Nur Journalisten sind gut, Journalisten sind nur in Printmedien gut, Blogger sind doof. So Werner D’Inka, Herausgeber der FAZ. Auszüge der Rede:

Deshalb lautet die oberste Maxime des Journalismus, zu recherchieren, Fakten zusammenzutragen und zu prüfen sowie Zusammenhänge aufzuhellen. Journalisten liefern damit der Öffentlichkeit das gedankliche Rüstzeug für die politische Willensbildung.

[…]

Unter diesem normativen Blickwinkel wäre solcher Journalismus als Qualitätsjournalismus zu bezeichnen, der dazu beiträgt, diese demokratietheoretischen Anforderungen zu erfüllen. Nur Medien, die maßgeblich zur politischen und gesellschaftlichen Willensbildung beitragen, bekämen dann das QualitätsGütesiegel. Etwa so: „Süddeutsche Zeitung“ ja, „essen & trinken“ nein.

[…]

Müssen wir statt des normativen Ansatzes also einen eher funktionalen Zugang wählen? Der wäre ungefähr so zu formulieren: Qualität ist, was die Erwartungen des Publikums erfüllt – und die streuen ganz erheblich zwischen passionierten Lesern der „Zeit“-Dossiers und den Liebhabern von Volksmusiksendungen.

[…]

Ganz obenan steht sicher die Faktentreue, also sachliche Richtigkeit. Zu den unbestrittenen Qualitätsmerkmalen zählen ferner gründliche Recherche, Relevanz des Themas, Vielfalt der Sichtweisen – und auch eine korrekte und verständliche Sprache, womit ich nur orthographische Richtigkeit meine, sondern eine dem jeweiligen Thema auch inhaltlich angemessene Sprache.

[…]

Zu den journalistischen Tugenden zählen ferner das Bemühen, Entwicklungen in ihrem Zusammenhang begreifbar zu machen sowie die Angemessenheit der Darstellung und die sichere Wahl der stilistischen Mittel.

[…]

Es kommen dazu die Selbstverpflichtung, Nachrichten auf ihre Herkunft und ihre Verlässlichkeit zu prüfen, Quellen offenzulegen, das Gebot, zwischen privaten Interessen und öffentlichen Angelegenheiten zu unterscheiden sowie das Bemühen, sich mit gesunder Skepsis nach allen Seiten umzusehen.

Es ist erstaunlich, das Selbstverständnis von Herausgebern und Journalisten zu betrachten und mit der Wirklichkeit zu vergleichen. Und zuvergleichen zwischen dem, was als „Journalismus“ bezeichnet wird und dem, was an Kriterien aufgestellt wird. Faszinierendes In-die-Tasche-lügen.

Jetzt aber auf zum Online-Bashing, denn das Medium macht den Journalismus, nicht die Kriterien von weiter oben:

Ich sagte zu Beginn, dass wir Anlass zur Selbstvergewisserung haben, was das Wesen unseres Berufes angeht. Warum? Weil vor allem die OnlineMedien einen bunten Strauß neuer Ausdrucksformen zum Blühen gebracht haben. Die Stichworte lauten Blogger, Foren und Bürgerjournalisten. Sie halten uns traditionellen Journalisten vor, wir seien eine Art Kaste weltlicher Priester, die darüber entscheiden, welche Informationen das einfache Volk erhalten solle und welche wir ihm vorenthalten.

[…]

Ich finde es auch nicht anstößig, wenn gesagt wird, der traditionelle Journalismus sei hierarchisch. Natürlich ist er das – so wie jede kreative Leistung hierarchisch ist. Auch Theater und Konzerte sind hierarchisch, und niemand käme vermutlich ernsthaft auf die Idee, die Musik „demokratisieren“ zu wollen – es sei denn, er hielte Karaoke für eine besondere zivilisatorische Errungenschaft und für irgendwie authentischer als Beethoven. Selbst ein Friseurbesuch hat etwas Hierarchisches, denn der Friseur, bei dem ich gestern war, hat etwas gelernt, das ich nicht kann. Und ich weiß nicht, ob es die Menschheit sehr viel weiterbrächte, wenn wir uns alle gegenseitig die Haare schnitten. Genau das aber ist das Credo der Blogoshpäre: Professionelle Handwerksnormen seien nichts als Anmaßung, nichts als die Selbstlegitimation einer Berufskaste, die ihr Publikum bevormunde.

[…]

Die besten und geistreichsten Blogger sind so etwas wie Kolumnisten, die oft originelle Sichtweisen vertreten, die sich aber nicht mit der Mühe ernsthafter Nachrichtenarbeit plagen und stattdessen das abschöpfen, was Zeitungsredaktionen kostenlos ins Netz stellen.

Tja.

(Quelle rz-online, via netzpolitik)

Update 29.10.09: Auslassungen deutlicher gekennzeichnet

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