Opfergabe für Poseidon

Poseidon ist der griechische Gott des Meeres und wenn man an einem solchen verweilt, sollte man möglichst ein Opfer darbringen für schönes Wetter, gute Wellen, wenig Erdbeben etc.

Also in die Wikipedia geschaut, wie ein solches Opfer zu vollbringen ist: Poseidon mochte Pferde, daher war es üblich, ihm Pferde oder Kampfwagen zu opfern. Ein Pferd hatten wir nicht bei uns, also haben wir der Nordsee eine Sonnenbrille übergeben. Erst später fiel uns auf, dass es der letzte Urlaubstag war und uns das Opfer so nicht mehr viel nützt. Also geht entweder gutes Meer in den nächsten zwei Wochen (es war eine teure Sonnenbrille) auf uns oder wir haben beim nächsten Meeresbesuch was gut. Keine Ahnung, wie so etwas läuft, die Aufzeichnungen dazu sind auch nicht so genau.

Poseidon war Zeus so gut wie gleichgestellt, sowohl in Rang, in Fähigkeiten und in sexueller Aktivität. Die englische Wikipedia hat eine ausgiebige Liste von Liebhaberinnen und Liebhabern mit den zugehörigen Nachkommen (so welche entstanden).

So zeugte er Orion mit Euryale. Medusa wurde von Poseidon in einem Athena-Tempel vergewaltigt, woraufhin Athena Medusa in ein Monster verwandelte (WTF)? Aus dieser Vergewaltigung entstanden Chrysaor und Pegasus, die aber erst aus Medusas Hals sprangen, als sie von Perseus enthauptet wurde. Apropos Vergewaltigung: Caeneus entkam Poseidon auch nicht, er verwandelte sie aber (auf ihren Wunsch, ja ja) in einen männlichen Krieger.

Da waren nicht viele Frauen an der Sagenbildung beteiligt, würde ich sagen. Interessant ist dabei auch, wie die Sagen langsam an die sich ändernden Moralvorstellungen angepasst wurden.

Rudi Carrell

Rudi Carrell stammt aus Alkmaar und in Nachhinein betrachtet ist es erstaunlich, wie stark mein Fernsehkonsum und insbesondere mein Bild der Holländer von ihm geprägt waren. Die Holländer, das sind die lustigen Leute, immer ein Scherz, komische Sprache.

Was mir von ihm in Erinnerung ist: „Am laufenden Band“, „Lass Dich überraschen“, „Die verflixte 7“, „Herzblatt“. Dabei haben mir seine Spätwerke meist nicht zugesagt, „7 Tage, 7 Köpfe“ z.B. war nicht meins. Dafür „Rudis Tagesschow“. Wenn man seine Biographie durchliest ist erstaunlich, wie früh und zielstrebig er arbeitete und sich durchsetzte.

Leider steht im Wikipedia-Artikel zu Alkmaar noch, dass seine Büste an dem nach ihm benannten Platz steht, was nicht mehr stimmt, wie man im Artikel zu Carrell selbst lesen kann. Das ist mir aber erst nach unserem Besuch dort aufgefallen, so dass wir die Büste nicht gesehen haben. Schade. Aufgabe für mich nach dem Urlaub: Versuchen, den Alkmaar-Artikel anzupassen. Ich wette, das gelingt mir nicht. Wir werden sehen…

Der späteste Sonnenuntergang ist übrigens erst am 25. Juni.

Flutkatastrophe von 1953

Am 31. Januar und 1. Februar 1953 gab es eine Flutkatastrophe in Großbritannien, Belgien und Holland. Deutschland war nur mäßig betroffen, da sich dort der verursachende Orkan bereits abgeschwächt hatte. Dieser sorgte dafür, dass die sowieso schon hohe Springflut nicht mehr abfließen konnte, es also keine Ebbe gab, da der Wind das Wasser vom Meer ins Land trieb. Dadurch wurden die Deiche unterspült und auch sonst besonder beansprucht. Die Situation wurde sowieso meteorologisch unterschätzt, außerdem traf sie auf Deiche, die aufgrund des Weltkriegs und politischer Entscheidungen beschädigt oder unzureichend gewartet waren. Es brachen hunderte Deiche, die Küstenlinien wurden auf mehr als tausend Kilometer zerstört, die Deiche ebenfalls. Tausende Menschen starben oder wurden obdachlos.

Immerhin wurde danach die dringend benötigte Sanierung und Neugestaltung der Deiche aufgenommen.

Und ich habe gelernt, was eine Springflut ist (größere Flut, die auftritt, wenn Erde, Mond und Sonne in einer Linie stehen) und dass diese auch verzögert auftreten kann. Außerdem habe ich mir durchgelesen, was Calvinismus ist, eine Religion(sauslegung), deren Details ich aber direkt nach dem Lesen schon wieder vergessen habe. Hörte sich schrecklich gleichgültig machend an. Und ich bin froh, dass ich in einer Zeit lebe, in der solche meteorologischen Konstellationen und ihre Auswirkungen sehr genau vorhergesagt werden können.

Wenn ich jetzt noch in einer Zeit leben würde, in der der Klimawandel ernstgenommen wird, damit nicht die Flutkatastrophe von 2025 oder 2035 oder … eintritt und die Kosten für die Bewältigung des Ganzen monetär und gesellschaftlich noch im Rahmen bleiben…

Deiche und Dämme

Es gibt einen Unterschied zwischen Deichen und Dämmen: Deiche stauen Wasser temporär als Gefahrenabwehr, insbesondere zur Hochwasserabwehr. Dämme dagegen stauen dauerhaft ein, z.B. bei Talsperren oder Kanälen. So gesehen ist der Afsluitdijk entgegen seines Namens ein Damm, der das Meer vom IJsselmeer trennt. „Meer“ bezeichnet im Holländischen übrigens einen See, im Gegensatz zu „Zee“, das ein Meer ist. So hieß das IJseelmeer vor dem Afsluitdijk Zuiderzee und wurde nach der Trennung umbenannt und außerdem zum Süßwassersee.

Davon abgesehen ist es eine beeindruckende Sache, einfach so mal ein Meer zu teilen.

Ansonsten sind wir heute an den Orten „Sexbierum“, „Snakkerburen“, „Lekkum“ und „Anna Paulowna“ vorbeigekommen und ich bin sehr einfach zu erheitern.

Betrachtungen

Eine leere Gaststätte, bei der man beim Eintreten gefragt wird, ob man reserviert hat, weil so viel los ist – das ist seltsam.

Viel von meinem Wohlfühlen auf einer Rennstrecke hängt von der Menge und Qualität der Toiletten ab.

Fotoapparat um den Hals und Tourigesicht aufsetzen erspart das lästige In-der-Heimatsprache-reden, es führt zur sofortigen Kommunikation auf Englisch.

„Englisch“ heißt hier „Engels“.

An einer Kreuzung hatten die Fahrräder nach jeder Ampelphase einmal Rundumgrün. Sehr angenehm.

Autofokus

Bei der MotoGP kann man ausprobieren, was der Autofokus des Fotoapparats so leistet. Meiner schafft es, auch bei wilder Bewegung das Motiv stabil und scharf zu erfassen.

Leider denkt der Apparat, das Motiv ist das 100m-Schild oder wahlweise die Werbebande.

Das Display am Apparat ist zu klein und in der Sonne zu schwer abzulesen, um das gleich vor Ort zu erfassen, merkt man also erst abends bei der Bilderbeschau. 700 Fotos später (gestern, heute 900), von denen 600 nicht scharf sind (außer das Schild oder die Werbung).

Sonst ist die Sony alpha 6000 aber ein sehr guter Fotoapparat für den verwöhnten Hobbyfotografen. Einzig störend bisher ist die umständliche Art, den Autofokus ab- und den manuellen Fokus einzuschalten. Ach ja, es gibt auch kein Geotagging, weiß aber nicht, ob ich mir das bezüglich der Akkulaufzeit wirklich wünsche.

Assen

Die „Kathedrale der Geschwindigkeit“, warum auch immer. Etwas schwierig war es, den Weg zum Parkplatz zu finden, da die Ausschilderungen sehr seltsam waren und uns 20 km Umweg abgenötigt haben.

Die Rennstrecke von Assen ist ok, alles vernünftig gebaut, es wurde an Toiletten gedacht (was die Leute nicht davon abhält, in der Gegend rumzupinkeln), die kosteten aber Eintritt, das erwarte ich schon im Eintrittspreis, der nicht gerade billig ist, abgehandelt zu haben. Ach ja, ich hab den Ratburger von Cut-Me-Own-Throat Dibbler (für unsere deutschen Leserinnen: Treibe-mich-selbst-in-den-Ruin Schnapper) zu essen bekommen. Ich lebe noch.

Sei es drum, man kann um die Strecke laufen, die Blickwinkel sind interessant, die Gegengerade ist beeindruckend schnell und dynamisch mit einer leichten Rechtskurve am Ende.

In der Nähe sind Hünengräber, auch interessant und ein sehr guter Eisladen in Borger.

Auch in Holland gibt es ausreichend Autoidioten, die eine halbe Stunde lang den Weg zum McD mit Vollgas und durchdrehenden Reifen befahren. Haben wir Deutschen nicht für uns allein, die Dummheit.

Kasteel de Haar

Kasteel de Haar – kitschige Angeberburg im Wassergraben, es hat bei mir gewirkt. Hat mir wirklich gut gefallen, auch die Blumen überall, Backsteinromantik, drinnen fein ausgestaltet – Hach.

OK, die Glorifizierung des Kolonialismus war ein bisschen zu viel, auch der abgeschnittene Elefantenfuß oder das Krokodilbarometer.

Aber sonst – nur her mit dem Kitsch. Da passte dann auch das Rehrudel mit Flitzebambis gut rein. Hat sich gelohnt.

Ach ja, wenn man keinen Fernseher hat und in Holland beim ZDF Fußball-WM sehen will, merkt man, dass es noch Geoblocking gibt. Was ’ne Scheiße.

Utrecht

Utrecht, Oh Stadt des Nepps.

88 € für ein Hotelzimmer ohne Fenster und dann noch gesagt kriegen, dass das halt das billige ist, wegen des fehlenden Fensters.

Der Stadtführer sagte, es sei schwer, sich nicht in Dich zu verlieben – na ja, es ist uns gut gelungen.

Zugegeben, nach der ersten Enttäuschung und dem stundenlangen Rumirren durch die Stadt wegen der Bauarbeiten und den geschlossenen Sehenswürdigkeiten war es dann bei Guy sehr gut und die alte Gracht mit ihren Hipstern macht auch was her. Liebe ist es dennoch nicht…

Kinderdijk ist toll.

Rotterdam im Dies

Oh Rotterdam, Du diesige Stadt, die bei Wärme wenig Luft hereinlässt, wenn man sich nicht gerade am Hafenbecken befindet. Der Dies steht über Dir wie eine Glucke über ihren Küken und entlässt den Beobachter mit Blicken, die nicht in die Ferne, sondern in die Nähe schweifen.

Dafür gibt es tolles Eis, neppige Tapas-Bars und ein annehmbares Stadion mit einem wenig begeisterungsfähigen Publikum, das noch während der Show zur Ordnung gerufen werden muss, damit Privatgespräche eingestellt werden.

Die Radinfrastruktur ist besser hier, aber auch viele aufgemalte Linien und eng überholende Autos – da ist auch nicht alles Gold.

Sonst sehr schön.