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Kritik Politik Recht

Drohungen gegen Bundespräsident

Der Bundespräsident von Deutschland wurde in den letzten Tagen von Mitgliedern der CSU, allen voran Generalsekretär Söder massiv bedroht. Sofern er sich für die Begnadigung von Christian Klar entscheidet, würde er nicht wiedergewählt, so der Sinn der Aussagen von Herrn Söder.

Und als sei das nicht genug, schaltete sich gestern auch noch Herr Stoiber ein, der sagte (Tagesschau):

Generalsekretäre drücken sich nun mal zugespitzt aus[…] Man sollte das etwas gelassener sehen.

Das ist ein starkes Stück. Nicht nur, dass der Bundespräsident in eine Lage gebracht wird, aus der er, bzw. sein Amt nur beschädigt hervorgehen kann, egal, wofür er sich entscheidet, nein Herr Stoiber hat noch die Chuzpe, das als normalen politischen Akt darzustellen, als normalen Umgangston, weil Generalsekretäre nun mal gerne zuspitzen.

Nur mal nebenbei: eine solche Drohung ist mit gutem Recht strafbar. (siehe RA Melchior).

Das ist in einer langen Reihe von Enttäuschungen, Dreistigkeiten und Lügen von Politikern mal wieder ein unrühmlicher Höhepunkt. Aber ich nehme an, mit einer halbgaren Entschuldigung, wie bei Herrn Öttinger ist die Sache „politisch“ abgetan.

Kurzer Exkurs zur Sache Klar: Hauptargument der Gegner einer Gnadengewährung war die mangelnde Reue Klars.

  1. Zunächst einmal sieht das Gesetz keine Reue als Voraussetzung für Gnade an. (Mitteilung des Bundestags (PDF))
  2. Ist das deutsche Rechtssystem keine Gesinnungsjustiz, diese steht also nicht zur Debatte (bis auf wenige Ausnahmen, zu denen Klar nicht gehört). (Grundgesetz Artikel 3: „Niemand darf wegen […]seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.)
  3. Ist Gnade eine „wohlwollende ungeschuldete Zuwendung“ (Wikipedia). Betonung auf ungeschuldet.
  4. Ist gerade im christlichen Wertesystem, dass ein CSU-Generalsekretär ja kennen sollte, die Gnade ebenfalls allumfassend und ohne Bedingungen.

Noch ein paar Aussagen von Markus Söder (von seiner Homepage):

Wer auf Dauer bei uns leben will, muss unsere Werte akzeptieren.

Und in Deutschland gilt das Grundgesetz. Daran haben sich alle zu halten. Die Trennung von Staat und Religion ist ein fundamentales Prinzip.

Das ZDF sollte die Pläne für ein islamisches „Wort zum Freitag“ in der Schublade verschwinden lassen. Ein öffentlich-rechtliches Fernsehprogramm darf nicht zum Moscheen-Sender werden. Dafür sind die Fernsehgebühren nicht gedacht. […] Konkret heißt das: Deutschland ist ein christlich geprägtes Land. Auf christlichen Werten baut unsere Gesellschaft auf, sie sind im Grundgesetz verankert.

Der Trend ist alarmierend: SPD-Chef Beck billigt als Ministerpräsident, dass Kreuze in Gerichtssälen abgehängt werden, die Grünen fordern gar eine Abschaffung des Blasphemie-Verbotes.

Sehe nur ich hier eine zutiefst gespaltene Persönlichkeit, oder besser: jemanden, der sich seine Weltsicht so zurechtrückt, wie er sie gerade braucht? Einen Politiker, wie es sie zur Zeit (oder schon immer?) zuhauf gibt? Jemanden ohne Rückgrat, einen wendigen Menschen, der sein Fähnchen nach dem Wind hängt?

Ein Bonmot noch zum Schluß:

Die Experten sind sich nicht einig, ob es einen Zusammenhang zwischen Killerspielen, Gewaltvideos und den Amokläufen von Jugendlichen gibt. Ausschließen können sie ihn aber nicht. Das ist aus meiner Sicht Grund genug, massiv dagegen vorzugehen.

Kein begründbarer Zusammenhang ist also grund genug, gegen etwas vorzugehen. Wann gibt es Alkoholverbot in Bayern? Da ist wenigstens ein Zusammenhang zu negativen Erscheinungen nachgewiesen?

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Computer Kritik

Cherry Stingray Tastatur/Maus-Kombi

Seit meinem Champagner-Zwischenfall hat meine alte Tastatur leichte Ausfälle gehabt, zum Schluss ging die Enter-Taste nicht mehr und die Backspace-Taste nahm jeden Tastendruck doppelt auf. Das ging auf Dauer nicht mehr gut, daher habe ich mich nach einer neuen Tastatur umgesehen.

cherry gesamtSeit kurzem steht daher eine Cherry Stingray auf meinem Schreibtisch. Flache Tastatur mit Notebook-Tasten, tippt sich aber hervorragend. Unten sind Multimedia-Tasten, die beim Tippen nicht stören und recht praktisch sind, so kann ich den Winamp ohne Programmaufruf bedienen. Die Maus ist mir zu leichtgängig, ich drücke meist unbewusst eine Taste. Oder meine Finger sind zu dick.

cherry kaputtEine Woche nach Erhalt der Tastatur lehnte ich mich auf dieselbe und brach das kleine Tastatur-Ding ab, das die Tastatur hinten hochhält. Mail an Cherry, wo ich die Dinger bekommen kann, sofortige Antwort, dass sie unterwegs seien, zwei Tage später waren zwei Ersatz-Abstellfüßchen (so heißen die) per Brief da. Das nenne ich kundenfreundlich.

cherry ganzJetzt steht die Tastatur am Platz und läßt mich tippen ohne Ende. Andererseits habe ich jetzt auch keine Dissertationsausrede mehr. Hat halt alles zwei Seiten.

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Jon-Stewart-Interview

Ich bin Fan von Jon Stewart geworden, als ich ihn die Oscar-Nacht moderieren sah. So etwas Gutes hatte ich lange nicht gesehen. Danach schaute ich ab und an die Daily-Show-Zusammenfassung für Europa und die Welt und hoffte, mehr sehen zu können.

Seit diesem Jahr (und DSL) ist es mir via Comedy Central möglich, die originale Daily Show with Jon Stewart zu sehen, mit ein/zwei Tagen Verzögerung, aber besser als nichts. Das ist Unterhaltung und Politik vom Feinsten, in Ansätzen hat das in D mal Harald Schmidt gebracht, seit Jahren verkauft der sich aber so weit unter Wert, dass ich denke, er kann tatsächlich nicht mehr.

Ich komme darauf, weil Gastautor Felix Schwenzel gestern in Stefan Niggemeiers Blog einen interessanten Beitrag zu Jon Stewart und die deutsche Unfähigkeit, etwas ähnliches auf die Beine zustellen, geschrieben hat. Anlass dafür war ein Interview, das ich jedem ans Herz legen möchte, das Englisch ist nicht sehr schwer zu verstehen.

Wenn man das Interview und die kurzen Ausschnitte aus der Show sieht, bedauert man den deutschen Fernsehzuschauer, dass er sowas nicht hat. Außerdem regt sich wieder einmal Unwille darüber, dass die deutsche Journalisten- und Medienlandschaft genau wie die amerikanische in Selbstbeweihräucherung der Politiker untergeht, statt einmal ihres Auftrages gerecht zu werden.

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Top Gear light (DMAX)

Vor „Fat Machines“ lief am Montag noch eine Autosendung auf DMAX, deren Namen ich wohl nachtragen muss (D Motor). Die Aufgabe quer durch die Sendung war, mit einem Alfa Romeo schneller über die Alpen nach Venedig zu fahren, als ein Ballon braucht. Zwischendurch Autotests, die etwas besser waren, als der deutsche Fernsehdurchschnitt. Insgesamt eine Reminiszenz an „Top Gear“, das wohl beste Automagazin der Welt.

Die Sendung war gut gemacht, man merkte die Freude am neuen Format, wenngleich sich billige Gags mit guten Pointen um die Aufmerksamkeit des Zuschauers balgten.

Fazit: sehenswert mit Verbesserungsmöglichkeiten, aber endlich im Land der Autos eine Autosendung, die nicht nur Fakten präsentiert.

Der Ballon hat gewonnen.

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Fat Machines von Jürgen Vogel und DMAX

Letzten Montag haben wir „Fat Machines“ gesehen, eine Sendung über dicke Maschinen, die von Jürgen Vogel getestet und begutachtet werden.

Was soll ich sagen: cool. Zum einen Jürgen Vogel, der macht das einfach gut. Eine schön naive Ausstrahlung, dem Mann nimmt man das Erstaunen und die Begeisterung für die Maschinen tatsächlich ab.

Zweitens sehr gut gedreht. Halbdokumentarisch mit guter Kamera, genügend Nähe und Ironie zum Hauptdarsteller.

Drittens das Kunststück geschafft, bei der Bundeswehr keine ganz so großen Trottel zu treffen, wie ich damals.

Die Maschine am Montag war ein Brückenlegepanzer „Biber“.

Insgesamt sehr gut, Sehempfehlung!

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Filmkritik: 300

300 Spartaner gegen mehrere Millionen Perser. Eine Heldengeschichte, ein Comic, ein Film.

Gestern war es soweit, mit einiger Verspätung haben auch wir 300 gesehen. Ein, sagen wir einmal, interessanter Film. Ich hatte nicht viel erwartet, opulente Bilder und eine vernachlässigbare Geschichte. Im Groben kam es auch so. Viel nackte Haut kam noch dazu.

Die Handlung ist in der Tat vernachlässigbar, besonders die eingeflochtene Intrigengeschichte vermochte mich nicht zu fesseln. Sobald es aber aufs Schlachtfeld ging, war der Film spitze. Das war perfekt umgesetzt, heroisch, Blut, Stahl, Manowar. Nur ohne Manowar. Die Nebenhandlungen verzögerten den Film leider doch recht stark, nur kämpfen war wohl nicht drin, so dass ich mich zwischendurch nicht gut unterhalten fühlte.

Die Leute neben uns wollte während des Abspanns schon gehen, ok, solche Banausen soll man nicht aufhalten. Warum die sich aber vor einen stellen und dann erst mal ausgiebig das Handy kontrollieren, ist mir ein Rätsel. Ferien!

Fazit: tolle Bilder, tolle Schlachtszenen, zwischendurch arge Längen, Xerxes hatte eine unwahrscheinlich schöne Stimme.

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Titel, Thesen, Temperamente, Pornographie

Am MontagSonntag warteten wir auf Druckfrisch, das ARD-Büchermagazin, und weil wir noch etwas früh dran waren, sahen wir Titel, Thesen, Temperamente. Immerhin gab es ein interessantes Thema: Jugend und Pornos. Da kann man doch noch etwas lernen, dachte ich.

Selten habe ich einen so schlechten, schlecht gemachten, einseitigen und polemischen Bericht im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gesehen. (Zugegeben, ich habe den Panorama-Beitrag über Killerspiele nicht gesehen. Der muss ähnlich gewesen sein.) Zusammengefasst: Jugendliche, die Pornos sehen und Sido hören, werden zwangsläufig in ihrer Entwicklung gestört, werden zu Vergewaltigern und sind am folgenden Untergang der Gesellschaft schuld. Alles das schön untermalt von subjektiven, emotionalen Berichten und Experten, die mit ernster Miene Aprilscherze vortrugen. Beispiel gefällig?

Die Jugend sieht Hardcore und verlernt das Lieben – eine bedrohliche Entwicklung, denn: Verwahrlost der Sex, verwahrlost auch die Gesellschaft.

Es war zwar der 1. April, aber wenn das der Aprilscherz gewesen sein soll, war er geschmacklos. Wenn er es nicht war, war er ein Tiefpunkt des deutschen Fernsehens. Was wäre die bessere Alternative?

Mit Entsetzen habe ich auch noch im Tagesschau-Blog gelesen, dass die TTT-Moderatorin Caren Miosga die neue Tagesthemen-Moderatorin werden soll. Ihr wird professioneller Journalismus bescheinigt, Modernität, Kompetenz und auch Frische. Dann hoffe ich mal, der Beitrag war ein Ausrutscher. Leider kann ich wegen der Zensur in den Tagesschau-Blogkommentaren dort nichts schreiben, aber es wird ihnen herzlich egal sein.

Es ging übrigens auf diesem Niveau weiter, wir haben dann bis Druckfrisch abgewaschen, das hatte mehr Gehalt.

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Filmkritik: Nummer 23

Nachdem mich der Trailer von „Nummer 23“ wegen der Bilder fasziniert hat, und mich gut gemachte Filme stets über die Handlung hinweg sehen lassen (Sunshine), nahm ich Jim Carrey auf mich und schaute mir den ganzen Film an.

Er findet ein Buch über die Obsession mit der Nummer 23, erkennt sich darin wieder und erlebt so einiges im richtigen Leben und in der Fantasie des Buches. Soweit, so gut.

Im Gegensatz zu meinen Erwartungen war der Film kein Mystery-Thriller, sondern ein harter, gut erzählter Film über Obsessionen verschiedenster Art mit einem twist, den ich nicht vorher erraten habe. Im Nachhinein hätte man drauf kommen können, für größere Spekulationen hat mich der Film allerdings zu sehr gefesselt.

Schauspielerisch stark, wird die Geschichte schnell, gut und hervorragend bebildert erzählt. Sehempfehlung meinerseits.

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Filmkritik: Sunshine

Gestern ging es weiter mit den Fantasienächten, ich sah „Sunshine“, den neuen Danny-Boyle-Film, der diesen Monat auch regulär in die Kinos kommt. Mit etwas Verspätung hörte ich den Organisator noch erzählen, dass man die Geschichte wohl erzählt nicht glauben würde in ihrer Einfalt, Danny Boyle aber was draus gemacht hat. Da kann ich ihm nur zustimmen.

Die Geschichte ist so hanebüchen, konstruiert, mit Logik- und Physiklöchern vollgestopft, dass man sich nicht getraut, zuzugeben, dass einem der Film gefallen hat, wenn man seiner Frau den Inhalt erzählt. Kurz (und ohne Spoiler): die Sonne erlischt und soll durch eine Bombe wieder gezündet werden. Weltraum, Crew, Tote. Der Film ist eine wilde Mischung aus Mission to Mars, Alien, Event Horizon und etlichen anderen Filmen, die herauszufinden alleine schon den Spaß wert ist.

Der Film ist gut besetzt, Schauspieler, die tatsächlich schauspielern, in Kulissen, die extrem gut aussehen. Das Innere ist Klasse normal aber einfallsreich, die gerenderten Außenansichten sowie die Sonne einfach umwerfend. So muss gute Science-Fiction aussehen. Und so muss sie sich auch anhören. Die Bässe voll aufgedreht, zieht einen der Film akustisch in den Bann, dass man sich fragt, ob das ein Sound-Oscar ist. Und das habe ich mich noch nie gefragt.

Die Geschichte und damit der Film ist vorhersehbar, aber sehr gut erzählt. Alle Klischees werden bedient, alle üblichen Physiklöcher ausgehoben, ohne dass man das dem Film übelnimmt. Trotzdem wurden manche Grundgesetze der Physik auch beachtet. Ich bin äußerst zufrieden aus dem Kino gekommen.

PS: @GSG9-Macher: so dreht man eine Abschiedsszene auf Video!

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Filmkritik: Dog Bite Dog

Im Rahmen der Fantasy Filmfest Nights #5 sah ich mir mit I vorgestern „Dog Bite Dog“ an. Kurz zum Inhalt: Killer tötet viele Leute, Cop versucht ihn zu fangen, Liebe, Tod.

Ein chinesischer Film (Hongkong), der erst einmal gut anfing, wenngleich etwas übertrieben in der Soundsprache. Aber nicht unangenehm. Furioser, blutiger Start, kaum eine Verschnaufpause, brachiale Action ohne großes Wenn und Aber. Ein Klischee wurde ans nächste gereiht, der Film war dennoch nicht vorhersehbar, die meisten Wendungen und Scherze waren ok.

Bis zur Mitte war es noch am Rande des Erträglichen, dann ging der Film richtig ab. Eine krude Idee nach der anderen, die meisten von uns und dem Publikum mit zumeist ungläubigem Gelächter bedacht, wurde auf uns losgelassen. Mehrere Showdowns später kulminierte der Film in solch einem blödsinnigen Finale mit entsprechender Musikbegleitung, dass der ganze Saal lachte. So war das sicher nicht gemeint.

Fazit: unterhaltsam aber die Geschichte weit über die Schmerzgrenze hinaus schlecht.

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