Wenn man mal lesen will, was Hartz IV bedeutet, wie wenig Geld man dann hat und wie entwürdigend das ist, vielleicht, um die Sprechblasen der Politiker (derzeit Zensursula, aber da braucht man fast keinen ausnehmen, parteiübergreifend bei den etablierten Parteien) auch mal einschätzen zu können, dann empfehle ich den Bericht „Hartz IV – War da nicht mal was?“ vom Spiegelfechter. Aber Vorsicht, kann in Entmutigung enden (denn ich sehe nicht da keine Besserung, die Bild z.B. fährt wieder volles Programm gegen Arbeitslose).

[…] Von 364 Euro Regelsatz muss ein lediger Erwachsener ca. 40 Euro Strom bezahlen, ca. 15 Euro für eine Haftpflicht- und Hausratversicherung, ca. 25 Euro für Telefon, bleibt ein Rest von 284 Euro. Desweiteren muss er 50 Euro monatlich als Reserve zurücklegen, was die ARGEn mittlerweile auch kontrollieren sollen, da die einmaligen Beihilfen, z.b. für einen kaputten Fernseher, Waschmaschine, Herd, Renovierung, eventuelle Reparaturen durch Handwerker etc., gestrichen wurden; sie sind jetzt im Regelsatz mit eingerechnet, im Gegensatz zur früheren Sozialhilfe. Bleiben bei vernünftiger Haushaltführung also 234 Euro Restbetrag für alles andere, wie z.B. Lebensmittel, Porto, Fahrkarten, Kleidung, Arzt-/Medikamentenzuzahlung, Haushaltsmaterialien etc.!

Alleine eine ausgewogene Ernährung würde übrigens nach Meinung von Ernährungswissenschaftlern bei Ledigen ca. 240 Euro pro Monat kosten. Mein Hausarzt, der auch viele Hartz-IV-Bedürftige unter seinen Patienten hat, fragte mich vor vier Jahren einmal, warum die Zahl der psychosomatisch Erkrankten und vom körperlichen Verfall Betroffenen unter seiner Patientenschaft so rasant zu nehmen würde. […]

Wo das Geld für eine vernünftige Teilhabe am gesellschaftlichen und sozialen Leben, wie es das Grundgesetz vorsieht, herkommen soll, wenn man eine reale Rechnung mit dem Hartz-IV-Regelsatz aufmacht, bleibt das Geheimnis der Regierenden. […]

Allein die Fahrtkosten oder die zwei Tassen Kaffee in der Gaststätte bei unserem Treffen, spürten die Anwesenden finanziell deutlich und sagten es auch. Einige waren auch mit dem Bus gekommen, Hin- und Rückfahrt je 2,40 Euro, plus zwei Tassen Kaffee a 1,60 Euro, also 8 Euro für ein Treffen, das für einen Nicht-Geringverdiener finanziell nicht spürbar gewesen wäre, für die Anwesenden aber ein finanzielles Problem war.

Von den Dörfern aus kostet jeder Besuch der ARGE also mindestens ca. 5 Euro, ebenso wie jeder Einkauf in der Stadt. An Schwimmbadbesuche mit den Kindern ist da gar nicht zu denken, Fahrt zum nächsten Freibad hin und zurück 4,80 Euro plus Eintritt. […]

Die anwesenden Eltern sagten zum Bildungspaket, es wäre ja schön und gut, wenn der Vereinsbeitrag für den Sportverein erstattet werden würde, aber wie die Fahrtkosten zu den Trainingsstunden aufbringen, wie die Sportkleidung für die Kinder finanzieren? […]

(Quelle Spiegelfechter, via nachdenkseiten)

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