Ja, wir sind Leute ohne Rückgrat, denn obwohl Rammstein es dieses Jahr besonders schwer gemacht haben, an Karten zu kommen, sind wir eingeknickt und haben uns an dem Theater beteiligt. Wir waren diejenigen, die mit Besonnenheit gewartet hatten. Dafür durften wir dann als Belohnung nicht nur die neue CD kaufen, sondern auch bei tiefen Minusgraden zum Velodrom laufen und uns in stickige, verqualmte Luft zusammen mit besoffenen Leuten stellen.

Die Vorband fing pünktlich um acht an, Combichrist aus Norwegen, sehr interessant. Hardcore Industrial, gespielt von unglaublich tätowierten Männern auf Keyboard, zwei Schlagzeugen und Stimme. Der Keyboarder sah so aus, wie man sich Norweger in Fantasyfilmen vorstellt. Die Band spielte eine gute halbe Stunde, das letzte Lied mit Hilfe von Schneider, Paul und Richard. Das war auch der Zeitpunkt, an dem klar wurde, dass die bisherigen Lieder durch Gitarren gewonnen hätten. Aber insgesamt eine gute Einstimmung.

Danach kurzes Warten auf den Umbau, ab neun war Rammstein geplant. Ich hatte das Pech, vor einem ausnehmend dummen Menschen zu stehen, der die ganze Wartezeit rumblökte und wirres Zeug redete. Beispiel? „Bananenkuchen“ mehrfach und laut intoniert. WTF?

Zum Glück waren Rammstein laut genug, um das Blöken zu übertönen, im Verlauf des Konzerts verschwand der Kerl auch langsam. Leider nicht die langen Leute vor uns, selten hatte ich solche Sichtschwierigkeiten bei einem Konzert.

Den Anfang machte das Rammlied, Paul und Richard brachen mit Spitzhacke und Gitarre aus Kästen aus, Till mit einem Schweißgerät und leuchtendem Mund – interessanter Effekt. Vom Aussehen her nichts übermäßig außergewöhnliches, da hatten sie schon spacigere Kostüme an, aber gut passend zur außergewöhnlich guten Bühnendekoration. Alles beweglich, erst eine enge Bühne, dann wurde sie erweitert, Industrielook, gutes Licht, gute Show.

Ich hatte den Eindruck, dass die Pyro etwas heruntergefahren wurde, weniger Masse, mehr Klasse, dafür einige tolle Effekte. Beeindruckend, was man beispielsweise mit Rauch anstellen kann, der konnte sogar nach unten zurückfließen. Die Lieder wurden gewohnt gut vorgetragen, sehr viele Lieder der neuen LP, auch einige, die nicht zu meinen Favoriten gehören. Auffällig war, dass Till nach schwierigem Beginn sehr gut sang, so gut habe ich ihn noch nie gehört, da wurde wohl etliche Zeit in Gesangsunterricht investiert. Hat sich ausgezahlt. So wurde auch „Frühling in Paris“ live zu einem guten Lied. Oliver Riedel kniend mit Akustikgitarre hat auch was. Flake ärgerte Till traditionsgemäß, durfte dafür auch die besten Kostüme anziehen, auf einem Laufband spielen und mit dem Schlauchboot über die Menge fahren.

Kleine Anmerkungen: alle sind unglaublich cool, aber Paul schießt den Vogel ab, wenn er ruhigen Gesichts die heftigsten Riffs spielt. Aber auch Oliver Riedel kniend am Bass – eine Augenweide.

Schlecht passte die zensierte Version von „Ich tu‘ Dir weh“, klang mit geändertem Text einfach blöd. Danke BPJM.

Störend: die obligatorische Tschüß-Pause vor der Zugabe, so ein Unsinn. Sagt einfach „Umbaupause“ und gut ist. Wer fällt denn auf diesen Zugaben-Unsinn rein. Auch störend: das Gerauche. Nach jedem Konzert erst einmal duschen und Sachen waschen – Mist. Und ebenfalls störend: nach dem Konzert von blöden (ja, wirklich blöden) Securitytypen verhöhnt aus der Halle geschmissen werden. Und vom Besoffenen an der Garderobe angerempelt zu werden.

Aber insgesamt ein gelungener Abend. Niveau gehalten, das ist doch was.

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