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Kino Kritik

Kritik: Children of Men (2006)

Children of Men – so ein Film, der extrem gute Kritiken bekommen hat, ewig vorgenommen, den zu sehen, im Kino hat es nicht geklappt und jetzt ist es auch schon 14 Jahre später.

Auf die Gefahr hin, dass ich mich in meiner Wortwahl wiederhole und jetzt jeden Film mit demselben Wort gut finde:

Wow!

Ich hätte nicht erwartet, so ein Brett geliefert zu bekommen. Was Alfonso Cuarón da hinzaubert – einfach nur beeindruckend.

Zunächst mal die Atmosphäre: eine dreckige, „faschistische“ Zukunft, in der Flüchtlinge unter widrigsten Bedingungen von der Grenze ferngehalten werden. Dann die Drehweise mit extrem langen Kamerafahrten, die den Figuren über lange Strecken folgen – das ist einfach extrem gut gedreht. Und dann die Idee, wichtige Teile der Handlung in den Hintergrund zu verlagern: die unmenschliche Behandlung der Flüchtlinge, den Krieg mit seinen Schrecken, Tot, Gewalt, Elend. Das ist einfach extrem gut und zieht einen stark in den Film hinein.

Aus irgendeinem Grund sind alle Menschen unfruchtbar geworden und das seit 18 Jahren. Theo (Clive Owen) bekommt die Gelegenheit, die erste schwangere Frau (Clare-Hope Ashitey) seit dieser Zeit vor allen möglichen Leuten, mit meist bösen Absichten, zu retten. Diese gehen über Leichen und es ist bis zum Ende unklar, wer das Ganze überleben wird. Die Hoffnung ist eine mystische Gruppe namens „Human Project“, von der niemand weiß, ob sie wirklich existieren und falls ja, ob sie „die Guten“ sind.

Der Film besticht durch die Drehweise. Dazu Clive Owen als Held, aber nicht Superheld, mit dem wir die ganze Reise durchleben und mit dem wir mitfiebern, ob und wie man aus der Situation entkommen kann. Der Rest des Casts ist ebenfalls exzellent: Michael Caine, Julianne Moore, Chiwetel Ejifor wären da zu nennen.

Der ganze Film kann auch als extreme (und brutale) Verfilmung der Weihnachtsgeschichte gelesen werden, mit dem Baby als Erlöser, dessen Vater nicht genannt wird und Clive Owen als Josef. Das wird in der vorletzten Sequenz sehr deutlich inszeniert, bis hin zu den Sachen, die die drei tragen.

Einziger (sehr kleiner) Kritikpunkt: in der ersten Hälfte des Films ist die Musik etwas zu aufdringlich und zu sehr um Emotionen bemüht, die von den Schauspieler:innen problemlos auch so transportiert werden.

Der Film ist ein ganz klarer Sehbefehl, so soll ein Film aussehen, ebenfalls auf die Liste der besten Actionfilme, im Gegensatz zu vielen dort auch mit einer klaren politischen Aussage.

Heutzutage ist der Film übrigens deutlich weniger eine Dystopie als 2006 mit den Flüchtlingslagern an den europäischen Grenzen oder in den USA. Insbesondere vor dem Hintergrund der dort stattfindenden, ungeahndeten Folter und Gewalt.

Fazit: auf jeden Fall ansehen, allerdings brutal in Bildern und Aussage.

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Kino Kritik

Kritik: Parasite (2019)

Parasite – ja, war bei den Oscars, hat tolle Bewertungen bekommen, aber: ein koreanischer Film, bei dem eine Famile langsam in das Haus einer anderen Familie einzieht wie der titelgebende Parasit (auch im Original: Gisaengchung) – das hört sich wie ein Film an, zu dem man in richtiger Stimmung sein muss, eher so eine Art anstrengendes Psychodrama.

Daher haben wir den Film erst jetzt nachgeholt – und er war anders als erwartet. Zum einen erzählt er eine abgefahrene, extrem unglaubwürdige Geschichte (Farce?) mit einer Selbstverständlichkeit, die bewundernswert und sehr interessant ist.

Zum anderen ist die Familie nach einer Dreiviertelstunde im Haus eingezogen – also bleiben noch anderthalb Stunden übrig – was sollte da noch kommen?

So einiges. Bong Joon Ho hat einige unglaublich gute Ideen in petto, die dem Film mehrfach einfach so andere Wendungen geben, das alles ist spannend, gut und, wenn nötig, auch sehr hart erzählt. Oft kann man gar nicht glauben, was man da sieht – beginnt schon beim Zeitlupen-Pinkler-mit-Wasser-überschütten.

Mehr wird von der Geschichte nicht verraten, denn sie ist wirklich gut, überraschend und unratbar. Wann hat man das schon mal.

Im Endeffekt ist die Geschichte, obwohl wie ein Märchen erzählt, sehr hart, manchmal brutal, und immer interessant und spannend.

Fazit: sehr, sehr guter Film, der seinen Hype rechtfertigt.

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Fernsehen Kritik

TV-Kritik: Castle (2009-2016)

Apropos Nathan Fillion und Serien, die durchaus früher hätten enden sollen: Castle.

Eine sehr gute Cop-Buddy-Serie, bei der die Buddys Richard Castle und Kate Beckett (Stana Katic) sind. Castle ist ein reicher Schriftsteller, der für ein Buch bei der Polizei recherchieren will und über Beziehungen an Beckett kommt, die mit dem Schnösel nichts zu tun haben will.

Beide kabbeln miteinander, Castle ist hilfreich beim Fälle lösen, Verliebtheit – das Übliche.

Die ersten zwei, drei, vier Staffeln ist das sehr gut erzählt, die Balance zwischen Fall der Woche und übergreifender Geschichte ist gewahrt, die Figuren sind sehr gut besetzt und harmonieren sehr gut – allen voran Fillion und Katic. Aber auch Familie Castle (Alexis und Martha) und die Cops Javi und Ryan sind sehr gut besetzt und haben ordentliche Rollen. Die Erzählweise ist locker und leicht, unabhängig von der Schwere des Falls.

Es gibt durchaus Aussetzer, insbesondere zu den Enden jeder Staffel, bei denen mit Gewalt ein Cliffhanger gefunden werden musste, aber das ist die Ausnahme.

Leider gehen der Serie ab der vierten, fünften Staffel langsam die Ideen aus und statt einfach locker weiterzumachen oder eine Hochzeit zu veranstalten und dann zu schauen, wohin das geht, wird der Hai mehrmals übersprungen: die Geschichten werden extrem unglaubwürdig. Die Gags sind nur noch Selbstzweck. Die Figuren werden mit Bedeutung aufgeladen und überfrachtet. Es wird eine übergreifende Geschichte gesucht, die jeweils zum Staffelende und -anfang wichtig ist, extrem brutal ist und dabei noch nicht einmal gut.

Das soll nicht heißen, dass nicht einige Folgen noch gut sind oder die Charaktere nicht mehr sympathisch, aber man wünscht ihnen (und uns) bessere Geschichten, mehr Lockerheit, mehr Castle.

Es ist einfach schade um die gute Serie.

Wir haben die Serie bis zum Ende durchgehalten, aber es war nicht leicht. Leider ein Beispiel dafür, dass man eine Serie entweder früher beenden soll oder nicht vergessen, womit die Serie groß und erfolgreich geworden ist.

Fazit: die ersten Staffeln sind sehr, sehr gut, leider schwächelt die Serie immer mehr.

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Fernsehen Kritik

TV-Kritik: Firefly (2002)

Wie gestern gesagt: Firefly ist die Serie zu Serenity, eine Weltraumserie geschrieben und produziert von Joss Whedon (der Buffy-Whedon).

Eine Serie, die nur eine Staffel hatte, bevor sie wegen zu geringer Quoten abgesetzt wurde. Eine Serie, die eine unglaublich starke Anhängerschaft hatte, die sich redlich um weitere Staffeln bemühten. Eine Serie, die vom produzierenden Sender (Fox) so torpediert wurde (falsche Sendereihenfolge, falsche Sendeplätze, falsche Werbung), dass sie schließlich „floppte“.

Eine Serie, die unglaublich gut ist. Wir sehen einen Western im Weltraum mit Mal (Nathan Fillion) in der Hauptrolle – was für ein sympathischer Mensch – der sich mit der Serenity durchwurschtelt mit Schmuggel, Handel und sonstigem Kleinkriminellenkram. Aber mit Herz. Die Crew – Zoe, Wash, Inara, Jayne und Kaylee – wächst einem sofort ans Herz, die Episoden stellen immer eine andere Figur näher vor aber im Rahmen eines interessanten Plots und nicht nach dem Motto „heute ist Kaylee dran“.

Drama bekommt die Serie durch River und Simon, die auf der Flucht vor der Allianz ist – und wir wissen nicht, warum, was es genau mit ihr auf sich hat, ob sie gefährlich ist oder nicht – das erfahren wir im Lauf der Serie auch leider nicht ganz, das Ende erzählt dann der Film, aber wie gestern schon gesagt: da ist vieles nicht auserzählt, zwei, drei Staffeln mehr wären hier nicht zu viel gewesen.

Die einzelnen Geschichten sind sehr gut erzählt, knackig, unterhaltsam, humorvoll aber auch hart, wo es nötig ist. Die Tricks sind ordentlich.

Leider war nach einer Staffel Schluss und hier wünscht man sich wirklich mehr, selten ist so ein stimmiges Ensemble versammelt worde mit tollen Drehbüchern und guter Regie.

Andererseits: so hatten sie nie die Gelegenheit, zu versanden oder zu schwächeln (um es positiv zu sehen).

Diese Serie ist ein ganz klarer Sehbefehl (und von überschaubarem Ausmaß).

Fazit: eine der besten Science-Fiction– und Westernserien ever.

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Kino Kritik

Kritik: Serenity (2005)

Auf einer Games Convention (2004?) war eine Schlange an einer Vorführung von Serenity, einem Film nach einer Serie von Joss Whedon mit Nathan Fillion, das alles sagte mir gar nix, aber wenn man schon mal auf der Games Convention irgendwo reinkommt, nimmt man das auch mit.

Gezeigt wurde die Kampfszene von River (Summer Glau) in der Bar und die war wirklich gut, klar, dass ich mir den Film dazu ansehen würde.

Gesagt, getan, ohne Vorwissen um Firefly hab ich mir den Film angesehen und: ok, ich konnte der Handlung folgen (so komplex ist die auch nicht), was das aber genau bedeutet, wer die Figuren sind etc., das wurde nur angedeutet und so sah ich einen sehr guten Science-Fiction-Film mit interessanten Charakteren.

Im Endeffekt versucht der Film, das Geheimnis um River aufzuklären, dabei fliegen wir mit der Serenity auf Miranda, wo die Bevölkerung aufgrund einer experimentellen Droge gestorben ist, was vertuscht werden soll. Hin und zurück müssen Reaver bekämpft werden, was nicht alle überleben.

Nathan Fillion ist die ganze Zeit unser charismatischer Buddy.

Wie gesagt, der Film ist gut, die Geschichte ist etwas dünn, aber wohl der einzige Weg für Whedon, seine Geschichte von Firefly abzuschließen, man merkt deutlich, dass da ein riesiges Universum an Ideen in einen Film gepresst wurde.

Wenn man die Serie dazu gesehen hat (bevorzugt vorher) bekommt die Geschichte zusätzliche Tiefe und man hängt deutlich mehr an den Charakteren.

So kann ich den Film als Solofilm empfehlen oder bevorzugt in Kombination mit der Serie.

Fazit: sehr guter Film, leider nicht so brilliant wie die Serie.

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Kino Kritik

Kritik: Spider-Man 3 (2007)

Spider-Man 3 – was für eine Scheiße.

Offensichtlich ist Spider-Man jegliche Freude untersagt, der Sandman ist die Verkörperung von Langeweile und Venom ist so richtig doof. Mary Jane ist nur da.

Spider-Man 3 ist so schlecht, dass ich lange überlegte, ob ich mir Ash vs. Evil ansehen sollte aus Angst, dass Raimi sein Mojo verloren hat (hat er nicht).

Nein, dieser Film ist extrem langweilig, überhaupt nicht spannend und ich hab allen Charakteren durch die Bank weg den Tod gewünscht, nur damit der Film endet. Und er geht 2:20 Stunden!

Argh. Selten so enttäuscht aus dem Kino gegangen.

Fazit: laaaaaaaaaaaangweilig.

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Kino Kritik

Kritik: Spider-Man 2 (2004)

Spider-Man 2 – der Nachfolger des ordentlichen, wenngleich etwas zähen ersten Teils der Raimi-Trilogie.

Oh je, es wird zäher. Alle sind unglücklich: Spidey über sich selbst, Mary Jane, weil Peter ein Idiot ist, Harry, weil sein Vater tot ist und Doc Ock sowieso.

Und das wird ausführlichst erzählt. OK, ab und an etwas Action aber dann wieder endloses Traurigsein.

Boah.

Spidey – das ist Schnelligkeit, coole Sprüche, Welt retten.

Spider-Man 2 ist Existenzkrise aller Personen.

Fazit: nicht meins, ich hatte einen lustigen Actionfilm erwartet.

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Bücher Kritik

Buchkritik: Der Schrecksenmeister (2007)

Der Schrecksenmeister – nach der Stadt der Träumenden Bücher geschrieben, diesmal eine eher lokale Geschichte aus Zamonien, dennoch sehr gut und wieder einmal sehr einfallsreich.

Echo, das Krätzchen, lässt sich vom Schrecksenmeister durchfüttern, um nicht zu Verhungern. Dafür darf ihn der Schrecksenmeister beim nächsten Vollmond schlachten, um sein Kratzenfett auszukochen.

Wer denkt sich denn sowas aus? Und machte eine spannende, interessante Geschichte draus? Echo lernt das Haus kennen, den Ort und sinnt natürlich drauf, dem Tod zu entkommen. Der Schrecksenmeister ist zuvorkommend, kocht unglaublich gut und verwöhnt Echo, es ist jedoch klar, dass er ihn töten wird.

Man fiebert tatsächlich mit, denn es ist Moers: da kann man sich nicht sicher sein, ob es ein Happy End für Echo oder den Schrecksenmeister geben wird.

Hier ist Moers mal wieder in Höchstform: er erzählt bildlich, mitreissend, mit viel Wärme und viel Humor.

Fazit: Leseempfehlung, denn das ist ein richtig gutes Buch.

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Bücher Kritik

Buchkritik: Rumo & Die Wunder im Dunkeln (2003)

Rumo & Die Wunder im Dunkeln – Moers macht sich in Zamonien breit und erweitert seine Welt.

Rumo, der kleine Wolpertinger wird erst von Teufelszyklopen entführt, lernt sprechen, lesen und kämpfen, reist dann in die Stadt der Wolpertinger, wo er am Ende des silbernen Bandes Rala trifft, seine große Liebe. Diese muss noch aus der Unterwelt befreit werden vor dem großen Happy End. (stark verkürzte Darstellung)

„Rumo“ ist ein schönes Buch. Moers erzählt die Geschichte einer großen Liebe, schafft es, Drama einfließen zu lassen und die Welt Zamonien wieder zu erweitern, ohne dass es aufgesetzt oder bemüht wirkt.

Dabei hilft Rumo gewaltig, denn er ist ein sehr sympathischer Wolpertinger und mit ihm entdecken wir seine Fähigkeiten und die Möglichkeit, diese einzusetzen.

Moers greift sehr klassische Themen auf: Unterwelt, Zyklopen, die große Liebe die erst nach Gefahren eingestanden werden kann.

Fazit: Rumo kann ich nur empfehlen, eine sehr schöne, wieder einmal fantasievolle Geschichte.

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Bücher Kritik

Buchkritik: Ensel und Krete (2000)

Ensel und Krete – Moers legt ein Jahr später seine nächste Zamoniengeschichte vor und erfindet Hildegunst von Mythenmetz.

Was für ein Geniestreich.

Die Geschichte selbst ist eigentlich „nur“ ordentlich gelungen, eine Hänsel- und Gretel-Adaption mit einem grusligen Wald, dem Laubwolf, Sternenstauner und dem richtig gut gelungenen Stollentroll (der ist wirklich gut) – an der Fantasie Moers‘ gibt es nichts auszusetzen.

Im Gegensatz zu den 13½ Leben fällt sie halt ein wenig ab, weil sie „nur“ gut ist.

Aber Mythenmetz. Was für eine geniale Figur, hier fühlte ich mich an die alten Moers-Comics erinnert, in denen er sich selbst darstellt in seiner Manie, den Schreibpausen, dem zynischen Humor – das ist einfach große Kunst. Einfach mal die Mythenmetzsche Abschweifung erfinden und zur Autorenschelte nutzen.

Ich wiederhole mich: genial.

Fazit: Gute Geschichte, Mythenmetz als unübertroffenes Highlight.