Kritik: Live and Let Die

Live and Let Die (dt. James Bond 007 – Leben und sterben lassen) ist der achte James-Bond-Film (Metakritik zur Bond-Reihe).

Der Film beginnt die Ära Roger Moores als Bond, alles Filme, die mich in den 80ern begeistert haben (ich war jung und lebte in der DDR, da war alles toll), die beim nochmaligen Anschauen doch eher schwach sind.

Live and Let Die beginnt mehrere Traditionen, alle schlimm.

Da ist zunächst der ausgesprochene Rassismus in der Darstellung der Schwarzen Menschen und Kultur im Film. Das ist ganz, ganz schlimm. Und mir ist bewusst, dass auch die vorigen Bonds mit ihrer „Exotik“ schlimm waren. Aber das ist ein ganz anderes Niveau.

Dann unendliche, übertriebene Bootsverfolgungsjagden mit obligatorischen „lustigen“ Einlagen.

Sheriff Pepper!

Der Rest der „lustigen“ Momente. Infantilster Humor von der schlimmsten Sorte, sogar der Tod des Bösewichts ist als platzender Luftballon gestaltet. Dem Bus wird das Dach abgefahren. Mit dem Boot durch Leute fahren. Ach.

Die Frauen sind noch dümmer als vorher, allen voran die abergläubische Frau, die wegen eines Kartenspiels mit Bond schlafen muss!

Offensichtlich traf das damals den Nerv, denn der Humor wich selten aus den Moore-Filmen. Genau wie der Rassismus, der nur ein wenig heruntergedreht wurde.

Interessant ist der Plot, der sich um Drogenschmuggel dreht, nicht den Oberbösewicht mit Weltzerstörungsplänen. Und das Titellied ist ebenfalls über jeden Zweifel erhaben. Die Krokodilszene ist ok.

Und Roger Moore ist als Bond auch ok. Nicht so roh wie Connery, dafür deutlich britischer und oft mit trockenem Humor. Allerdings schon im ersten Film recht alt.

Fazit: guter Moore-Bond, durchschnittlicher Film mit großen Problemen.

Kritik: Diamonds Are Forever

Diamonds Are Forever (dt. James Bond 007 – Diamantenfieber) ist der siebente James-Bond-Film (Metakritik zur Bond-Reihe).

Lazenby wollte keinen Bond mehr drehen, die Gründe sind wohl Selbstüberschätzung ohne Ende, aber egal, mir ist das recht, denn sein Bond war nicht meins. Broccoli und Saltzman wollten John Gavin, einen Amerikaner besetzen, United Artist stellte sich dagegen und finanzierte die damals höchste Gage ever selbst für Connery, der nie wieder Bond spielen wollte.

Zu Beginn tötet Bond Blofeld zweimal (es gibt Doppelgänger), dann geht der Film mit den zwei Auftragskillern Mr. Wint und Mr. Kidd los, die auf höchst amüsante Weise Verräter in einem Diamantenschmuggelring eliminieren. Hier wird Bond eingeschaltet, der den Schmuggel aufdecken soll und herausfinden, wer die Diamanten warum schmuggelt. Es geht nach Las Vegas, in ein Set für die Mondlandung, Casino (Plenty O ‚Toole), Tiffany Case, Swimmingpool (Plenty O’Toole muss sterben), Ölplattform und auf ein Kreuzfahrtschiff.

Mehrere Versuche, Bond zu töten, scheitern: allen voran der Verbrennungsofen, aber auch die Gaspipeline, Bambi und Thumper (sehr creepy) oder die „Bomb Surprise“.

Der Plot entwickelt sich von Diamantenschmuggel zu der Konstruktion eines „Laser“-Satelliten, mit dem die Atombomben der USA, Russlands und Chinas zerstört werden können und der von Blofeld verkauft werden will. Zum Glück gibt es Bond – Happy End.

Dieser Bond gefällt mir außerordentlich gut. Er bringt eine komödiantische Note in die Serie, die ich angenehm finde, weil sie noch zurückhaltend ist und nicht den ganzen Film bestimmt, sondern unterstützt. Was nicht heißt, dass nicht auch dieser Film die lustigen Momente nicht übertreibt. Es ist eine Gratwanderung, die aber überwiegend ok ist, was hauptsächlich durch die durchaus trockenen Dialoge funktioniert.

Beispiel: Plenty O’Toole wird aus dem Fenster geworfen:

James Bond: [looking down] Exceptionally fine shot.
Slumber Inc. Attendant: I didn’t know there was a pool down there.

Was nicht heißen soll, dass die Lustigkeit nicht oft genug übertrieben wird, Q mit dem Spielautomatenring, die gesamte Ölplattformsequenz oder Plenty O’Toole.

Außerdem finde ich persönlich die schwulen Attentäter eine angenehme Überraschung. Sie werden überwiegend sehr tödlich dargestellt. Leider in den schlechten Momenten auch sehr tuntig und über ihren homosexuellfeindlichen Tod breiten wir den Mantel des Schweigens.

Der Film ist also eine ambivalente Angelegenheit, für mich funktioniert er mit seinem Humor sehr gut. Leider wurde das in den Folgefilmen mit Roger Moore bis zur Absurdität ausgebaut.

Das Titellied ist gewohnt gut und das ist der letzte Bond, der noch diesen Bond-Look hat mit etwas bleichen Farben.

In Erinnerung bleibende Szenen: das Mond-Set, Bond umarmt sich selbst, alle Szenen mit Mr. Wint und Mr. Kidd (bis auf deren Tod), der Verbrennungsofen und der Fahrstuhlkampf.

Fazit: sehr guter Bond, wenn man mit dem Humor klarkommt.

Kritik: On Her Majesty’s Secret Service

On Her Majesty’s Secret Service (dt. James Bond 007 – Im Geheimdienst Ihrer Majestät) ist der sechste James-Bond-Film (Metakritik zur Bond-Reihe).

Das ist der schlimme Bond. Der, von dem man wenig redet. Der mit George Lazenby.

Connery wollte nicht mehr, Zeit für einen neuen Bond. Mit Lazenby wurde jetzt nicht der schlechteste Ersatz gefunden, mit Telly Savalas ein guter Bösewicht, Diana Rigg ist sowieso gut.

Bond trifft Rigg, als sie versucht, sich zu ertränken, er rettet sie, trifft sie später wieder und sie darf mit ihm schlafen. Eine Heirat schlägt er vorerst aus, weil er eigentlich Blofeld und Spectre jagen will. Dann will er in London seinen Beruf an den Nagel hängen, macht das dann doch nicht, sondern fährt in die Schweiz, wo er auf dem Piz Gloria Savalas finsteren Seuchenplan vereitelt, der an mehrere schöne, einsame Frauen gebunden ist, auf die Ilse Steppat beeindruckend aufpasst. Einige Skiszenen später ist der Plan vereitelt, Savalas tot, Diana Riggs geheiratet und auch gleich wieder umgebracht.

Tja. Der Plot ist nicht ungewöhnlich schlecht, die Skiszenen sind herausragend gut, leider unterbrochen von Close-Ups auf Lazenby. Das Titellied ist ok, ich bin kein großer Freund von Armstrong-Liedern.

Aber.

Es gibt viele defensive Anspielungen auf Connery. Diana Riggs Rolle ist mies und ihrer nicht würdig. Das Ende ist katastrophal. Und erstmals will Bond seinen Beruf aufgeben und verliebt sich – ein Fehler, der sich noch wiederholen wird und immer zu schlechten Resultaten führt. Das ruiniert tatsächlich den gesamten Film, nicht umsonst ist das Ende eines Films für die Rezeption entscheidend.

Anzuerkennen ist der Versuch, die Bondformel zu durchbrechen. Leider wird das nur halbherzig getan und m.E. an den falschen Stellen. Eine gute Frauenrolle wäre ein Anfang gewesen, nicht ein emotionaler Bond.

Dennoch ist das nicht der schlechteste Film der Reihe, Lazenby ist auch eher weniger am Ergebnis schuld, musste aber trotzdem gehen, wer wären die Produzenten, wenn sie das Scheitern auf ihre Kappe genommen hätten…

Fazit: nicht der Schlechteste, aber auch kein guter Bond.

Kritik: You Only Live Twice

You Only Live Twice (dt. James Bond 007 – Man lebt nur zweimal) ist der fünfte James-Bond-Film (Metakritik zur Bond-Reihe).

Es ist ein solider Beitrag zur Reihe mit einem Drehbuch von Roald Dahl – da hat er wohl nicht viel Material zum Arbeiten gehabt – und einem guten Titellied.

Raketen werden im Weltall gestohlen, die USA verdächtigen die Russen und vice versa, Großbritannien bietet sich an, das Rätsel zu lösen. Bond stirbt und ersteht wieder auf, hat seine drei Frauen im Film und reist diesmal nach Japan.

Bösewicht ist Blofeld und auch im Deutschen heißt Spectre jetzt Spectre.

Wie gesagt, es ist ein solider Bond, Japan ist exotisch genug dargestellt, die Rolle der Frauen wird als untergeordnet thematisiert, die Geschichte ist konfus aber ok und die Weltraumszenen sind heute nicht mehr toll, als Kind fand ich sie beeindruckend.

Am Ende gibt es eine große Abschlussschlacht im Krater, die unlogisch aber gut anzusehen ist.

Es wird vieles verwurstet, japanische Kultur zum Beispiel. Erstmals wird auf Humor bei Q gesetzt, was nicht wirklich gelungen ist. Karin Dor spielt mit und hat die unlogischste Rolle im Film ergattert – sie soll Bond töten, erliegt ihm dann, wiell ihn trotzdem töten und ist dann tot.

In Erinnerung bleiben Tiger Tanaka sowie Donald Pleasence als Blofeld, Little Nellie, Tod durch Gift-in-Mund-tröpfeln, der Krater und die Grundidee, Raketen im Weltraum zu stehlen.

Der erste Film, bei dem Connery davon redete, nie wieder Bond zu spielen (er hat sich dann durch Geld für diesen Film und noch 2x überreden lassen).

Fazit: solider Bond.

Kritik: Thunderball

Thunderball (dt. James Bond 007 – Goldfinger) ist der vierte James-Bond-Film (Metakritik zur Bond-Reihe).

Puh, der Film ist die erste Graupe der Serie. Er fängt schon in der Eingangssequenz im französischen Schloss recht mau an, dann gibt es aber den Raketenrucksack und gute Szenen im Sanatorium.

Dabei ist die Geschichte um den ausgetauschten Piloten und den Diebstahl der Atomraketen durchaus interessant und einfallsreich. Aber das ist es dann auch schon. Irgendwie ist der Film sehr lustlos. Die Actionszenen sind furchtbar, insbesondere die Flugszenen und die Unterwasserszenen sind zusätzlich verwirrend und viel zu lang. Viel zu lang. Viel. Zu. Lang.

Außerdem ist die Motivation der einzelnen Figuren unklar bis maximal verwirrend. Die Gadgets sind mau.

Das Titellied ist brillant und der Film hat tatsächlich einen Oscar für die Spezialeffekte gewonnen – was ich mir nicht wirklich erklären kann, wahrscheinlich für den Raketenrucksack, das Auto und die Unterwassergefährte, also die praktischen Effekte, die Flugszenen können es nicht gewesen sein.

Spectre steht wieder hinter den Bösen, im Deutschen mal wieder „Phantom“.

Es gibt eine Neuauflage des Films mit Sean Connery – Sag niemals Nie, den ich nicht im Rahmen der Reihe besprechen werde, weil er strenggenommen nicht zum Kanon gehört, sondern durch Rechtsstreitigkeiten ins Leben gerufen wurde. Spoiler: der war auch nicht gut.

Dafür ist der Film lange Zeit der erfolgreichste Film der Bondserie gewesen, und auch lange der erfolgreichste Film ever.

Fazit: kein guter Film, laaaangweilig.

Kritik: Goldfinger

Goldfinger (dt. James Bond 007 – Goldfinger) ist der dritte James-Bond-Film (Metakritik zur Bond-Reihe).

Goldfinger ist der Bond.

Es ist wie mit Careless Whisper von George Michael – schon sehr früh ist der Höhepunkt erreicht, besser wird es nicht mehr. Man kann versuchen, heranzukommen, aber man wird Goldfinger nie erreichen. Dass die nachfolgenden Filme teilweise solche Graupen werden, wäre allerdings auch nicht nötig gewesen.

Bei Goldfinger stimmt alles. Allen voran Gerd Fröbe als Auric Goldfinger(!). Ein exzellenter Schauspieler, dem man abnimmt, dass er blitzschnell von gut gelaunt auf bösartig umschalten kann. Und der keine Skrupel hat. Und nicht zu Spectre gehört.

Unterstützt von Oddjob mit dem tödlichen Hut. Dessen Finalkampf beeindruckend ist.

Die geniale Namensgebung aller Figuren.

Und der Schweizer(?) Oma mit dem Maschinengewehr.

Lateinamerika, Miami, Schweiz, Fort Knox.

Jill Masterson, die Bond verfällt und dafür mit Gold überzogen sterben muss, Tilly Masterson, die Bond nicht verfällt und dafür von Oddjob mit seinem Hut getötet wird. Pussy Galore, die Bond verfällt und erstaunlicherweise überlebt.

Der Aston Martin DB 5 mit seinem Aussehen, dem kugelsicheren Schott, Drehkennzeichen, Schleudersitz, die Reifenzerstörer, …

„Laser“, auch wenn sie nicht an Delphinen befestigt sind.

Das Titellied.

Der Plan. Goldschmuggel mit Autoteilen, radioaktive Verseuchung von Fort Knox, um den Goldpreis in die Höhe zu treiben, dafür die Tötung aller Soldaten mit Giftgas aus Flugzeugen – darauf muss man erst einmal kommen.

Apropos: ich kenne sehr, sehr wenige Filme, die solche eine abstruse Geschichte erzählen, die vorn und hinten nicht nur unglaubwürdig ist, sondern auch nicht funktioniert. Die innerhalb des Films offensichtliche Fehler anhäufen, die kaum zu übersehen sind, allen voran die Auto-Verfolgung in der Schweiz, bei der nichts zusammenpasst. Oder die ohnmächtig werdenden Soldaten. Oder die Behauptung, dass man stirbt, wenn man von Gold überzogen wird. Filme, die als Auflösung bieten, dass einmal Sex mit Bond so beglückend für eine Frau ist, dass sie allen beruflichen Stolz und Ehrgeiz aufgibt und alles über Bord wirft, worauf sie sich jahrelang vorbereitet hat.

Wie gesagt: ich kenne wenige Filme, die das durchziehen und funktionieren. Genau das tut Goldfinger: trotz der ganz offensichtlichen Schwächen ist es ein genialer Film.

Erwarten Sie, dass ich rede?
Nein, Mr. Bond – ich erwarte, dass Sie sterben!

Fazit: bester Bond. Wahrer Bond. Essenz der Bondfilme. Bond der Bonds.

Kritik: From Russia with Love

From Russia with Love (dt. James Bond 007 – Liebesgrüße aus Moskau) ist der zweite James-Bond-Film (Metakritik zur Bond-Reihe).

Er greift die Stärken des ersten Films auf und erweitert den Bond-Kosmos um bessere Bösewichter, ein Titellied und die ersten richtigen Gadgets – der Agentenkoffer oder die Schuhe von Lotte Lenya.

Die Geschichte ist herrlich überkomplex mit dem Plan von Spectre (hier im Deutschen „Phantom“), sich für den Tod von Dr. No mit Hilfe einer russischen Agentin und einer Dechiffriermaschine zu rächen. Die Masterminds dahinter sind Blofeld als Kopf von Spectre (Nr. 1), Nr. 3 Rosa Klebb (Lotte Lenya) und Nr. 5, der tschechische Großmeister Kronsteen. Grandios. Insbesondere Lotte Lenya hat nur wenige Szenen, diese aber so überzeugend, dass sie länger in Erinnerung bleiben als die Bösewichter der meisten anderen Bondfilme.

Gegner ist zwar Spectre, aber indirekt Russland und der Ostblock – gute Idee.

Weltflair wird hier diesmal in Istanbul und Belgrad hergestellt. Dazu ein „Zigeunerlager“, in dem Frauen um einen Mann kämofen und sich dann Bond anbieten müssen – fragt nicht, das ist schlimm anzusehen. Hier werden männliche Machtfantasien noch direkt bedient.

Es gibt mehrere Showdowns, Verfolgungen im Orient-Express, per Hubschrauber oder im Boot – das passt alles nicht zusammen, macht aber unglaublich viel Spaß.

Der Film ist gradlinig erzählt, ohne große Schnörkel, dafür mit guten bis sehr guten schauspielerischen Leistungen. Übrigens wurden in den ersten Filmen fast alle Bond-girls nachträglich synchronisiert.

Fazit: einer der besten Bonds.

Kritik: Dr. No

Dr. No (dt. James Bond – 007 jagt Dr. No) ist der erste James-Bond-Film (Metakritik zur Bond-Reihe).

Wir erleben Sean Connery als Bond, der zunächst den Tod eines anderen Agenten auf Jamaika untersuchen soll und dabei eine große Verschwörung rund um den titelgebenden Dr. No aufdeckt, der auf einer redioaktiven Insel mit feuerspuckendem Vulkan lebt.

Bond nimmt den Auftrag an, weil es sein Beruf ist und erledigt den Auftrag professionell, unemotional. Warum ich das so betone – weil es gut ist.

Dieser Film ist quasi die Essenz eines Bondfilms: Connery, böser Bösewicht, exotische Gegend und dazu drei Frauen, die mehr oder weniger freudig mit ihm Sex haben müssen. Es fehlen nur noch Details: Titellied, Gadgets, Auto.

M, Q (die Figur, noch ein anderer Schauspieler), Moneypenny und Felix Leiter werden eingeführt.

Dr. No, die Verkörperung eines Bond-Bösewichts: gebildet, reserviert, besitzt in aller Abgeschiedenheit eine Bösewicht-Festung auf einer radioaktiven Insel (Crab Key) mit Meeresblick und einem Labor mit Nuklearreaktor, in dem man Bond schön umbringen kann, der das natürlich dreht und Dr. No umbringt.

Ein Plan, Raketen mit Hilfe der Energie aus dem Kernreaktor umzuleiten!

Und das alles im Namen der Geheimorganisation Spectre (einmal erklärt: „SPecial Executive for Counter-intelligence, Terrorism, Revenge, and Extortion“, in diesem Film auf Deutsch GOFTER „GeheimOrganisation Für Terrorismus, Erpressung und Rache“), die uns noch einige Filme lang verfolgt, bis sie endlich aufgegeben wird, im Deutschen mit verschiedenen Namen belegt.

Der abergläubische, dumme Einheimische, der sich vor Drachen fürchtet aber das Herz am rechten Fleck hat.

Verschiedene, komplizierte Versuche, Bond umzubringen. Die Tarantel oder die Zwischenfrau.

Ja, die Zwischenfrau, die mit Bond Sex haben darf aber daraufhin obsolet wird und sterben muss. Im Allgemeinen: an Frauen, die mit Bond während des Films Sex hatten, sollte man nicht sein Herz hängen.

Und Ursula Andress, die im Bikini aus dem Wasser steigt, was zu einer der ikonischsten Szenen der Bondgeschichte zählt, in der Reihe selbst referenziert durch Halle Berry und Daniel Craig und in zahlreichen anderen Filmen verwurstet. Die nicht sehr schlau ist, aber das reicht für Bond völlig aus, um am Ende die Rettung fahren zu lassen, und sich erst mal der Frau hinzugeben.

Es gibt noch kein Titellied, das sollte erst mit dem zweiten Teil etabliert werden.

Der Film ist solide erzählt, hat seine Stärken und Schwächen, für den Beginn einer Filmreihe aber ein starker Beitrag.

Fazit: guter Bond.

Metakritik: James Bond

Bevor die Kritiken aller Bondfilme folgen, erst allgemeine Vorbemerkungen, um mich nicht zu oft bei den einzelnen Filmen zu wiederholen.

Wer ist der einzige wahre Bond?

Sean Connery

Ich vermute, das hängt davon ab, mit welchem Bond man sozialisiert wurde. Wer zuerst Roger Moore gesehen hat, für den wird es Roger Moore sein, gleiches mit Dalton, Brosnan oder Craig. Wer George Lazenby für den wahren Bond hält, hat keinen Geschmack und keine Ahnung und sollte bei Wasser und Brot die Fast-and-Furious-Reihe bis an sein Lebensende anschauen müssen.

Ein Bond

Nachdem das geklärt ist: was macht einen Bond aus? Weltgewandtheit, Härte, Pflichtbewusstsein und eine gewisse Eleganz. Dazu ein guter Bösewicht mit einem weltumspannenden, extrem komplizierten Plan, Bond girls und aussichtslose Situationen aus denen Bond gerade so entkommen kann. Jetzt noch Bauten, Autos, Gadgets, unrealistische Actionsszenen, Oneliner und ein gesunder britischer Humor. Nicht zu vergessen: Vorspann mit Bondmusik, Titellied und Pistolenlaufsequenz.

Weltgewandtheit: Bond kennt sich in der Welt aus, besucht exotische Gegenden ohne dort fremd zu sein. Insbesondere in meiner Kindheit waren Bondfilme das Fenster zur großen, weiten Welt. Bond kennt sich mit Diamanten aus, mit Getränken, weltübergreifenden Unternehmungen – you name it. Dazu gehört allerdings auch ein sehr westlicher Blick auf die restliche Welt, der sich sehr oft in unverhohlenem Rassismus äußert. Nicht nur bei Connery, insbesondere bei den „lustigen“ Moore-Filmen ist das oft über das erträgliche Maß hinaus vorhanden.

Härte: Bond hat Handkantenschläge, prügelt sich, trinkt und bleibt Herr der Lage. Das führt dazu, dass Probleme eher handgreiflich gelöst werden, je nach Bond mehr oder weniger realistisch. OK, „realistisch“.

Pflichtbewusstsein: Bond ist ein britischer Agent mit absoluter Loyalität zu Großbritannien und seinem Beruf. Er darf dort alles machen, was er will: Frauen verführen, trinken, prügeln, Leute umbringen. Er hat seinen Traumjob gefunden. Dazu gehört aber auch, dass er nicht wegen einer Frau oder RÜckenproblemen oder Gewissen oder was weiß ich seinen Beruf in Frage stellt – ich schaue auf Euch, Lazenby oder Craig.

Eleganz: wie gesagt, Bond kann sich auf jedem Parkett bewegen: auch in Casinos. Ein Smoking steht ihm und er kann ihn tragen. Dabei darf durchscheinen, dass er auch härter kann. Anders gesagt: Connery hat diese Mischung, Craig fehlt sie zum großen Teil. Brosnan hat sie auch, aber dessen Filme sind so abgrundtief schlecht…

Bösewicht: ja, daran hängt viel. Die meisten Bösen sind auch durchaus gut getroffen, mit etwas Irritation nach dem Ende des kalten Kriegs. Zum Glück wurde Spectre als allmächtige Organisation recht schnell begraben, aber wenn einem nichts mehr einfällt… Wichtig auch: solange der Eiserne Vorhang vorhanden war, wurde er auch genutzt. Und Russen und Ostdeutsche sind einfach die besten Gegner.

Komplizierte Pläne: Over-the-Top ist am besten. Plausibilität ist nicht so wichtig, wie einfache Grundidee und komplizierte Ausführung. Aber lasst mich den Plan wenigstens verstehen. Und die Idee sollte nicht nur blöd sein.

Bond girls: ja, die gehören dazu. Wie leider auch Sexismus. Warum Connery die Frauen hauen musste und warum sie ihn trotzdem unglaublich liebten – wer weiß. Man kann Frauen auch mit Bond Sex haben lassen, ohne dass das creepy oder herabwürdigend ist, siehe Brosnan oder Craig in manchen Filmen. Dennoch sollte nicht verschwiegen werden, dass Bondgirl oft nur „Sexpuppe mit Dekowert“ bedeutet und dass das einer der größten Kritikpunkte an der Reihe ist. Ja, ich weiß, damals waren andere Zeiten aber die Zeiten waren damals halt auch schon Scheiße. Siehe Rassismus.

Muss man sich jetzt entschuldigen, wenn man trotzdem Bond-Filme mag?

Meiner Meinung nach nicht, man sollte aber auch nicht versuchen, miese Behandlung von Frauen oder Rassismus mit Traditionen zu entschuldigen, sondern diese anerkennen und bei Bedarf auch einsehen, dass sie auch damals schon falsch waren.

Aussichtslose Situationen: die dürfen nicht nur aussichtslos sein, sondern der Bösewicht muss Bond dann auch alleine lassen, damit er sich befreien kann. Sehr wichtig.

Bauten: legendär. Ein Bösewicht hat auch einen exzentrischen Lebensstil, wozu sollte er sonst Bösewicht sein? Und einen Hai. Oder Piranhas mit einem Ins-Piranha-Becken-Absenkmechanismus. Das muss alles futuristisch aussehen, wie man sich gerade die Zukunft vorstellt.

Autos: legendär. Aston Martin. Der aus Goldfinger.

Gadgets: legendär, leider zu Tode ironisiert und veralbert durch Moore und Brosnan, jetzt eigentlich nicht mehr nötig. Schade.

Unrealistische Actionsszenen: Ja, das ist ein zweischneidiges Schwert. Zum einen will ich, dass Bond allem entkommen kann, was auf ihn geworfen wird. Da bin ich bereit, über vieles hinwegzusehen. Aber wenn es zu viel wird, leidet der ganze Film darunter. Insbesondere, wenn Maschinengewehrsalven entweder nicht treffen oder durch einen gehobenen Arm umgelenkt werden können, aber jeder Pistolenschuss tödlich ist, geht mir das auf den Sack. Dazu blitzende Einschüsse: bis zu den 80ern ok, danach sollte das nicht mehr vorkommen. Alles eine Frage der Zeit und des Augenmaßes.

Oneliner: ja, auch die sind wichtig. Bei den guten Bonds gut, sarkastisch und humorvoll. Bei den schlechten: schlecht. Siehe Humor.

Britischer Humor: ist trocken und schwarz. Nicht Roger Moore. Nicht der blöde texanische Sheriff. Nicht Brosnans Fahrt durch Moskau. Aaaargh.

Vorspann: nackte Frauen lassen Dinge rumfliegen und fliegen selbst rum. In unterschiedlichen Ausführungen. Fand ich als Kind beeindruckend, jetzt nervig. Gut, dass es da ein Update in neuerer Zeit gab, aber unsägliche Vorspänne – das Element hat sich am längsten gehalten.

Bond-Theme: legendär. Gut. Unerreicht (außer durch Pink-Panther- und Peter-Gunn-Theme).

Titellied: legendär. Mit sehr schwachen Beiträgen in neuerer Zeit.

Pistolenlaufsequenz: legendär.

Der Name

Bond, James Bond. Ein Geheimagent(!), der seinen Namen jeder und jedem verrät, der nicht bei drei auf dem Baum ist. Der so geheim ist, dass jeder Gegner ihn mit „Ah, James Bond, Geheimdienst Ihrer Majestät, Ihr Ruf eilt ihnen voraus“ begrüßt.

Der Name, der vom Ornithologen James Bond genommen wurde, dessen Werke Ian Fleming als begeisterter Vogelbeobachter kannte.

Einfluss

Legendär. Der Einfluss der Bondfilme ist kaum hoch genug einzuschätzen. Nahezu jede kann die oben angesprochenen Punkte ansehen und hat mindestens 4-5 Assoziationen. Wahrscheinlich summt man das Bond-Theme oder ein Bondlied seiner Wahl. Im Zweifelsfall Goldfinger oder Skyfall.

Heerscharen von Filmen haben sich aufgemacht, Bond nachzueifern. Meist umsonst. Aber die Bondformel hat auch die Entwicklung der Filme stark eingeschränkt, da auf fi,mische oder gesellschaftliche Entwicklungen kaum reagiert wurde. Frauen sind halt nicht nur Bimbos. Und man muss Frauen nicht hauen. Schwarze Menschen sind Menschen. Und Humor sollte lustig sein, nicht albern.

Das führte oft dazu, dass die Speerspitze des Agenten- und Actionfilms oft genug von anderen Filmen überholt und abgehängt wurde, so z.B. von den Bourne-Filmen.

Diese Entwicklungen werden leider nur sehr zögerlich umgesetzt, gerade an Spectre und dem derzeitigen Bond zu sehen (den ich noch nicht gesehen habe). Unabhängig von deren Qualität, Craig sollte keinen Bond mehr machen, hier ist eine Veränderung angesagt: Idris Elba oder eine Bond. Zeit wird es, aber da sind sehr, sehr rückschrittliche Menschen am Werk. So sehr, dass es Daniel Craig – dem hoch anzurechnen ist, dass er ein sehr normaler Mensch mit normalen Wertvorstellungen ist – schon länger reicht, Bond zu spielen.

Natürlich gibt es auch Parodien, gab es schon von den Büchern, hier wäre ein gutes Beispiel OSS 117. Der übrigens die Essenz eines Bondfilms sehr gut einfängt (die Bücher hab ich nicht gelesen). Apropos:

Bücher

Bond wurde von Ian Fleming als Buchfigur erfunden. Die Bücher habe ich gelesen und sie sind nicht besonders gut. Eher schlecht erzählter Schund, da sieht man, dass eine Verfilmung mehr aus einem Stoff herausholen kann, wenn man es kann.

Andererseits, wenn man ehrlich ist – die Filme sind storytechnisch auch eher Schund.

Fazit

Soviel der Vorrede, es gibt noch viel mehr zu erzählen und zu theoretisieren, das muss dann in den Einzelrezensionen erfolgen…

Kritik: Les rivières pourpres 2 – Les anges de l’apocalypse

Les rivières pourpres 2 – Les anges de l’apocalypse (dt. Die purpurnen Flüsse 2 – Die Engel der Apokalypse) ist die lose Fortsetzung von Les rivières pourpres.

Jean Reno spielt wieder mit, Vincent Cassel hatte besseres zu tun, so wie Regisseur Mathieu Kassovitz.

Fragt nicht nach der Geschichte, irgendwas mit Aposteln, Nazis und Jesus, der im Krankenhaus ist. Obernazi ist Christopher Lee mit interessantem Deutsch und grandiosem Overacting und mehr weiß ich auch nicht mehr, außer, dass der Film fassungslos macht ob seiner Dreistigkeit, eine komplett bescheuerte Geschichte recht gut zu erzählen. Wir kamen mit einem Lächeln aus dem Film, weil wir gut unterhalten wurden und darüber und den Rest des Films sehr ungläubig waren. Reicht aber, den einmal gesehen zu haben.

Wo ist Jesus?
Jesus ist im Krankenhaus!

Fazit: wirre Fortsetzung eines guten Films, kurz vor Trash.