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Kino Kritik

Kritik: Tomorrow Never Dies

Tomorrow Never Dies (dt. James Bond 007 – Der Morgen stirbt nie) ist der achtzehnte James-Bond-Film (Metakritik zur Bond-Reihe).

Der deutsche Titel ist nicht falsch, bringt aber auch nicht die Doppeldeutigkeit des englischen Titels rüber: Tomorrow ist auch der Name der Zeitung, um die es geht. Schwierig, da einen guten Titel zu finden.

Bond tritt gegen den Medienmodul Jonathan Pryce an und im Zuge der Annäherung an den Osten, arbeitet er mit der Agentin Michelle Yeoh zusammen, die sogar kompetent sein darf (im Rahmen dessen, dass sie natürlich trotzdem von Bond gerettet werden muss).

An sich ist die Geschichte gar nicht so schlecht: ein Medienmogul will seine Macht ausnutzen, um durch einen Krieg zum mächtigsten Mann der Welt aufzusteigen. Ist ja nicht ganz so weit hergeholt aus heutiger Sicht. Skrupellose Zeitungsmacher haben wir sogar in Deutschland, zum Glück mit weniger Macht, als sie denken.

Wir beginnen an der russischen Grenze, an der Bond einen Waffenbasar infiltrieren soll, die Royal Navy verhält sich Inkompetent und feuert eine Rakete auf den Basar, also muss Bond erst mal alles vorzerstören, bevor er mit einem Flugzeug gerade so entkommen kann, bevor die Rakete alles richtig zerstört. Klischeehaft. Unglaubwürdig. Blöd. (in den 70ern hätte ich mir für so eine Szene die Haare vor Freude rausgerissen, aber in den 90ern…)

Brosnan und Yeoh müssen die Kriegshandlung verschiedener Schiffe aufklären, die Pryce durchgeführt und durch ein gefälschtes GPS-Signal versteckt hat. Sie treffen auf einer Pressekonferenz von Pryce zusammen, die Gelegenheit nutzt Bond, um mit Pryces Frau Teri Hatcher (sie sind echt) Sex zu haben, was für sie tödlich ist. Bond infiltriert eine Papierfabrik, um den GPS-Encoder zu suchen, alle dort sind schwerbewaffnet, können schießen aber mit tausenden Kugeln nicht treffen, Bond entkommt. Auch im Hotel (Hatcher tot auf dem Bett, Bond traurig) entkommt Bond, indem er den Mörder auf unglaubwürdige Weise (Ericsson-Handy mit Stromstoß) ausschaltet.

Unglaubwürdig geht es weiter, wenn Bond mit Hilfe eines ferngesteuerten (Ericsson-Handy) BMW aus dem Parkhaus entkommt und den BMW ins gegenüberliegende Haus springen lässt.

Szenewechsel Südchina und Vietnam: Bond und Yeoh (die bisher ganz gut allein zurecht gekommen ist) werden am Wrack des Schiffes mit der fehlenden Cruise Missile gefangengenommen und müssen den Schergen Pryces entkommen mit einer BMW-Verfolgungsjagd und Helikopter, die mit „unglaubwürdig“ zu leicht bewertet würde. Sie ist einfach blödsinnig.

Beide entdecken Pryces Stealth-Schiff, machen es mit Handgranaten sichtbar und lassen es beschießen. Bond muss erst Pryce mit einem Bohrertorpedo töten und danach Yeoh retten, da sie Spontaninkompetenz entwickelt hat. Abschlusskampf dazu mit Götz Otto, der einen guten Handlanger abgibt.

Abschluss mit Michelle Yeoh.

Ich weiß, von mir klingt das doof, aber: zu viel Action. Unglaubwürdige Action. Blöde Action. Dann lasst es sein und macht was Schöneres: glaubwürdige Geschichte. Interessante Dialoge. Angenehme Szenen zwischen den Hauptdarstellern. Oder so was.

Dazu sind die meisten Szenen komplett unlogisch auch im Rahmen des Films. Was die Bösen an Fehlern machen, es geht auf keine Kuhhaut.

Alle Szenen sind typische Bondszenen mit der Intention, sie noch größer, besser, spektakulärer zu machen. Das ist ein Abhaken von Bond-Momenten ohne Zusammenhalt.

Dazu wieder mal Humor von der schenkelklopfenden Art.

You always were a cunning linguist, James.

Igitt. Aber auch Humor von der guten Art:

With all due respect, M, sometimes I don’t think you have the balls for this job.
M: Perhaps. But the advantage is, I don’t have to think with them all the time.

Leider deutlich mehr von der ersten Sorte.

Die Schauspieler sind gut, da gibt es nichts zu meckern. Götz Otto ist stark.

Michelle Yeoh ist cool und kann was. Leider muss sie Bond girl sein.

Gerard Butler spielt mit (Nebenrolle ohne Text).

Das Titellied ist gut.

Fazit: schwacher Bond, alles so larifari, by the numbers und unglaubwürdig.

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Kino Kritik

Kritik: GoldenEye

GoldenEye (dt. James Bond 007 – Goldeneye) ist der siebzehnte James-Bond-Film (Metakritik zur Bond-Reihe).

Was hab ich mich auf den Film gefreut.

Erstens Pierce Brosnan als Bond, den ich (nach Connery) als Idealbesetzung der Figur betrachte (nächster in der Liste: Idris Elba). Leider etwas spät (mit 42) in die Serie gekommen, vorher gab es Probleme mit Remington Steele. Dennoch halte ich ihn für ausgezeichnet besetzt, gegen Ende allerdings zu alt (wie so viele seiner Vorgänger und leider mittlerweile auch Daniel Craig).

Zweitens Judi Dench als M, sie ist einfach eine sehr, sehr gute Schauspielerin.

Drittens mein erster Bond im Kino.

Viertens lag die goldene Ära der 80er-Action hinter uns und die 90er starteten bereits mit Filmen wie Terminator 2 oder Speed, zeigten also, wohin sich Action bewegen kann.

Fünftens hatten die Macher sechs Jahre Zeit nach dem letzten Bond, sich etwas Besonderes auszudenken.

Und was für eine Graupe wurde da serviert. Selbst ’95, in meiner unreflektierten Alles-im-Kino-ist-toll-Zeit fand ich den Film schon nicht gut. Jetzt finde ich ihn richtig schlecht.

Dabei fängt der Film gut an.

Wir beginnen in einer Chemiefabrik, die 006 und 007 infiltrieren sollen, das geht schief und 006 wird hingerichtet. Bond kann entkommen.

Etliche Jahre später versucht Bond, Xenia Onatopp (Famke Janssen), die einen beeindruckenden Einstieg mit einer interessanten Sexszene hat, daran zu hindern, einen EMP-robusten Tiger-Hubschrauber zu stehlen. Er schafft das nicht, Onatopp und der Böse (Gottfried John) entkommen und stehlen mit Hilfe des Wunderhubschraubers das Bedienelement für das Satelliten-Waffensystem „GoldenEye“, das mit EMP arbeitet, aus dem Forschungszentrum in Sibirien, in dem unser Bondgirl Natalja mit einem so richtig nervigen Computertechniker zusammenarbeitet, dem wir den Tod zu Recht wünschen, leider dauert es bis dahin sehr lang. Die Spuren des Diebstahls werden durch einen EMP getilgt.

Das MI6 sieht bei dem Diebstahl per Satellit zu und sieht, dass die Frau entkommt. Die Russen kriegen das nicht mit. Also muss Bond die Frau finden und für seine und die Zwecke des MI6 nutzen.

Bis hier ok. Aber jetzt.

Bond reist nach St. Petersburg, wo er sich genau mit der maßgebenden Organisation Janus trifft, deren Anführer 006 ist, der sich am Empire rächen will, weil seine Eltern nach dem Zweiten Weltkrieg Stalin übergeben wurden. Natürlich ist auch Natalja genau hier in St. Petersburg gelandet, Bond wird betäubt und mit ihr in den geklauten Hubschrauber gesperrt, um dort zu sterben (direkt umbringen ist zu einfach). Die beiden können entkommen und werden von den Russen verhaftet und vom Verteidigungsminister verhört. Der Böse erschießt den Verteidigungsminister mit Bonds Waffe. Bond flieht ohne Natalja.

Ja, es wird undurchsichtiger und die Action ist schwächer geworden.

Der Böse flieht mit Natalja zu einem Raketentransportzug. Bond verfolgt beide mit einem Panzer quer durch St. Petersburg, wo er auf lustige Art mehrere Häuser abreißt, die Polizei foppt und dann den Raketenzug entgleisen lässt. Das Ganze dauert gefühlt eine halbe Stunde und ist so blöd, dass ich es kaum glauben konnte. Das sind Rückfälle in tiefste Moore-Humorzeiten.

Ab hier war der Film schon beim ersten Sehen für mich durch, ich war einfach so maßlos enttäuscht.

Irgendwie muss Bond im Rest des Films den Bösen töten, Xenia sehr würdelos töten, Kugeln durch Ducken oder Hinter-Metallgeländer-Verstecken ausweichen, eine Satellitenschüssel erklimmen und dort den eigentlichen Bösen, 006 töten. Das alles zieht sich, die Action dauert ewig, ist komplett unlogisch, albern und klischeehaft. Der Showdown in der Satellitenschüssel dauert wieder eine halbe Stunde ohne irgendwie fesselnd zu sein. Am Ende muss noch der Nerd dran glauben.

Der Film ist ein großes Ärgernis. Wir sind in den 90ern. All die Klischees und Action aus den 70ern wurde eigentlich schon abgelegt, hier feiert sie eine Renaissance.

Ist das schlecht. Ich war auch deswegen so enttäuscht, weil ich mir viel erwartet hatte. Alle Schauspieler machen ihre Sache gut, Brosnan ist Bond und alle müssen gegen ein so schlechtes Drehbuch und so eine miserable Inszenierung anspielen.

Wenn ich nur an die Panzerszene denke rege ich mich auf. Sprecht mich mal drauf an.

Leider wurden die Nachfolger nicht besser, im Gegenteil, das war Brosnans bester Bond.

Zum ersten Mal hatte ich den Eindruck, dass das Merchandising nur als Selbstzweck auftrat und nur in den Film integriert wurde, weil es da war. Kann aber auch sein, dass das vorher schon so war und mir hier erstmalig richtig auffiel.

Das Titellied ist sehr gut.

Der Bungeesprung am Staudamm ist beeindruckend.

Fazit: richtig schlechter Bond trotz guten Anfangs.