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Zaubertrick 3

Du hast Zaubertrick 1 und Zaubertrick 2 angesehen und nicht gelacht oder genickt.

Stattdessen hast Du gedacht: die sollen sich nicht so haben, so leicht hab ich es auch nicht.

Abrakadabra, ich kann eine Aussage über Dich treffen, obwohl wir uns noch nie gesehen haben und uns nicht kennen.

Du bist ein alter, weißer Mann.

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Zaubertrick 2

Es ist Sommer, die Sonne scheint, die Luft steht und Du bist mit dem Fahrrad in Berlin unterwegs. Damit Du nicht so schwitzt, ziehst Du Dir das T-Shirt aus und fährst weiter.

Zu Hause stellst Du Dein Rad ab und gehst unter die Dusche.

Deine Fahrt war (bis auf die üblichen Autoidioten) ereignislos.

Abrakadabra, ich kann eine Aussage über Dich treffen, obwohl wir uns noch nie gesehen haben und uns nicht kennen.

Du bist ein Mann.

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Zaubertrick 1

Stell Dir vor, Du sitzt im Auto, die Ampel schaltet auf Rot, Du gibst noch einmal Gas, um rüberzukommen. Auf der anderen Seite hält Dich die Polizei an.

Du sagst: „Herr Wachtmeister, das war doch grad noch so dunkelgelb, sein’se mal nicht so.“

Kannst Du Dir das so vorstellen?

ok.

Abrakadabra, ich kann eine Aussage über Dich treffen, obwohl wir uns noch nie gesehen haben und uns nicht kennen.

Du bist weiß!

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Politik Rassismus

@AndreNeumannABG – Ihre Tweets von gestern

Sehr geehrter Herr Neumann,

Sie haben gestern zwei Tweets geschrieben, die ich sehr daneben finde, der erste wirft Schwarzen vor, rassistisch zu sein und sich als bessere Menschen zu fühlen, im zweiten schreiben Sie dann, dass diejenigen, die den ersten Tweet problematisch finden, diesen nur falsch verstanden haben und Sie etwas anderes gemeint haben.

Wir kennen uns nicht persönlich, ich kann mir schon vorstellen, was Sie gemeint haben, immerhin bin ich nur einen Monat älter als Sie und ähnlich sozialisiert; dennoch möchte ich Ihnen gerne mitteilen, warum ich beide Tweets für misslungen halte.

Warum schreibe ich Ihnen? Nun ja, weil ich Sie bisher nicht als „schlechten Menschen“ kennengelernt habe und mir gerne diesen Eindruck erhalten möchte. Manchmal braucht man jemanden, der einem sagt: „Hier hast Du danebengelegen“. Mach ich.

Der Text wird etwas länger, ich hoffe, Sie lesen ihn trotzdem durch, ich veröffentliche ihn auch in meinem Blog, eine etwaige Antwort von Ihnen ebenfalls.

Zum Kontext: am 25. Mai wurde wieder einmal ein Schwarzer – George Floyd – in den USA von der Polizei umgebracht. Er ist nicht der erste unschuldige Tote dort und wird auch nicht der letzte sein. Insbesondere rassistische Taten haben in den USA in letzter Zeit wieder zugenommen, das wissen wir beide.

Die Tat wurde gefilmt, der Mann wurde 9 Minuten lang von einem Polizisten mit dem Knie erwürgt, wie ein Tier. Drei weitere Polizisten standen dabei und ließen die Tat geschehen.

Alle vier Polizisten sind suspendiert worden und erst zwei Tage nach dem auf Kamera festgehaltenen Mord festgenommen worden.

Die ersten Kundgebungen von Schwarzen deswegen waren friedlich. Dennoch wurden sie von der Polizei mit Tränengas und Gummigeschossen unterbunden und auseinandergetrieben. Zwei Tage lang. Danach begannen Unruhen und gewaltsame Proteste u.a. mit Plünderungen und Brandstiftungen.

Derzeit scheint es so, als seien die ersten Plünderungen von Weißen begangen worden, unter ihnen ein Polizist, aber das muss noch belegt werden. Klar ist, dass ca. 80 % der Plünderer von außerhalb eingereist sind und dass überwiegend die schwarzen und armen Communities betroffen sind.

Die „Aufstände“ (wie ich sie mangels eines besseren Worts nennen würde) greifen jetzt um sich in mehreren Städten der USA.

Auf Twitter werfen jetzt Schwarze Weißen vor, dass sie Schwarze nicht achten würden. Sie fordern sie dazu auf, auch für Schwarze einzustehen und nennen das #BlackLivesMatter

Wie kommen diese Leute darauf? Vielleicht, weil in letzter Zeit erstaunlich viele Schwarze einfach so von Weißen umgebracht wurden? Weil überproportional viele Schwarze in Gefängnissen sitzen? Weil Polizei und Justiz gegenüber Schwarzen viel härter durchgreifen als gegenüber Weißen? Weil erst vor kurzem eine schwarze Frau in ihrer Wohnung von einer Polizistin erschossen wurde – einfach so.

Das ist jetzt nicht ausgedacht, das sind die belegten Fälle, nicht die Dunkelziffer.

Wir wissen beide, wenn der Mord von George Floyd nicht gefilmt worden wäre, wäre gar nichts passiert. Überhaupt nichts. Dunkelziffer eben, wieder ein Schwarzer, der wird schon was gemacht haben.

Dazu kommt die permanente Ungleichbehandlung, hier Tränengas und friedlichen Protest, dort der Protest der bewaffneten Weißen letzten Monat, die wegen Maskentragens und leichter Ausgangssperre mit halbautomatischen Kriegswaffen ein Parlament besetzten, die Gouverneurin bedrohten und daraufhin von der Polizei äußerst höflich gebeten wurden, mal wieder zu gehen. Der Präsident twitterte von „good people“.

Zu den Kundgebungen wegen George Floyd twitterte er übrigens „When the looting starts, the shooting starts.“ Er zitiert einen Rassisten, dessen Äußerungen zu Rassenunruhen in Miami geführt haben, damals, als Schwarze offiziell noch keine richtigen Menschen waren in den USA.

Ach ja, Anfang der Woche trendete eine weiße Frau, die die Polizei rief, weil ein Schwarzer sich erdreistet hatte, sie zu fragen, ob sie ihren Hund im Park anleinen könnte, wie es vorgeschrieben ist. Sie rief die Polizei! Wären das die Cops vom 25.5. gewesen, wäre der Mann jetzt tot. Davor wurde die Polizei gerufen, weil ein Schwarzer im McDonalds saß. Der dann mit Handschellen abgeführt wurde. Davor …

Schwarzen wird gesagt, dass gewaltsamer Protest falsch ist, sie sollen friedlich protestieren. Außer, dass auch friedlicher Protest sanktioniert wird, siehe Colin Kaepernick oder das Tränengas am 25. und 26.5. Schwarzen wird gesagt, dass sie gleich seien, trotzdem werden sie systematisch an der Beteiligung bei Wahlen gehindert.

In dieser Lage kommen Schwarze nun auf die Idee, dass sie in den USA weniger wert sind als Weiße, auch so eine wissenschaftlich belegte Tatsache. Übrigens: auch in Deutschland sind wir da nicht so weit, wie Sie und ich das gerne hätten, aber sparen wir das mal für später auf.

Auf Twitter fordern nun Schwarze Weiße auf, sie zu unterstützen und was zu tun. Manche beschimpfen auch Weiße, weil sie nicht wie ein Tier umgebracht werden wollen. Die meisten Weißen stimmen zu, aber es gibt genügend, die das anders sehen oder darauf hinweisen wollen, dass sie ja auch Menschen sind.

Und es gibt genügend, die darauf hinweisen, dass sie anders sind und sich die Schwarzen überhaupt mal nicht so aufregen sollen und wenn, dann bitte friedlich. Und dass, wenn sie von Schwarzen beschimpft werden, das Rassismus ist. Die Schwarzen sind die wahren Rassisten.

Wenn Ihr Kind mit dem Auto angefahren wird und sie sagen „Autofahrer, passt auf Kinder auf“, dann würden Sie ungern als Antwort erhalten „nicht alle Autofahrer fahren Kinder um und wenn Sie das so sagen, reden wir gar nicht mehr. Und außerdem, wer sagt, dass die Autofahrer aufpassen müssten, der verkennt ja, dass Kinder dauernd über die Straße rennen ohne zu gucken und die Kinder sind die wahre Gefahr und selbst schuld“ (der Vergleich hinkt, aber nur ein bisschen).

Zusammenfassend: George Floyd, ein Schwarzer, wird würdelos auf der Straße erwürgt, weil er ein Schwarzer ist, nicht weil er irgendwas getan hätte. Nach Jahren solcher Dinge erlauben sich die Schwarzen jetzt, zu sagen: kann ja nicht sein. Die Polizei greift mit Tränengas und Gummigeschossen ein. Auf Twitter wird den Schwarzen vorgeworfen, selbst schuld zu sein oder sich mal nicht so zu haben, Weiße sind auch ok. Außerdem sind Schwarze sowieso gefährlich, da holt man lieber einmal mehr die Polizei.

Daraufhin greifen Schwarze auf Twitter zu schroffer Sprache.

Jetzt kommt Ihr Tweet.

Sie haben geschrieben:

Die letzten Tage auf Twitter kann man sehr gut beobachten, wie Schwarze den Rassismus von Weißen gegenüber Schwarzen nutzen, um gegen Weiße rassistisch zu sein. Eine unnötige moralische Überhöhung. Schwarze sind keine besseren Menschen als Weiße. Wir sind alle gleich!

Sie sagen, ich hab den falsch verstanden.

Was genau wollten Sie denn ausdrücken?

Sie schreiben, dass Schwarze auf Twitter gegen Weiße rassistisch sind und dafür nur auf eine Gelegenheit gewartet haben und jetzt gefunden haben: den Rassismus der Weißen in Form des Mords an George Floyd.

Sie bringen dafür keine Belege, so dass man nicht nachvollziehen kann, welche Tweets Sie da meinen.

Rassismus ist eine Ideologie, die Menschen aufgrund ihres Äußeren, ihres Namens, ihrer (vermeintlichen) Kultur, Herkunft oder Religion abwertet. […] Rassismus ist dabei kein „einfaches“ Mobbing, denn Rassismus beruht auf einem realen Machtunterschied in unserer Gesellschaft.

Amadeu-Antonio-Stiftung

Was Sie beschreiben ist „einfaches“ Mobbing, Beschimpfungen, Drohungen, etc. pp. Und in den meisten Fällen kann ich das sehr nachvollziehen. Da ich nicht weiß, auf welche Tweets Sie sich beziehen, kann ich da nur raten.

Was aber auf jeden Fall fehlt, ist der reale Machtunterschied in der Gesellschaft. Schwarze haben weder auf Twitter noch in den USA mehr Macht als Weiße. Sie können ihre Drohungen nicht gesellschaftlich verwirklichen.

Diese falsche Analogie wurde von den neuen Rechten aufgebaut, die ihre Handlungen natürlich rechtfertigen müssen und auf den Trick mit dem „Rassismus gegen Weiße“ gekommen sind, gegen den sie sich natürlich wehren müssen. Durch Rassismus.

Das ist wie mit den Antifaschisten, die die eigentlichen Faschisten sind, weil sie ja die Faschisten bekämpfen.

Beides ist hanebüchener Unsinn.

Dann schreiben Sie noch von einer „unnötige moralische Überhöhung. Schwarze sind keine besseren Menschen als Weiße.“

Jetzt muss ich einmal deutlich werden: WTF?

Wo haben Schwarze behauptet, sie seien bessere Menschen als Weiße? Alles was ich mitbekommen habe ist, dass sie auch als Menschen wahrgenommen werden wollen, nicht als Tiere. Vielleicht sehen sie da andere Tweets als ich.

Aber unabhängig davon, vielleicht hat jemand geschrieben „ich bin besser als Du, wenn Du zusiehst, wie mein Bruder ermordet wird“, keine Ahnung. Selbst wenn – das ist ihr Problem in dieser Situation?

Schwarze leiden unter Rassismus, werden in den USA massiv benachteiligt, regelmäßig schikaniert und genauso regelmäßig ermordet, auch von der Polizei – und Sie beschweren sich über den Ton auf Twitter?

Wenn das tatsächlich Ihr größtes Problem in dieser Gesamtsituation ist – und so scheint es, denn Sie haben ja dazu getwittert – dann sind Sie leider Teil des Problems.

Sie haben genügend Antworten auf den Tweet bekommen, einige auch hart im Ton, einige unfair. Aber stellen Sie sich bitte einmal vor, sie sind Schwarzer in Deutschland. Ein Land, in dem in Dessau Oury Jalloh in der Polizeizelle verbrannte. Wo es Jagd auf „Ausländer“ gibt. Wo es Benachteiligung in der Schule, Arbeit, Wohnungssuche durch ihre Hautfarbe und ihren Namen gibt. Wo ein Muslim ihrer Schwesterpartei kein Bürgermeister sein darf, weil er Muslim ist. Wo es racial profiling durch die Polizei gibt. Und vieles mehr.

Und dann lesen Sie einen Tweet, in dem geschrieben wird, dass Sie nur auf die Gelegenheit gewartet haben, sich moralisch über Weiße zu erheben. Und dass ihnen deshalb der Mord an George Floyd gelegen kommt. Dass Sie derjenige sind, der dessen Tod ausnutzt.

Wenn Sie halbwegs so denken wie ich, wären Ihnen deutlichere Worte von der Hand gegangen als Sie überwiegend bekommen haben.

Als erste Antwort bieten Sie übrigens ein „das habt Ihr falsch verstanden, ich bin unschuldig“ an. Das ist eine schwache Ausrede. Wenn Sie etwas anderes gemeint haben, hätten Sie etwas anderes schreiben sollen.

Ich bin ein großer Freund von „ich habe Mist gebaut, das sehe ich ein, hier ist mein Plan, wie ich damit umgehen werde“. Ich bin kein großer Freund von „Ihr seid schuld, wenn Ihr meine Worte so auslegt, wie sie da stehen und nicht, wie ich sie gemeint habe.“

Sie fragten auf Twitter noch: „Bin ich Rassist?“

Wir kennen uns nicht. Wenn ich nur nach diesem einen Tweet gehe, müsste ich sagen: „ja“. Denn Sie haben etwas Rassistisches geschrieben.

Da ich noch mehr Tweets von Ihnen gelesen habe würde ich sagen: nein, aber Sie haben da etwas Rassistisches geschrieben. Denken Sie in Ruhe drüber nach, und schauen Sie, dass Sie offen damit umgehen, falsch gelegen zu haben. Das lag nicht an den anderen, sondern an Ihnen.

Dafür ist immer Zeit. Bitte verrennen Sie sich nicht in eine Opferrolle, sondern stehen Sie zu ihrem Text, der war falsch, kann passieren. Wie Sie jetzt damit umgehen, das wird meine Antwort auf die Frage „Bin ich Rassist?“ stark beeinflussen.

Mit freundlichen Grüßen,

Ekkart Kleinod.

PS: es gibt noch viel mehr zu diesem Thema zu sagen, was auf Twitter und in Blogs auch gesagt wird, es lohnt sich, dort reinzulesen. Das hier ist wirklich nur die Kurzfassung gewesen 🙂

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Angriffe auf trans* Sexarbeiterinnen

Was sind das für armselige Würstchen, die Spaß daran haben, so richtig ganz tief nach unten zu treten, indem sie trans* Sexarbeiterinnen „klatschen“. Und damit ihre „Männlichkeit“ beweisen.

Und dabei die Situation ausnutzen, dass es für SexarbeiterInnen, insbesondere trans* extrem schwer ist, der Polizei zu vertrauen.

Wäre mal eine lohnende Aufgabe z.B. für die SPD, Punkte zu sammeln mit einer vernünftigen, menschlichen Regelung für SexarbeiterInnen (ich weiß, werden sie nicht machen).

Denn seit Anfang des Jahres gibt es körperliche Angriffe auf die trans* Sexarbeiterinnen. Jedes Wochenende zur Hauptarbeitszeit, Freitag und Samstag Nacht zwischen zwei und vier Uhr, kommen unterschiedliche Wagen in die Frobenstraße, vollbesetzt mit Männern, die gezielt trans* Frauen angreifen. „Sie werden aus dem Auto heraus mit Glasflaschen beworfen und mit Messern attackiert. Einer Frau wurden die Zähne ausgeschlagen, einer anderen Seifenlauge ins Gesicht gespritzt“, beschreibt Emy die Situation.

Es sind gezielt trans- und homofeindliche Angriffe, da die Angreifer die trans* Frauen als „Hurensöhne“ und „Schwuchteln“ beleidigen. Emy vermutet, dass die Aggressoren männliche Gangs sind, die gerade von einer Party kommen, sich stark fühlen und ihre Männlichkeit beweisen wollen, indem sie „Transen klatschen“.

(Quelle: Siegessäule, via Mädchenmannschaft)

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Kultur Politik Rassismus Recht

Alltagsrassismus

Dazu hat Sami Omar im MiGazin einen sehr schönen Beitrag verfasst: „Was nach dem Berlin-Anschlag für mich als schwarzen Deutschen zu tun ist“

Einfach mal sacken lassen.

Ich kenne das schon. Ich ziehe mir etwas Anständiges an. Vielleicht sogar eine Krawatte. Das macht schon mal einen Unterschied. Auch wenn mein Deutsch tadellos ist, spreche ich sehr klar und etwas elaboriert zu den Leuten.[…]

Ich bin evangelisch, aber das will jetzt keiner hören. Aus welchem Land ich komme, wird jetzt wieder häufiger gefragt werden. Ich komme aus Baden-Württemberg, aber das wird als Scherz meinerseits eingestuft. ‚Ha, sehr gut. Aber ich meinte gebürtig!‘ […]

Ich mache es ihnen und mir einfach. Ich kleide mich und spreche so, dass die Überschneidungsmenge unserer kulturellen Identitäten möglichst groß ist. […] Ich zeige schlicht: Ich habe viel mit Euch gemein. Das reicht schon. […]

Wenn der Sturm sich gelegt hat, gehe ich auch wieder ins Fitness-Studio. Im Moment ist das undenkbar. Ohne meinen Kaschmir-Mantel und meine Brille, hielten mich die Leute dort für einen Ausländer – das kann ich derzeit nicht riskieren.

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Silvesterkontrollen in Köln (juristisch)

Schön knapp zusammengefasst hat diese aus juristischer Sicht RA Stadler.

[…] dass ausländisch aussehende Menschen zu einem Ausgang zur Kontrolle geschickt wurden, während alle deutsch aussehenden Menschen einen anderen Ausgang nehmen und unmittelbar zur Domplatte weitergehen konnten.

Man muss der Kölner Polizeiführung keine rassistischen Motive unterstellen, um das bedenklich zu finden. […]

Was den Rechtsstaat seit jeher vom Unrechtsstaat unterschieden hat, ist das unumstößliche Postulat, dass es keine Strafverfolgung um jeden Preis geben darf, selbst wenn sie geeignet wäre, die Ergreifung des Täters zu ermöglichen. Gleiches gilt für die Gefahrenabwehr. Es gibt keine Gefahrenabwehr um jeden Preis, selbst wenn sie von der Intention geleitet ist, Straftaten zu verhindern.

Das Verhalten der Kölner Polizei rüttelt an den Grundfesten unserer Verfassung. […]

So sieht es aus.

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Politik Rassismus

Bundestagswahl 2017

Die Prinzessinnenreporter haben sehr schön aufgeschrieben, wie sich Parteien für die Bundestagswahl 2017 aufstellen könnten. Werden sie nicht machen, aber wer weiß…

Hier ein paar Auszüge:

[…] Sie sollte – und da liegt unser Problem mit Euch – vor allem aber auch dafür einstehen, die Ideologie der AfD aus der Politik fernzuhalten, statt dieser hinterherzurennen wie der sprichwörtliche Esel der vor der Nase baumelnden Möhre. Damit gewinnt Ihr keine Wähler von den Arschisten zurück, die wählen nämlich lieber das Original.

[…]

Zumal wir wirklich nicht wissen, worin das kleinere Übel von Parteien bestehen soll, deren Spitzenpersonal wahlweise Interviews bei RT Deutsch gibt (Wagenknecht), in Onkel-Gottfried-Manier über „political correctness“ jammert (Kretschmann), auf „Überfremdungsängste eingehen“ will (Gabriel) oder aber persönlich vielleicht sogar halbwegs okay ist (Merkel), aber leider der gleichen Partei angehört wie Thomas de Maizière und Erika Steinbach.

Wählenswert wäre dagegen eine Partei, die zur Abwechslung mal die Sorgen und Ängste jener 84 Prozent der Bevölkerung ernst nehmen würde, die laut ARD-Deutschlandtrend die größte Gefahr im Land in rechtsextremen Anschlägen und Übergriffen sehen. […]

(Quelle: Prinzessinnenreporter)

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Der Hass ist nicht neu. Für uns nicht.

Eine sehr schöne Rede von Mely Kiyak, die aufzeigt, dass der ganze Hass, die Menschenverachtung, die rassistische Grundhaltung, die immer offener geäußert werden, schon lange existieren und wir es uns nur geleistet haben, das zu ignorieren, weil wir nicht betroffen waren.

Rassistische Gewalt? Halt alles Einzelfälle. Hunderte davon.

Und Frau Kiyak hat Recht. Einfach mal durchlesen und drüber nachdenken.

Seit zehn Jahren schreibe ich ohne Unterbrechung jede Woche eine politische Kolumne. Für diese Kolumnen werde ich mit einer geradezu barocken Opulenz mit Ablehnung beschenkt. Es gibt Leser, die mich für diese Texte am liebsten umnieten würden.

[…] Ich spreche übrigens nicht von Online-Kommentaren, sondern von echten Briefen oder Emails. Woche für Woche hagelt es Empörung, Beschimpfung, Anzeigen, Drohungen. Selten handelt ein Brief davon, wovon ich schrieb; meistens davon, dass ich schrieb.

Und wer ganz schmerzfrei ist, kann gerne die Kommentare unter der Rede lesen, die genau diesen Mechanismus aufzeigen.

(Quelle: übermedien)

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Kein Geld für Rechts

An sich eine schöne Idee: Firmen ansprechen, die auf rechten Seiten werben und fragen, ob sie das wissen und/oder gut finden.

Frag doch gerne mal bei einer bekannten Marke, die du auf einschlägigen rechtsradikalen Seiten findest, nach, ob sie wissen, wo sie werben. Ein Tweet, eine Facebook Nachricht oder ein E-Mail: manchmal wirken sie Wunder.

[…] Das System hinter Online-Werbung begünstigt derzeit, dass diese Seiten von uns finanziert werden.

Und ich finde, das kann man auch stoppen. Ganz einfach aus dem Ohrensessel – und so, dass es den Zukunftsvergiftern weh tut. Und wenn du magst, kannst du natürlich auch diesen Artikel teilen.

Was ich hiermit tue. Mein einziges Problem dabei: ich bin nicht auf einschlägigen rechtsradikalen Seiten unterwegs.

Aber evtl. wird man da ja mal draufgeleitet, dann wirft man kurz einen Blick auf die Banner, bevor man sich schnell wieder verabschiedet.

(Quelle: davaidavai, via Bildblog)