailers ein sehr guter Film, fesselnd, Techtalk, schauspielerisch gut.

Kategorien
Kino Kritik

Kritik: No Country for Old Men

Während sich der Duft der Katzen auch nach dem zweiten Lüften noch nicht legt, hier die erste der Nachholrezensionen: No Country for Old Men.

Wir wollten den Film unbedingt sehen, denn die Coen-Brüder sollten, laut Kritik, zu ihren eher blutigen Wurzeln wie Blood Simple oder Fargo zurückkehren. Der Nachteil dabei war, dass wir dafür während der Ferien in die Kindervorstellung gehen mussten. Es erwies sich als der Fehler, der es zu sein schien. Eine Horde jugendlicher Giggler, die vor, während und nach dem Film unaufhörlich schwätzen mussten. Wir versuchten, dem durch Vorsetzen zu entgehen, hat nur teilweise geholfen.

Der Film fängt gemächlich an, er zeigt ein karges Land mit wortkargen Einwohnern und einer sowas von miserabel gerenderten Wildherde, dass wir dachten, das war’s für den Film. Dann geht er aber in die Vollen und hält die Spannung und den Tenor durch, trotz einiger langatmiger Passagen zwischendurch, die fast alle leider mit Tommy Lee Jones zu tun hatten.

Der unglaublich sympathische Spanier von der Oscar-Nacht spielt einen sehr überzeugenden Bösewicht, Josh Brolin einen, bis auf den Anfang, überzeugenden Amerikaner, der nicht der Schlauste ist, aber versucht, das Beste draus zu machen.

Zwischendurch noch ein paar Tote am Wegesrand und das Ende kann beginnen. Hier setzen die Coen-Brüder erstaunlich interessante Schnitte und Erzählweisen ein, so dass Ermüdungserscheinungen vermieden werden. Noch schnell die letzten Leute umgebracht, ein Splitterbruch und schon ist der Film zu Ende.

Fazit: bis auf einige Längen ein sehr guter, überzeugender Film mit einem sehr coolen Javier Bardem.

Kategorien
Kino Kritik

Kritik: Severance

Severance – ein Film über den Team-Building-Ausflug der britischen Verkäufer einer internationalen Waffenfirma nach Ungarn.

Dieser Film ist gut. Die Figuren werden soweit eingeführt, dass man Mitleid oder Schadenfreude über ihren Tod empfindet, dann wird auch schon gestorben. Die Auflösung ist so abgefahren, dass es schon wieder schön ist. Die Schauspieler machen ihre Sache durch die Bank weg gut, lediglich die ungarischen Begleitdamen sind, sagen wir, nach anderen Gesichtspunkten als der schauspielerischen Eleganz gecastet.

Der Film baut bereits mit dem Vorspann eine unglaubliche Atmosphäre auf und hält diese dann auch durch – auch etwas, das nicht selbstverständlich ist.

Fazit: ein sehr guter Film, sehr lustig, sehr blutig.

Kategorien
Kino

Roy Scheider

Roy Scheider ist am Sonntag gestorben. Ein Schauspieler, der mit Blue Thunder einen der prägendsten Filme meiner Jugend gedreht hat. Sowieso ein großartiger Film, sind gerade Roy Scheider und Malcolm McDowell in ihren Rollen herausragend.

Später habe ich dann Jaws gesehen, einen weiteren Meilenstein in der Filmliste, der war mir zu langweilig. Genau wie 2010. Aber beide Filme hatten etwas. Von den 88 in der IMDB gelisteten Filmen habe ich nur die wenigsten gesehen und Roy Scheider in Erinnerung behalten, gerade mal The Punisher fällt mir da auf.

Aber genau wie Lance Henriksen war Roy Scheider ein Schauspieler, der jeden Film durch seine, meist kleinen Rollen besser machen konnte.