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Kritik: Harry Potter and the Sorcerer’s Stone (2001)

Wir müssen mit vier Vorbemerkungen anfangen.

Erstens: der Titel. Harry Potter and the Sorcerer’s Stone ist der amerikanische Titel des Buchs, der allgemein für den Film übernommen wurde, in Großbritannien heißen Film und Buch „Harry Potter and the Philosopher’s Stone“, auf deutsch hat sich der Verlag für „Harry Potter und der Stein der Weisen“ entschieden.

Zweitens: J.K. Rowling. Leider hat sie sich in Bezug aus Transmenschen zu einem weißen alten Mann entwickelt, was sehr schade ist, denn gerade auf dem Gebiet des Feminismus hat sie gute Arbeit geleistet, ist dann aber in ihrer Form des Feminismus „steckengeblieben“ ohne neue Impulse aufzunehmen. Ähnlich wie Alice Schwarzer, deren Verdienste unbestritten sind, die aber auch mit modernem Feminismus, der sich übergreifender versteht, nichts anfangen kann. So meine laienhafte, sicher nicht alles erfassende Einschätzung. Macht das die Bücher bzw. Filme schlechter? Für mich nicht, ich bin eher enttäuscht, da ich einfach mehr von ihr erwartet hätte. Allerdings bin ich auch nicht persönlich betroffen von ihren Aussagen.

Drittens: die Altersfreigabe ab 6. In Deutschland gab es ernsthaft eine Debatte, dass das Zaubern so schlimm wäre, dass Sechsjährige dadurch auf falsche Pfade geführt würde, statt richtiger Religion zu frönen. Yepp, CSU. Yepp, Bild.

Für Sechsjährige ist so viel Okkultismus gefährlich. Sie sind religiös nicht gefestigt und glauben alles, was sie sehen.

Benno Zierer

Echt, wenn es irgendwo groben Unfug zu lesen gibt, sind Bild und CSU ganz weit vorn.

Viertens: die Übersetzung der Bücher. Die sind mäßig gut übersetzt. Teilweise werden ganze Szenen durch schlechte Übersetzung verfremdet, ob das Unvermögen des Übersetzers ist oder einfach Schludrigkeit, unvollständige Manuskripte, Zeitdruck; ich glaube, eher die letzteren Sachen. Macht die Sache nicht besser, da das irgendwie zeigt, dass selbst bei sehr großen Büchern Kinderbücher nicht gut behandelt werden. Jedoch hatte auch Rowling in den Büchern einige Fehler drin, die bei späteren Ausgaben behoben wurden. Das führte dann zu einer Art Kleinkrieg zwischen internet und Übersetzer, bei dem jede Fehlübersetzung aufgelistet wurde. Interessant zu lesen, grenzte aber stark an Mobbing gegenüber dem Übersetzer. Gut gelungen ist allerdings die Übersetzung der neuen Wörter, die sich Rowling ausgedacht hat, das ist nie einfach, vor allem, wenn man nicht weiß, welches Wortspiel auch noch Bedeutung erlangen wird. Andererseits: warum aus „Hermione“ „Hermine“ wurde – who knows.

Soviel zur Vorrede – das Buch, der Film:

Ich hab den Potter-Hype damals miterlebt, bin aber erst zur Veröffentlichung von Band 3 richtig darauf aufmerksam geworden. Daher konnte ich drei Bücher am Stück lesen und musste nicht ewig auf die Fortsetzungen warten. Das hatte den Vorteil, dass die Geschichte für mich eine Einheit bildete, das gilt ab Band fünf leider nicht mehr, dafür liegen die dann zu weit auseinander. Mein Problem.

Der Film greift die phantastischen Elemente der Bücher auf und bringt diese unglaublich gut auf die Leinwand. Die Fantasie Rowlings wird umgesetzt und das ist wahrlich nicht einfach.

Die Sets sind beeindruckend. Das sind alles plausible Umsetzungen des Buches, da hab ich mir ähnliches beim Lesen vorgestellt.

Die Schauspieler:innen sind bestens besetzt, am Schwächsten meiner Erachtens nach Harry selbst (mit Daniel Radcliffe, der bei mir durch seine Post-Potter-Filme deutlich an Ansehen gewonnen hat). Aber Hermione, Ron, Dumbledore, Professor McGonagall(!), Hagrid, Professor Snape(!), das sind nur die herausragenden Figuren, die wie aufs Auge für ihre Rollen passen. Auch die anderen Rollen sind sehr, sehr gut besetzt.

Die Musik. John Williams. Wo er das nur hernimmt…

Von der Geschichte werden die wesentlichen Teile umgesetzt, natürlich muss da gekürzt werden. Etliche Szenen sind weggefallen, die ich extrem gut finde, insbesondere die Trostlosigkeit bei den Dursleys, aber dafür sind ja dann noch die Bücher da. Der Film ist auch deutlich freundlicher als der Roman, was auch ok ist. Ob Handlungsstränge fehlen, die für das Verständnis der nachfolgenden Filme nötig sind, kann ich nicht einschätzen, da ich die Bücher alle vor den Filmen gelesen hatte.

Die Stimmung des Films wird durch die Sets und die Inszenierung angenehm nostalgisch. Alles in warmen Farben, viel Staunen von Harry über die neue Welt, wir staunen mit. Diese Naivität wird dann ab Teil 5 leider aufgegeben, was für mich einen Bruch mit der Reihe darstellt. Aber dazu dann bei Teil 5.

Kritik muss leider auch sein: Hermiones Rolle, die ich in den Büchern schon zu negativ fand, wird hier noch mehr Anhängsel an Harry. Ich meine, Hermione ist die einzige kompetente Person der Kleingruppe und das wird als negativ dargestellt.

Harrys Haare. Warum man da vom Buch abgewichen ist, keine Ahnung. Den Haaren werden mehrere Absätze gewidmet und das wird dann so verschenkt.

Professor Snape: eine der wenigen Figuren im Buch mit Tiefgang: nicht im Film. Dennoch hervorragend dargestellt von Alan Rickman.

Und Quidditch. Das lässt mich kalt, das war sehr schwer umzusetzen und das passt nicht für mich. Auch die Spannung, die Rowling in den Büchern hinbekommt weicht hier einer eher plumpen 08/15-Sportdramatik.

Dennoch: für den ersten Film einer sehr schwierig umzusetzenden Reihe ist dieser Film sehr gelungen und kann sehr empfohlen werden (aber nur wenn man ein gefestigtes religioses Weltbild hat).

Fazit: sehr fantasievoller, moderner, nostalgisch inszenierter Märchenfilm.

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