Kategorien
Computerspiele Kritik

Spielkritik: Shadow of the Tomb Raider (2018)

Shadow of the Tomb Raider, der zwölfte Teil der Reihe, der dritte des Reboots. Die Vorgänger, Tomb Raider und Rise of the Tomb Raider, hatten mit ja gut gefallen, mit der Kritik, dass das Raiden von Tombs etwas umfangreicher sein könnte, insbesondere im zweiten Teil war da schon eine deutliche Verbesserung zu spüren.

Im dritten Teil (und hoffentlich letzten, in dem wir die strunzlangweilige Originstory um die verlorene Familie und Laras Vaterkomplex durchspielen müssen), verursachen wir in der Anfangssequenz den Weltuntergang, den wir im Lauf des Spiels verhindern müssen. Aufhänger ist mayanische Mystik um die Stadt Paititi, wir lernen viel über den religiösen Hintergrund, während wir Trinity bekämpfen und den Weltuntergang abwenden wollen.

Das Spiel ist visuell und akustisch extrem beeindruckend. Was da aufgefahren wird, erstmals hab ich wirklich angehalten und die Welt angesehen. Gerade in hektischen Sequenzen geht unter, wie viele Details und wie viel Tiefe die Spielwelt hat. Das ist teilweise einfach wunderschön anzusehen.

Die Jaguare: wenn die angreifen, das grollt und brüllt und sieht sooo gut aus…

Überhaupt: die Töne. Es raschelt, grunzt, schreit, grummelt, zischt an allen Ecken und Enden, genau im Raum lokalisierbar – beeindruckend.

Sehr gut gelungen ist (wieder einmal) die Vertonung von Lara, hier gilt Camilla Luddington großer Dank, aber auch die Mimik und Laras Bewegungen sind sehr, sehr gut gelungen. Wenn sie mitten im Spiel mal kurz zur Kampfmaschine wird, dann sieht man das bereits am Gesichtsausdruck. Und weiß, da will man jetzt nicht der Gegner sein.

Auch der Humor zieht, wenn er denn mal eingesetzt wird. Leider viel zu wenig.

Gut gelungen ist auch, dass man sich grundlegende Waffen nicht erst spät im Spiel erspielen muss, man kann ziemlich gleich mit Pfeil und Bogen losziehen, das Maschinengewehr hab ich nur in unübersichtlichen Massenkämpfen eingesetzt, Pistole und Pumpgun sind für mich nicht nötig gewesen.

Die Geschichte ist in Ordnung, für mich hätte die ganzen Anspielungen auf ihre Eltern nicht sein müssen, aber sie nehmen genügend wenig Raum im Spiel ein.

Die Kontrolle über Lara ist noch mal besser geworden, lediglich bei Sprüngen und „direkt vor etwas stellen“ ist das manchmal ungenau. Außer in den Actionsequenzen, wenn die Kamera vom Spiel übernommen wird und damit die Steuerung anders ist als im Rest des Spiels. Da bin ich doch sehr häufig neben das Ziel gesprungen. Das ist sehr ärgerlich.

Apropos ärgerlich: hat sich irgendjemand tatsächlich ausgedehnte Unterwasserpassagen mit Luftmangel und nichtsterblichen Gegnern gewünscht? War das nicht schön, dass es das in den Vorgängerspielen nicht gab?

Und die elendiglichen Cut-Scenes. Es gibt sie noch und sie bringen nicht so viel, wie die Entwickler gerne hätten.

Und die Verlangsamung der Bewegung. Das bleibt mir bei 45 Stunden Spielzeit in Erinnerung, obwohl es wahrscheinlich nur 3 Minuten ausgemacht hat. Es ist soooooo nervig.

Die Übersichtskarte finde ich nicht mehr übersichtlich, da war die von Teil 1 am besten bisher.

Ach ja, das Raiden von Tombs ist etwas ausgebaut worden, aber nicht wirklich schwierig. Hier hätte durchaus mehr sein können, dafür muss ich nicht unbedingt als One-Woman-Desaster-Area Horden von Leuten umbringen.

Obwohl: die Szene in der Raffinerie – die ist schon sehr, sehr cool.

Und ein letzter Kritikpunkt: das ganze Aufleveln war im ersten Teil noch ok, im zweiten schon etwas kompliziert und ist in diesem Teil sowas von übertrieben. Mit verschiedenen Pfaden und Kosten und was weiß ich. Ich will mit Lara spielen und mir nicht Gedanken drüber machen, ob ich zwei oder drei Pfeile gleichzeitig abfeuern kann und welche Kräuter ich sammeln muss und, und, und…

Denn dazu bin ich sowieso nicht gekommen. War es im zweiten Teil noch einfach, sich an Leute anzuschleichen und sie ruhig zu ermorden, sind die hier sofort auf der Hut, da brauche ich dann die meisten Fähigkeiten nicht mehr. Dazu ist das Kaufen und Verkaufen ausgebaut worden – wem macht denn so etwas Spaß?

Dennoch: das Spiel ist toll. Ich fürchte zwar, dass in einem Nachfolger die Kritikpunkte noch mehr ausgearbeitet werden, weil Spieleredakteure und -rezensenten (ja, Männer) sowas mögen und keine Casual Gamer sind, aber ich werd es mir trotzdem holen.

Fazit: sehr, sehr gutes, wunderschönes Spiel mit kleinen Unannehmlichkeiten.

Kategorien
Computerspiele Kritik

Spielkritik: Rise of the Tomb Raider (2015)

Da der Reboot durchaus erfolgreich war, kam die fällige Fortsetzung zwei Jahre später auf den Markt: Rise of the Tomb Raider. Leider nur ab PS 4, mangels einer solchen und eines fähigen Spielerechners konnte ich den Teil erst dieses Jahr nachholen.

Technisch wird wieder die Underworld-Engine verwendet – das garantiert schon mal wirklich gute Grafik und gute Steuerung (mit Einschränkungen beim Springen).

Wir begleiten Lara (wieder einmal) in ihrer Weiterentwicklung zur Lara, die wir eigentlich spielen wollen, ok, das ist grad das Ding der Entwickler – muss ich nicht gut finden als Idee. Ist aber, wie beim Reboot, ordentlich umgesetzt.

Lara selbst wurde im Gesicht verändert, sie sieht jetzt irgendwie puppenartiger aus. Wieder so eine Sache, auf die ich schwer den Finger legen kann, aber da musste ich mich eigentlich am längsten dran gewöhnen, irgendwas stimmt da für mich nicht.

Wir steigen ein mit dramatischen Szenen in Sibirien, wo wir uns durch eine Cut-Scene-Hölle spielen müssen. Ja, ich stehe spielbaren Cut-Scenes eher skeptisch gegenüber, insbesondere im Reboot war das viel zu viel und viel zu simpel. Das wird hier besser gelöst. Der Anfang lässt zwar Schlimmes vermuten, das war es aber schon fast, der Rest des Spiels verzichtet größtenteils auf diesen „Kniff“ – sehr angenehm.

Dann Rückblende, wir spielen uns nach Sibirien – ach nee, das ist schon in Filmen nicht meins, in Spielen erst recht nicht. Zwei Filme kenne ich, die das gut machen: Pulp Fiction und Memento, Spiele kenn ich gar nicht. Es ist ok, von vorn nach hinten zu spielen. Aber wie auch der Anfang: es wird einmal gemacht, dann wieder gelassen, ok.

Zurück in Sibirien sind wir erst einmal sehr langsam unterwegs, können uns nicht bewegen, Waffen kannste vergessen und ich dachte schon: uiuiui. Was auch immer Entwickler da treibt: nein. Macht das nicht. Realismus hin und her: ich bringe hier problemlos Bären um, erledige alleine mit Pfeil und Bogen eine russische Armee, kann stundenlang mit Kletterhaken kopfüber klettern, aber durch Schnee kann ich nur langsam stapfen?

Aber auch hier wieder: dauert zum Glück nur kurz und dann nimmt das Spiel endlich Fahrt auf. Also am Anfang drei Todsünden raushauen und dann besser werden – lasst das bitte nicht die Standardstrategie werden.

Wobei im Endkampf die letzte begangen wird, aber dazu später.

Jetzt arbeiten wir uns durch die Welt durch und die ist wunderschön. Wirklich. Manchmal einfach stehenbleiben und umsehen. Oder mit Dingen interagieren. Wir sind von freier Bewegung oder Untersuchung der Welt zwar noch weit entfernt aber schon deutlich freier als im Reboot. Es macht Spaß, einfach mal auf Bäume zu klettern und zu gucken.

Storytechnisch suchen wir ein Artefakt, das unsterblich macht, weil Laras Vater das auch gesucht hat. Ja, die Fixierung auf den Vater ist wie im Reboot vorhanden und bringt mir nix. Lara tut in diesem Teil alles nur, um ihrem (toten) Vater nachzueifern und das wird gerade hinten heraus sehr obsessiv und ist nicht gesund. Im Abspann lösen wir uns davon, aber bis dahin ist es ein langer Weg durch diverse Nachrichten, Dokumente und Gedanken. Und ja: beim ersten Spielen guck ich mir das alles an.

Für das Artefakt reisen wir durch Sibirien, dann ein Tal und später ein Kloster, die Orte sind alle sehr gut umgesetzt und oft positiv sehr offen gestaltet. Leider wird unsere Bewegung oft künstlich eingeschränkt, oft sehr fadenscheinig: so können wir bis zur Mitte des Spiels unser Messer zwar zum Ausweiden von Tieren benutzen, nicht aber zum Zerschneiden von Stricken.

Die Welt wird gerade ab dem Tal von Menschen bevölkert, mit denen wir nicht nur durch Pfeil und Bogen interagieren, sondern mit denen wir uns unterhalten und denen wir helfen können. Das ist eine angenehme Abwechslung und hier wurde eine sehr gute Mischung aus Text und Action gefunden.

Ebenfalls ist es sehr schön, dass der Abenteueraspekt etwas mehr hervorgehoben wurde, es ist mehr zu sehen, auszuprobieren, zu erforschen. Insbesondere die Anzahl und Qualität der Tombs ist erhöht worden. Dennoch: das ist noch weit entfernt von dem Tomb Raider, das ich spielen will, bei dem man nur Tombs raided und gut ist. Aber man muss sich halt auch an das aktuelle Spiel anpassen: der Schwerpunkt liegt hier anders und im Rahmen dessen wurde das gut umgesetzt.

Neben dem Tombs gibt es noch Herausforderungen und Missionen, die den linearen Spielablauf unterbrechen. Hat mir sehr gut gefallen, das Konzept.

Was mich stört ist, dass man die einzelnen Areale nicht komplett durchspielen kann, bevor ein neues in Angriff genommen wird, da uns dafür bestimmte Fähigkeiten noch fehlen, die wir erst später erspielen (das Messer zum Beispiel). Wir müssen dann später zurückkommen. Auch, dass wir uns bestimmte Fähigkeiten bzw. Gegenstände kaufen müssen (in Spielwährung) ist nicht so meins, das holt mich stark aus dem Spiel heraus. Auch das Aufleveln von Waffen und Fähigkeiten am Camps. Ist ok, halt nicht so meins.

Nach 47 Stunden stehen wir dann dem Endgegner gegenüber und zum einen ähnelt der Kampf sehr stark dem Endkampf des Reboots. Zum anderen: ich levele alle meine Waffen auf, bin top ausgerüstet aber zum Endkampf wird mir das alles weggenommen? Ernsthaft? Außerdem musste ich eine Fähigkeit nutzen, die ich bisher nicht eingesetzt hatte: Bomben basteln und auf Gegner werfen. Krieg ich hin, aber macht nicht wirklich Spaß. Aber das ist nur eine kurze Sequenz und durch sind wir: Welt gerettet, von Vater emanzipiert (hoffentlich), Happy End.

Der Schwierigkeitsgrad des Spiels ist angenehm spielbar (ich spiele auf „normal“), ich bin größtenteils ohne Hilfe durchgekommen. Dreimal musste ich das Netz bemühen, zweimal wegen Nichtigkeiten, einmal, weil ich partout ein Artefakt nicht gefunden habe. Ich hab alle Missionen, Herausforderungen und Tombs gelöst, alle Dokumente und Artefakte gefunden, bis auf ein Dokument, das in der Zusatzmission „Baba Jaga“ an einer Stelle liegt, für die ich eine Sequenz auf die Zehntelsekunde timen muss und für jeden neuen Versuch ca. eine Minute Vorbereitungszeit brauche (oder ich sterbe, dann zwei Minuten). Nach einer Stunde probieren bin ich jetzt soweit, dass ich auf das Dokument verzichte. Vielleicht versuche ich es später noch einmal.

Insgesamt ist das Spiel sehr gut gelungen, viele Kritikpunkte des Reboots wurden angenommen und verbessert, die Spielbarkeit erhöht (Springen ist noch zu ungenau, sonst alles gut) und die Balance zwischen Abenteuer und töten deutlich verbessert. Was nicht heißt, dass Schwarzenegger nicht neidisch wäre, mit welcher Wucht und Gradlinigkeit ich hier Massen von Gegnern töte. Möglichst mit dem Bogen, das ist eleganter. Aber ich kann auch mit Explosionen, Gift oder Feuer arbeiten.

Apropos Waffen: mit dem Bogen kommt man gut durch, bei manchen Massenszenen ist das Maschinengewehr besser geeignet. Erstaunlicherweise habe ich auch virtuell ein Problem damit, Bomben auf Menschen zu werfen oder Sprengfallen aus Menschen zu bauen (ernsthaft, das geht deutlich zu weit), aber ich hab einen Heidenspaß dran, Zusatzpunkte zu bekommen, wenn ich Kopfschüsse am Stück verteile (acht in Folge mein Rekord). Schon seltsam.

Wie schon gesagt, die Welt ist wunderschön, es lohnt sich tatsächlich, sie sich anzusehen. Nicht nur die Berge und Landschaft, auch die Tiere, Häuser etc.

Und es sind schöne Spielideen dabei: Hühnerwerfen zum Beispiel. Das ist angenehm albern, insbesondere im Kontext der Bedrohung.

Und in der Baba-Jaga-Mission schafft es das Spiel, eine richtig gruslige Atmosphäre zu erschaffen – das ist schon was.

Was auch angenehm ist, dass die Hilfe halbwegs vernünftig auf das eigene Spielen eingestellt werden kann. Leider muss man für alle Geheimnisse zu oft „den Blick“ anwenden und hier wird Lara schwatzhaft, was unsere derzeitige Aufgabe angeht. Hier wäre mehr Einstellbarkeit besser.

So viel dazu, das Spiel hat Spaß gemacht, selten gelangweilt und wartet mit schönen Szenen und Herausforderungen auf.

Ein wirklicher Faux-Pas war die exklusive Veröffentlichung auf Xbox 360 und Xbox One zum Start – das war wirklich ein Mittelfinger gegenüber den PS-Spieler:innen, die das Spiel großgemacht haben. Außer Geldgier gibt es da auch keine Entschuldigung.

Fazit: sehr, sehr gutes Spiel mit der neuen Lara Croft.

Kategorien
Kino Kritik

Kritik: Tomb Raider

Tomb Raider – die bisher neueste Verfilmung mit Alicia Vikander setzt auf dem Reboot von 2013 auf.

Lara ist Fahrradkurierin in London (und reiche Konzernerbin), die nach dem Auffinden eines geheimen Zimmers aufbricht, nach ihrem verschollenen Vater zu suchen. Dieser war auf der Suche nach der japanischen Königin Himiko und ihren mystischen Kräften. Genau wie die finstre Trinity-Organisation.

Einen Schiffbruch später ist sie auf der richtigen Insel mit den Bösewichten und muss Söldnern entkommen, fliehen, das Geheimnis aufdecken, ihren Vater treffen etc. pp. Nicht ganz wie im Spiel aber im Geist an das Spiel angelehnt.

Nach dem Happy End wieder in London wird eine größere Verschwörung entdeckt und Lara kauft sich zwei HK-USP Stainless.

Tja: ein guter Film. Nach den enttäuschenden Filmen mit Angeline Jolie (an der es nicht lag) ist Alicia Vikander die moderne Lara – entsprechend dem Reboot: fähig, zäh, realistisch. OK, fast realistisch. Der Film erzählt seine Geschichte ohne Schnörkel, die Action stimmt.

Er ist halt nur kein Tomb Raider im Sinn von Tombs raiden, wenngleich das große Finale im Grab der Kaiserin dahin tendiert. Trotzdem ist es ein sehr guter Film und im Sinne des neuen Tomb Raider ein werkstreuer.

Es bleibt zu hoffen, dass die Fortsetzung nicht an Corona scheitert, das wäre schade um die sehr guten Ansätze.

Fazit: sehr guter Actionfilm und sehr gute neue Lara Croft.

Kategorien
Computerspiele Kritik

Spielkritik: Tomb Raider (2013)

Wo ich grad dabei bin: Tomb Raider, die Spieleserie, schwächelte nach drei bis vier grandiosen Spielen immer mehr. Mit neuen technischen Möglichkeiten konnten die Spiele nicht so richtig an das Erfolgskonzept anknüpfen, sowohl technisch als auch spielerisch wurden dabei Fehler gemacht, die nach und nach dafür sorgten, dass die Marke immer mehr an Bedeutung verlor. Und so wurde nach Underworld 2008 eine längere Pause eingelegt.

2013 kam dann der Reboot „Tomb Raider„, denn die Marke Tomb Raider zieht halt noch immer viele Erwartungen und Geld mit sich. Die Ankündigung war leicht misslungen, da die Trailer eine Vergewaltigung Laras andeuteten und nicht klar war, was das nun sollte: Auftakt einer gebrochenen Heldin? Grund für ihr Heldentum?

Die ganze Ankündigung war gamestypisch Auftakt für Beleidigungen und frauenfeindlichste Äußerungen von „Fans“ einer Spieleserie, in der eine Frau die Hauptrolle spielt. Es war unschön.

Abgesehen davon war der Trailer aber gelungen, Lara sah normal aus und der Trailer machte Neugier darauf, wie das Spiel werden würde und was die Szene nun genau bedeutet.

Das Spiel machte dann einiges viel richtiger als es der Trailer befürchten ließ. Wir begleiten Lara auf ihrem ersten Einsatz wider Willen, der durch Schiffbruch ausgelöst wird. Sie findet sich auf einer Insel wieder, auf der sie gegen die Natur und eine Vielzahl bewaffneter Gegner bestehen muss.

Genretypisch arbeitet sie sich story- und waffentechnisch nach oben, bis sie am Ende eine erste Version der Lara ist, die wir später kennen.

Zum Positiven: Lara ist normal. Das Spiel ist spannend, die Missionen schaffbar und auch für Gelegenheitsspieler geeignet. Die Vergewaltigung bleibt aus und die Trailerszene hat nicht die befürchtete Bedeutung. Es gibt mehrere beeindruckende Szenen, die das Staunen zurückbringen, insbesondere der Funkturm.

Zum Negativen: es werden keine Tombs geraidet, sondern wir haben eigentlich einen Action-Shooter mit Lara Croft. Daraus folgt: zu viel Schießen, zu viel Gewalt. Es gibt etliche Logiklöcher. Die Welt ist zu klein und nachträgliches Rumlaufen wird erschwert. Das Gameplay ist oft zu schwierig und oft zu einfach, etwas mehr Balance wäre besser.

Tja, wir haben ein Tomb-Raider-Spiel, das eigentlich keins ist, weil nur optionale Tombs ohne schwierige Rätsel. Trotzdem haben wir eine charismatische Lara Croft, die Entwicklungspotential bietet und ein Spiel, das wirklich fesselt. Und wir haben ein modernes Spiel mit aktuellen Auflevel-Möglichkeiten, Dinge, die mich mehr aus einem Spiel reißen als dass ich sie gut finde.

Und wir haben wieder einmal eine Origin-Story zu einer Figur, die keine nötig hat (und in den alten Spielen eine andere hatte).

Das alles hinterlässt dennoch einen überwiegend positiven Eindruck des Spiels, ich hab es gern gespielt, hoffe aber auf Fortsetzungen, die einiges davon verbessern. Ich hab sie noch nicht gespielt, aber apropos Fettnäpfchen: der Nachfolger „Rise of the Tomb Raider“ wurde zunächst exklusiv auf XBox veröffentlicht – WTF? Wie kann man nur… (völlig ironiefrei)

Fazit: gutes Spiel, etwas mehr Tomb Raider bitte.

Kategorien
Kino Kritik

Kritik: Lara Croft Tomb Raider: The Cradle of Life

Lara Croft Tomb Raider: The Cradle of Life der Nachfolger zu Tomb Raider, wieder mit Angelina Jolie als Lara Croft.

Diesmal geht die Reise von Griechenland über China, Kasachstan, Hongkong nach Kenia, wo die Wiege des Lebens = die Büchse der Pandora warten. Ihr Gegner Ciarán Hinds will die Büchse für sich haben und versucht, sie auf dem gesamten Weg zu überholen, ein Handlanger ist Til Schweiger in einer guten Rolle. Romantischer Sidekick mit tragischem Ende ist diesmal Gerard Butler.

Der Film versucht, einiges richtiger zu machen, so sind die Brüste kleiner geworden(!) und Lara darf kompetent sein. Leider wird zu viel Wert auf Action gelegt. Entdecken findet gar nicht statt und Rätsellösen wird durch Laras Bedienstete erledigt. Dafür ist die Action ordentlich und durchaus gut inszeniert mit interessanten Ideen, z.B. die Abwehr von Angriffen mit Hilfe des Queen-Anne-Saluts. Das hat die Verschrobenheit, die ein Spielerätsel hätte.

Der Cast ist auch wieder sehr ordentlich ohne Ausfälle. Leider bekommen die Nebenfiguren zu viel Raum oder zu slapstickartige Einsätze, das passt nicht wirklich gut.

Insgesamt ist der Film eine Verbesserung, wenngleich er sich wie ein Bond mit Lara Croft anfühlt, nicht wie ein Tomb Raider. Auch wieder was für den verregneten Sonntag.

Fazit: ordentlicher Film, leider auch kein richtiger Tomb Raider.

Kategorien
Kino Kritik

Kritik: Lara Croft: Tomb Raider

Lara Croft: Tomb Raider, die Verfilmung von 2001 mit Angelina Jolie.

Da muss ich etwas weiter ausholen:

Die Tomb-Raider-Spiele waren damals[tm] eine Offenbarung für mich. Das war grafischer Zucker verbunden mit einer coolen Hauptheldin. Das waren Welten, wie sie vorher noch nie zuvor im Computer erschaffen wurden: riesig, detailreich, logisch aufgebaut und mit Übung spielbar. Dabei eine Heldin, die sowohl rennen, springen, klettern, ins Wasser springen oder mit Waffen umgehen konnte. Wobei die Waffen eher selten gebracuht wurde, denn es ging darum Tombs zu raiden, also Gräber zu erforschen und auszunehmen, Geheimnisse zu erraten und Rätsel zu lösen. Und eine Heldin, deren Namen ich kannte: Lara Croft. Badass. Asskickerin vom Feinsten.

Was ist außerhalb meines Spielerlebnisses offensichtlich davon hängen geblieben?

Titten und Knarren.

Dinge, die ich trotz meines pubertären Spielalters und meiner männlichen Sichtweise nie interessant im Spiel fand.

Aber die standen plötzlich im Vordergrund sowohl bei den Spielen als auch, und hier schlagen wir den Bogen zurück, bei der ersten Verfilmung mit Angelina Jolie.

Hier ist meiner Meinung nach sehr gut zu sehen, wie eine falsche Prämisse trotz tollen Casts und einer ordentlichen Geschichte zu einem schlechten Film führt.

Die Eröffnungssequenz ist noch gelungen, Angelina Jolie kann Badass sehr gut spielen, hier fallen jedoch schon die ausgestopften Brüste negativ auf. Eine Duschsequenz später ist klar: Tombs werden wir wohl eher spärlich raiden.

Wir bekommen eine Geschichte um eine seltene Planetenkonstellation erzählt (durch einen Traum vom Vater – warum?), bei der Uhren eine Rolle spielen, deren Bestandteile in einem großen Mechanismus zusammengesetzt werden müssen, damit die Illuminaten was machen können. Auf der Suche nach den Teilen für den Mechanismus bereisen wir verschiedene Gegenden, einen Tempel in Kambodscha und für die Endsequenz Sibirien.

Der Mechanismus ist eine Zeitmaschine. Wir retten unser Love-Interest Daniel Craig, treffen den Vater wieder und Happy-End.

Die Geschichte ist wirr aber ok, aber die Umsetzung…

Jedes Tomb-Raider-Feeling wird weggenommen, weil die Inszenierung die falschen Dinge betont. Die Brüste sind offensichtlich sehr wichtig. Einen Tempel auszurauben eher nicht, obwohl der Film hier am nächsten an die Spiele kommt. Alles ist fahrig inszeniert, die Action ist ok, aber wen interessiert eine Hundeschlittenwettfahrt?

Warum müssen wir uns mit dem emotionalen Ballast um den Vater rumschlagen? Können wir nicht einfach Lara Croft erleben? Warum muss sie so unsicher sein in Bezug auf ihre Welt, wenn sie es doch nicht ist? Wen interessiert es, ob und mit wem sie Sex hat und ob die Hosen oder Kleider anzieht. Es ist egal! Das ist Lara Fucking Croft!

Und so litt ich durch den Film und hoffte, dass er Tomb Raider wird, hab auch artig die DVD zu Hause, aber der Film ist leider nur Durchschnitt. Einzelne Szenen sind gut, aber der Gesamtfilm enttäuscht (mich). Für einen Sonntag nachmittag ok, viel verschenktes Potential.

Es ist so, als ob sich jemand die Spiele angesehen hat, ein Best-Of für sich zusammengestellt hat und das verfilmt, wobei die Prioritäten nach Aussehen und Wirkung nach außen, nicht bezogen auf das Spiel genommen wurden. Es ist schwer zu erklären, das ist ähnlich wie bei Silent Hill, dessen erste Verfilmung sehr gelungen war und dessen zweiter Teil dann plötzlich Pyramid-Head in den Vordergrund stellte: optisch einleuchtend aber dem Spiel überhaupt nicht angemessen.

Immerhin erhalten wir eine Tomb-Raider- und Computerspiele-Verfilmung, die nicht grottenschlecht ist wie z.B. die Filme von Uwe Boll.

Fazit: der Film ist ok, leider nicht wirklich gut und leider nicht Tomb Raider.