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Kino Kritik

Kritik: Lara Croft: Tomb Raider

Lara Croft: Tomb Raider, die Verfilmung von 2001 mit Angelina Jolie.

Da muss ich etwas weiter ausholen:

Die Tomb-Raider-Spiele waren damals[tm] eine Offenbarung für mich. Das war grafischer Zucker verbunden mit einer coolen Hauptheldin. Das waren Welten, wie sie vorher noch nie zuvor im Computer erschaffen wurden: riesig, detailreich, logisch aufgebaut und mit Übung spielbar. Dabei eine Heldin, die sowohl rennen, springen, klettern, ins Wasser springen oder mit Waffen umgehen konnte. Wobei die Waffen eher selten gebracuht wurde, denn es ging darum Tombs zu raiden, also Gräber zu erforschen und auszunehmen, Geheimnisse zu erraten und Rätsel zu lösen. Und eine Heldin, deren Namen ich kannte: Lara Croft. Badass. Asskickerin vom Feinsten.

Was ist außerhalb meines Spielerlebnisses offensichtlich davon hängen geblieben?

Titten und Knarren.

Dinge, die ich trotz meines pubertären Spielalters und meiner männlichen Sichtweise nie interessant im Spiel fand.

Aber die standen plötzlich im Vordergrund sowohl bei den Spielen als auch, und hier schlagen wir den Bogen zurück, bei der ersten Verfilmung mit Angelina Jolie.

Hier ist meiner Meinung nach sehr gut zu sehen, wie eine falsche Prämisse trotz tollen Casts und einer ordentlichen Geschichte zu einem schlechten Film führt.

Die Eröffnungssequenz ist noch gelungen, Angelina Jolie kann Badass sehr gut spielen, hier fallen jedoch schon die ausgestopften Brüste negativ auf. Eine Duschsequenz später ist klar: Tombs werden wir wohl eher spärlich raiden.

Wir bekommen eine Geschichte um eine seltene Planetenkonstellation erzählt (durch einen Traum vom Vater – warum?), bei der Uhren eine Rolle spielen, deren Bestandteile in einem großen Mechanismus zusammengesetzt werden müssen, damit die Illuminaten was machen können. Auf der Suche nach den Teilen für den Mechanismus bereisen wir verschiedene Gegenden, einen Tempel in Kambodscha und für die Endsequenz Sibirien.

Der Mechanismus ist eine Zeitmaschine. Wir retten unser Love-Interest Daniel Craig, treffen den Vater wieder und Happy-End.

Die Geschichte ist wirr aber ok, aber die Umsetzung…

Jedes Tomb-Raider-Feeling wird weggenommen, weil die Inszenierung die falschen Dinge betont. Die Brüste sind offensichtlich sehr wichtig. Einen Tempel auszurauben eher nicht, obwohl der Film hier am nächsten an die Spiele kommt. Alles ist fahrig inszeniert, die Action ist ok, aber wen interessiert eine Hundeschlittenwettfahrt?

Warum müssen wir uns mit dem emotionalen Ballast um den Vater rumschlagen? Können wir nicht einfach Lara Croft erleben? Warum muss sie so unsicher sein in Bezug auf ihre Welt, wenn sie es doch nicht ist? Wen interessiert es, ob und mit wem sie Sex hat und ob die Hosen oder Kleider anzieht. Es ist egal! Das ist Lara Fucking Croft!

Und so litt ich durch den Film und hoffte, dass er Tomb Raider wird, hab auch artig die DVD zu Hause, aber der Film ist leider nur Durchschnitt. Einzelne Szenen sind gut, aber der Gesamtfilm enttäuscht (mich). Für einen Sonntag nachmittag ok, viel verschenktes Potential.

Es ist so, als ob sich jemand die Spiele angesehen hat, ein Best-Of für sich zusammengestellt hat und das verfilmt, wobei die Prioritäten nach Aussehen und Wirkung nach außen, nicht bezogen auf das Spiel genommen wurden. Es ist schwer zu erklären, das ist ähnlich wie bei Silent Hill, dessen erste Verfilmung sehr gelungen war und dessen zweiter Teil dann plötzlich Pyramid-Head in den Vordergrund stellte: optisch einleuchtend aber dem Spiel überhaupt nicht angemessen.

Immerhin erhalten wir eine Tomb-Raider- und Computerspiele-Verfilmung, die nicht grottenschlecht ist wie z.B. die Filme von Uwe Boll.

Fazit: der Film ist ok, leider nicht wirklich gut und leider nicht Tomb Raider.

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