BVG-Streik tötet 14jähriges Mädchen

So lautet die unglaubliche Schlagzeile der Bild Berlin heute. Sie bezieht sich auf einen Unfall, der in der polizeilichen Pressemitteilung so dargestellt wird:

Eine 14-jährige Radfahrerin ist heute in Tempelhof vom Anhänger eines LKW
erfasst und tödlich verletzt worden.
Nach den bisherigen Erkenntnissen befuhr die Jugendliche mit ihrem Fahrrad gegen
13 Uhr 10 den Tempelhofer Damm in Richtung Mariendorf. Aus bisher noch
ungeklärter Ursache geriet sie kurz hinter der Kreuzung Ecke Alt-Tempelhof
unter den Anhänger eines 38-jährigen LKW-Fahrers. Die Wiederbelebungsversuche
eines alarmierten Notarztes blieben ohne Erfolg. Das Mädchen ist die 13.
Verkehrsunfalltote in diesem Jahr in Berlin.
Der Anhänger des LKW wurde zwecks Klärung des Unfallherganges sichergestellt.

In Bild (der Online-Artikel) liest sich das Ganze (in Auszügen) so:

[…]
Sandra geriet auf dem Heimweg von der Georg-von-Giesche-Oberschule in
Schöneberg unter einen Laster. Es war der siebte Tag des BVG-Streiks.
Vielleicht könnte das zierliche, brünette Mädchen noch leben, wenn es die
acht Kilometer nach Hause nicht mit dem Rad hätte fahren müssen.

In BILD klagt die Mutter jetzt an: „Sandra ist sonst immer mit Bus und U-Bahn
unterwegs. Sie wäre nicht mit dem Fahrrad gefahren, wenn die BVG nicht
gestreikt hätte.“

[…]

Wie der Unfall genau passierte, ist bis heute nicht klar. Am Steuer des Lasters
saß ein 38-Jähriger. Ein Polizeisprecher gestern zu BILD: „Der Fahrer steht
unter Schock, konnte noch nicht befragt werden.“

Dort, wo Sandra starb, endet der Radweg plötzlich im Nichts. Direkt an der
Kreuzung werden Radfahrer nach links auf den viel befahrenen und gefährlichen
Tempelhofer Damm gezwungen. Auch Sandra.

Ihre Mutter wünscht sich: „Da muss endlich ein Radweg hin, ehe noch jemand
stirbt. Vielleicht wäre der Tod von Sandra dann nicht so sinnlos.“

[…]

Es ist unfassbar. Man ist von Bild ja einiges gewohnt, aber das finde ich so was von zum Kotzen. Der Mutter kann man sicher keinen Vorwurf machen, ihr Kind ist gerade gestorben. Genau zu dieser Zeit haben Journalisten eine besondere Verantwortung. Jetzt aber die BVG für einen Unfall verantwortlich zu machen, indirekt sogar Verdi, der durch schlechte Verkehrsplanung, den LKW-Fahrer oder das Kind, man weiß es nicht, verursacht wurde, ist meiner Meinung nach schon verhetzend, verleumdend.

Im Bildblog wird die Angelegenheit auf meinen Hinweis hin auch behandelt.

Ich könnte jetzt sagen, die sollen sich schämen. Aber wer bei Bild arbeitet, schämt sich nicht. Traurig.

Ich hatte mich eigentlich darauf gefreut, auch mal einen Eintrag für das Bildblog zu liefern. Bei dieser Geschichte vergeht mir das.

Kritik: Severance

Severance – ein Film über den Team-Building-Ausflug der britischen Verkäufer einer internationalen Waffenfirma nach Ungarn.

Dieser Film ist gut. Die Figuren werden soweit eingeführt, dass man Mitleid oder Schadenfreude über ihren Tod empfindet, dann wird auch schon gestorben. Die Auflösung ist so abgefahren, dass es schon wieder schön ist. Die Schauspieler machen ihre Sache durch die Bank weg gut, lediglich die ungarischen Begleitdamen sind, sagen wir, nach anderen Gesichtspunkten als der schauspielerischen Eleganz gecastet.

Der Film baut bereits mit dem Vorspann eine unglaubliche Atmosphäre auf und hält diese dann auch durch – auch etwas, das nicht selbstverständlich ist.

Fazit: ein sehr guter Film, sehr lustig, sehr blutig.

Roy Scheider

Roy Scheider ist am Sonntag gestorben. Ein Schauspieler, der mit Blue Thunder einen der prägendsten Filme meiner Jugend gedreht hat. Sowieso ein großartiger Film, sind gerade Roy Scheider und Malcolm McDowell in ihren Rollen herausragend.

Später habe ich dann Jaws gesehen, einen weiteren Meilenstein in der Filmliste, der war mir zu langweilig. Genau wie 2010. Aber beide Filme hatten etwas. Von den 88 in der IMDB gelisteten Filmen habe ich nur die wenigsten gesehen und Roy Scheider in Erinnerung behalten, gerade mal The Punisher fällt mir da auf.

Aber genau wie Lance Henriksen war Roy Scheider ein Schauspieler, der jeden Film durch seine, meist kleinen Rollen besser machen konnte.

Kritik: Bubba Ho-Tep

Heute mal ein Film, der in D nicht im Kino lief: Bubba Ho-Tep von Don Coscarelli mit Bruce Campbell.

Nun ist es ja so: Filme mit Bruce Campbell haben, sagen wir, oft den Ruch des B-Films, des Independentfilms. So auch hier. Allerdings im positiven Sinn der Worte.

Bubba Ho-Tep erzählt von Elvis (ja, dem King), der eine Wucherung auf dem Penis hat, und John F Kennedy, der nach seiner gefaketen Ermordung gefärbt wurde und jetzt wie ein Schwarzer aussieht, die in einem Altersheim wohnen, das von einer Mumie heimgesucht wird, eben jenem Bubba Ho-Tep, der den Bewohnern die SelleSeele durch den Anus saugt.

Genauso ist der Film. Einfach gut. Allerdings muss man sagen, der Film ist extrem langsam. Die Szenen sind toll, Bruce Campbell schauspielert sehr gut, alle Figuren sind genau getroffen. Trotzdem ist der Film halt langsam, ruhig, man wohnt ja im Altersheim. Trotzdem ist der Film gut gedreht, nicht schnarchig, einfach ruhig.

Fazit: Toller Film, wenn man sich auf die ruhige Erzählweise einlässt.

Spiegel-Rhetorik

Es ist schon erstaunlich. Der Spiegel ist eine große Enttäuschung, sowohl Online- als auch Print-Ausgabe. Schlecht recherchiert, schlecht geschrieben und inhaltlich größtenteils belanglos. Dazu kommt eine eingeschliffene Kampf-Rhetorik, die Missverständnisse, sagen wir, billigend in Kauf nimmt.

Beispiel? Der Artikel über Kochs Wahlkampf.

Überschrift: „Zuwanderer knöpfen sich Böhmer vor“ Ist das billig, oder ist das billig?

Zwischenüberschrift im Text: „Böhmer wurde von türkischen Vertretern angegriffen“ Ach Du Schreck. Ich hoffe, sie erholt sich gut und die Schweine sitzen im Knast und werden abgeschoben. Aber nein, der türkische Vertreter hat verbal(!) Kritik an Frau Böhmer geübt. Na, wenn das kein Angriff ist.

Ist es ein Wunder, wenn man solches Zeug nicht mehr lesen will?

Kritik: Cloverfield

Idioten, Deppen, Drecksäcke, Blödmänner…

Ich war mal wieder nicht allein im Kino und zwei Reihen hinter mir saß die Sitzreihe aus der Hölle. Mehrere junge Männer, an sich nicht blöd aussehend, die bereits die Werbung mit lustigen Sprüchen verschönerten. Im Film dann das übliche Schema. Spannung, leise. Daraufhin ruhigere Passagen: kommentieren des vorigen Teils. Oder lautes, lustiges Mitwimmern. Die Qualität der Bemerkungen auf dem Niveau von „Das war jetzt der Vorfilm“ beim Abspann. Wo bleibt die FiPo?

Zum Film: Cloverfield ist ein komplett mit Handkamera gedrehter Film, der versucht, authentisch die Zerstörung von New York zu vermitteln. Wenn man sich dran gewöhnt hat und nicht nervös wird, ist das auch extrem gut gelungen.

Der Film fängt langsam an, wenn es aber losgeht, dann richtig. Die Effekte sind gut bis ok, durchaus auch mal einfallsreich, was das Äußere angeht. Die Schauspieler sind gut und glaubwürdig. Erstaunlich, wie oft man „Oh God“ in einem Film sagen kann. Der Film ist zwar nicht übermäßig blutig, aber auch nicht zimperlich.

Auf dem Klo kam mir dann noch Andreas Pietschmann entgegen, falls ich das richtig erkannt habe. Ich habe aber nichts gesagt, was soll man auch in der Situation von sich geben? „Auch vor dem Becken machen Sie eine erstaunlich gute Figur und bei GSG 9 waren sie der einzige richtige Schauspieler?“

Fazit: gelungener Film, wenn man die Kamera erträgt.

Kritik: National Treasure: Book of Secrets

National Treasure: Book of Secrets ist der zweite Teil der erfolgreichen Serie um Ben Gates (Nicolas Cage), den Schatzsucher. Ich denke, „Serie“ kann man sagen, da bestimmt weitere Teile folgen werden.

Der Film ist haargenau wie der erste Teil, nur mit anderer Handlung. Es gibt wieder Verschwörungen am laufenden Band, unglaubliche Entdeckungen und noch unglaublichere Gedankenassoziationen und Rätsellösungen.

Trotzdem bereitete mir der Film viel Freude („Deine Freundin machte mir viiiel Spaß„, btw. im Englischen auch nicht schlecht: „You bleed like Mylee. Mylee… good FUCK!“), weil er lustig und leicht erzählt ist. Schön selbstironisch und mit guten Schauspielern besetzt. Ich habe mir sagen lassen, dass selbst die Synchronisation von Diane Kruger besser geworden sein soll.

Einzige Kritikpunkte: der Film war einen Tick zu lang, gerade hinten heraus mit der Platte; die Rolle von Ed Harris wurde gegen Ende komplett verhunzt; der Abschlussgag war mies.

Fazit: Höchst unterhaltsam.

Raubkopien (2)

Und wenn man dann noch erfährt, dass das schöne Original eine ungekennzeichnet stark geschnittene Fassung ist, dann ist die Freude besonders groß, nicht die böse Raubkopie gesehen zu haben.

Raubkopien

Ich habe am Freitag „Haute Tension“ gesehen, auf DVD, weil ich ihn im Kino verpasst habe. Auf einer gekauften DVD.

Als erstes begrüßte mich ein Raubkopiererspot, den ich nicht überspringen konnte. Auf einer Raubkopie wäre der weg.

Als zweites begrüßt mich ein Text, der mich darüber belehrt, dass ich lieber Originale kaufen soll, und welche Strafen mich erwarten. Nicht überspringbar. Auf einer Raubkopie wäre der weg.

Als drittes kommt eine zweite Seite Text. Irgendein Rechtsmist, den ich nicht sehe, weil ich damit beschäftigt bin, den (nutzlosen) weiter-Knopf zu drücken und nebenbei mit dem Kopf auf den Tisch zu schlagen. Mit einer Raubkopie hätte ich dieses Problem nicht.

Als viertes kommt das Logo des Distributors. […] Raubkopie […] nicht.

Jetzt endlich kann ich den Film sehen.

Zum Glück ist auf dieser speziellen DVD kein Disclaimer zwischen Menüauswahl und Filmstart, der mir erzählt, dass ich lieber legale Kopien kaufen soll oder auch, dass sich die Firma von allen Aussagen im folgenden Film distanziert.

Da freue ich mich schon drüber. Für einen Bruchteil des Geldes, den ich für das Original ausgebe, könnte ich mir eine Raubkopie ziehen, auf der nur der Film drauf ist. Keine Anschuldigung, keine Werbung, nichts.

Vom Kinobesuch, bei dem ich (der sich gerade eine Kinokarte gekauft(!) hat), damit konfrontiert werde, dass Raubkopien Scheiße wären, erzähle ich jetzt nicht ausführlich. Was hat das Raubkopieren mit mir zu tun?

„Nur legal ist egal“ oder so. Auf jeden Fall mit ungetrübtem Seherlebnis.

Mit jeder DVD und jedem Kinobesuch stellen sich mir drei Fragen:

  1. Warum kaufe ich mir DVDs oder Eintrittskarten, wenn ich dort offenkundig als Raubkopierer gesehen werde?
  2. Warum werde ich, als derjenige, der gerade Geld für einen Film ausgegeben hat, nicht auf Händen getragen und mit Filmgenuss ohne Störung befriedigt?
  3. Warum muss ich mir, wenn ich solche Geschichten erzähle, anhören: „dann zieh‘ Dir das Ding einfach runter, da hast Du nur den Film und keine Probleme!“

Kritik: Hitman

Hitman, eine Computerspielverfilmung. „Hitman – Jeder stirbt alleine“ ein deutscher Titel, für den es die Prügelstrafe geben sollte. Oder blenden und mit Schimpf und Schande aus dem Land jagen. Grummel. Wo war ich? Ach ja, Computerspiel. Das Spiel kenne ich, wenngleich ich es noch nicht gespielt habe, konnte ich mit der Situation und der Hauptfigur etwas anfangen.

Der Hitman ist cool. Und gut. Der Interpol-Mann geht so. Die Russen sind gut, der weibliche Sidekick auch, die anderen Killer ebenfalls. Damit sind die Grundlagen gelegt für einen schönen Actionfilm.

Und der Film hält, was er verspricht: geradlinige Action, konsequent durchgezogen, ein Hauch Erotik, aber nicht störend, gute Schauspieler und ein erstaunliches Maß an Ironie, die den Film auflockert, aber nicht zur Komödie verkommen lässt. Die Szene in der russischen Pampa, bei der eine Frau aus dem Kofferraum geholt wird – köstlich. Lautes Lachen.

Fazit: ein sehr guter, unterhaltsamer Actionfilm ohne große Schwächen.