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Kino Kritik

Kritik: Quantum of Solace

Quantum of Solace (dt. James Bond 007: Ein Quantum Trost) ist der zweiundzwanzigste James-Bond-Film (Metakritik zur Bond-Reihe).

Zugegeben, der Film ist seltsam: sehr eigenartige Geschichte, sehr eigenartige Szenen und eine noch eigenartigere „Romanze“. Sicher der Versuch von etwas Neuem, aber wie schon der erste Craig mit erstaunlichen Schwächen (da zähle ich nicht zuletzt die gesamte Hotel-im-Sand-Szene dazu).

Wir beginnen mit Action satt. Autoverfolgung, Mr. White im Kofferraum, an Carrara vorbei nach Siena. Dort sehr kurzes Verhör zusammen mit M(?), bevor der Leibwächter zum Verräter wird: Action durch Siena. Beide Szenen sind äußerst roh und physisch gedreht und geschnitten. Mir hat es gefallen (auch wieder ein wenig zu lang). Warum aber M immer wieder mit ins Feld muss, erschließt sich mir nicht. Dafür gibt es Agenten. Und sicher nicht nur einen. Mr. White entkam, M auch.

Die Spur führt nach Haiti, wo sich ein langer Hotelkampf anbahnt, Bond macht erstaunlicherweise kurzen Prozess. Schwarzer Humor taucht auf – nicht schlecht. Wir lernen mit Bond Camille (Olga Kurylenko) kennen, die der eben getötete umbringen sollte, Bond macht das natürlich nicht, sondern (und hier wird der Film erstmals seltsam) lässt sie laufen verfolgt sie aber zum Hafen, wo sie den Bösen Greene (Mathieu Amalric) trifft, der sie umbringen lassen wollte und jetzt einem General zum Töten übergibt. Das wollte sie. Bond mischt sich ein und wird fast getötet und vereitelt so den lange gereiften Plan von Camille, die darüber nicht froh ist.

Es ist etwas wirr. Es wird wirrer:

Greene wird von der CIA unterstützt, Südamerika auszubeuten, er will dort Land kaufen, wahrscheinlich wegen des Öls. Seine Organisation, Quantum trifft sich bei der Tosca-Aufführung in Bregenz zur Besprechung, die von Bond gestört wird, wodurch Teile der Organisation identifiziert werden können. Ein Leibwächter kommt um, Bond war es nicht, M denkt, dass er es war (Bond schafft es auch nicht, einmal mit M vernünftig zwei Sätze zu wechseln) und sperrt seine Konten etc.

Schon wieder. Warum kann Bond nicht einmal durcharbeiten, wie normale Leute auch, z.B. Connery oder Moore.

Bond kann dem MI6 kurz entkommen, dann wird er vom MI6 in Form von Strawberry Fields(!) (Gemma Arterton) eingeholt, eine Sexnacht später muss er doch nicht wieder zurück.

Jetzt kommt der wirklich wirre Teil: Bond geht mit Arterton auf einen Benefizball von Greene, befreit Camille, Greene will ihn töten, Arterton verhindert das, Bond wird daraufhin von zwei Polizisten angehalten, die seinen Freund, der aus unerfindlichen Gründen im Kofferraum Bonds liegt, erschießen, Bond tötet beide.

Selbst im Rahmen der unglaubwürdigen Tode für Bond ist dieser Plan – Mist.

Bond und Camille fliegen am nächsten Tag zu dem Land, das Greene kaufen will, werden in einer denkwürdig schlechten Actionszene abgeschossen und landen unter der Erde, wo sie entdecken, dass Greene Wasser hortet, nicht Öl.

Zurück im Hotel ist Gemma Arterton tot (in Öl getränkt), M ist persönlich (hat sie nichts besseres zu tun, als dauernd rauszugehen. Einen Geheimdienst zu leiten evtl.) da, um Bond festzunehmen.

Bond kann entkommen und wendet sich an Leiter, der ihm hilft, weil er ein aufrechter Amerikaner ist, der keine Ölgeschäfte mit Bösen machen will. Er verfolgt Grene mit Camille (die übrigens eine bolivianische Agentin ist) in sein Wüstenhotel, wo er ihm den Garaus macht (ausgesetzt in der Wüste mit einer Dose Öl) und Camille den General tötet, der ihre Familie umgebracht hat. Das Hotel explodiert.

Bond entlässt Camille ohne Sex, spürt den Freund seiner Erstfilmliebe auf, tötet diesen aber nicht und wirft die Kette seiner Erstfilmliebe weg, ist also jetzt frei von ihr.

Oh je.

Anfang gut und dann eine Geschichte, die versucht, clever zu sein, aber einfach nur strunzdumm und viel zu kompliziert ist. Die einzelnen Szenen haben Schauwert, aber ab der Hälfte des Films hab ich das Interesse verloren und auf Durchzug geschaltet. Das Hotel in der Wüste ist dann nur noch Klischee.

Schade drum, alle versuchen ihr Bestes, die Figuren von Olga Kurylenko oder Mathieu Amalric sind interessant angelegt, aber das Drehbuch macht aus allem zu wenig und verlässt sich viel zu sehr auf seine Cleverness.

Ms Rolle wird immer unglaubwürdiger. Man kann die Rolle gerne aufwerten, dann doch aber richtig und nicht diese kurzsichtige Art fortführen, die völlig aus der Luft gegriffen ist. Dafür sind die Dialoge zwischen Bond und M richtig gut. Craig und Dench passen zueinander.

Das Product Placement ist hier wie im letzten Bond sehr aufdringlich.

Das Titellied ist richtig schlecht. Aber so richtig.

Dafür ist die Abspannmusik sehr chillig und sehr gut. Hört man wirklich gern an.

Fazit: schwacher Bond mit gutem Anfang.

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Kino Kritik

Kritik: Casino Royale

Casino Royale (dt. James Bond 007: Casino Royale) ist der einundzwanzigste James-Bond-Film (Metakritik zur Bond-Reihe). Aus irgendeinem Grund wird in den deutschen Titeln ab jetzt „James Bond 007“ durch einen Doppelpunkt vom Filmtitel abgetrannt, nicht mehr durch einen Gedankenstrich.

Daniel Craig übernimmt die Bond-Nachfolge von Brosnan, der gegen sehr schlechte Filme spielte.

Er spielt Bond hart, Eleganz oder Charme sind nicht seins. Da die Drehbuchautoren und Regisseure sich dessen bewusst sind, wird das nicht zum Manko. Man kann sich streiten, ob er damit „nur“ ein guter Actionstar ist oder auch ein guter Bond – ich hab mich an ihn gewöhnt.

Außerdem ist Craig ein sehr angenehmer Mensch mit äußerst vernünftigen Ansichten.

Als Bond hat er eine Macke, die mich zunehmend nervt: wenn eine Pistole oder ein Gewehr leer ist, dann wirft er es weg. Denn wir wissen alle: Pistolen sind Einwegprodukte und sollten möglichst überall herumliegen, wo Bond so ist, sei es ein Zug oder eine Einkaufsstraße.

Vorweg sei geschickt: bei diesen Filmen stört mich die Unlogik oder die Länge der Actionszenen weniger als vorher – einfach, weil sie besser gedreht sind. Andererseits werden viele Fehler wiederholt, ohne die ich gut ausgekommen wäre.

In diesem Sinne: Bond verdient sich zu Beginn des Films seine 00, indem er einen Verräter tötet – hat das irgendjemand interessiert?

Wir lernen den Bösen kennen – Le Chiffre, den Banker der Terroristen, der in Uganda durch Vermittlung von Mr. White eine große Summe Geld entgegennimmt, das er gegen den Flugzeughersteller Skyfleet wettet, um mit dessen Verlust große Gewinne zu machen, der Verlust soll durch den Bombenbauer Mollaka herbeigeführt werden.

Wieder zu Bond, der Mollaka endlos lang hinterherparcourt, eine beeindruckende Sequenz, denn wo Mollaka elegant springt, ist Craig eher der Bulldozer. Wird natürlich auch hier übertrieben, immerhin tötet Bond Mollaka in einer Botschaft, M is not amused.

Trotzdem verfolgt Bond die Spur weiter nach den Bahamas, gewinnt den Aston Martin des Zwischenbösen, hat Sex mit seiner Frau, tötet ihn und verhindert das Attentat auf das neue Flugzeug von Skyfleet.

Le Chiffre muss nun Geld beschaffen, über ein Pokerturnier. Bond als gewiefter Pokerer wird geschickt zusammen mit Vesper Lynd vom Schatzamt, seine zukünftige Romanze.

Es folgt ein langes Pokerturnier. Bis zu dessen Mitte ist der Film ausnehmend gut. Dann gibt es einen Bruch und der Film wird schlecht.

An sich ist die Idee gut, Bond zu vergiften und auch seine Maßnahme, dem zu entkommen. Hier kann Craig zeigen, dass er ein Schauspieler ist. Er gewinnt natürlich das Turnier, Le Chiffre is not amused.

Er entführt Vesper, legt sie auf die Straße und beim Bremsen verliert Bond die Kontrolle über den Aston und es gibt einen unsagbar schlecht nach CGI aussehenden Crash, der aber wohl echt ist.

Le Chiffre foltert Bond ein wenig, das ist wieder gut, aber dann – lazy writing – kommt Mr. White und erschießt Le Chiffre, lässt aber Bond und Vesper am Leben. WTF?

Apropos WTF: statt den Film am Strand mit Vesper zu beenden, ist Bond verliebt(!) und kündigt(!) seinen Job. Das ist so doof. Meine Fresse.

Ganz offensichtlich kann das natürlich nicht sein, also muss Vesper Bond hintergehen, sterben und Bond ist gebrochen.

Wenn man „lazy writing“ definieren will, dann mit der zweiten Hälfte dieses Bonds. Statt sich etwas auszudenken, gehen die Autoren auf die einfachste und dümmste, klischeehafteste Handlung zurück, die sie sich ausdenken können. Dabei ist das nicht nötig, hat irgendjemand vermisst, dass sich Bond nie verliebt? Nach dem Lazenby-Debakel sollte sowas doch tabu sein. Und dann seine Liebe fridgen. Ach. Außerdem ist der sehr gute Böse mitten im Film schon tot. Was?

Trotzdem ist es ein guter Film, auch wenn man die zweite Hälfte vergessen will. Der brutale Bond gefällt mir gut, wenngleich er kein „richtiger“ Bond mehr ist, denn zu dem gehört auch eine weltmännische Art, die Craig nicht bietet. Zugegeben, der brutale Bond entspricht mehr Flemings Büchern, aber die sind schlecht.

Das Titellied ist mittelmäßig, die Melodie ist gut, der Gesang eher nicht. Dafür ist im Abspann schön lang die Bond-Melodie zu hören.

Das Product Placement ist sehr aufdringlich.

Fazit: guter Neustart der Reihe mit seltsamen Schwächen im Abgang.