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Kino Kritik

Kritik: Anna and the Apocalypse

Anna and the Apocalypse ist ein schottisches Zombiemusical und wer will nicht ein schottisches Zombiemusical sehen?

Ach ja, leichte Spoiler, insbesondere über die Überlebenden.

Anna steht kurz vor ihrem Schulabschluss und will erst nach Australien, um danach zu studieren. Das hat sie ihrem Vater nicht mitgeteilt, der das nicht gutheißt. Außerdem ist sie in einen Arsch verliebt und ihr bester Freund ist in sie verliebt.

Dazu gibt es das Außenseitermädchen, ein verliebtes Paar und den bösen Schuldirektor.

Damit sind alle Figuren benannt, die im Folgenden singen und die hereinbrechende Zombieapokalypse überstehen müssen. Die einzelnen Szenen sind gut – die Lieder sind schön, die Zombie greifen sehr blutig an und werden sehr blutig getötet.

Der Film geht auch mit den Figuren nicht zimperlich um, nicht alle Sympathieträger überleben.

Aber: der Film hat mehrere Probleme: Timing, Motivation, Liederinhalt und Verhalten.

Das Timing stimmt gar nicht. Es wird wild zwischen schnellen und langsamen Szenen gewechselt, so dass kein Fluss aufkommt und die Atmosphäre nicht nur einmal komplett zerstört wird. Zu oft werden die Standardszenen und -verhalten für Zombiefilme und deren Hauptfiguren abgehandelt, ohne dass das aus dem Film heraus nötig wäre.

Die Motivation der Figuren schöpft sich fast ausschließlich aus den Klischees, die wir von den Figuren erwarten. Der Direktor ist böse, der Freund ein Arsch, die Mutter von Anna gestorben etc. pp. Das wird aber nur kurz erzählt bzw. das Verständnis vorausgesetzt. Hier wäre mehr deutlich mehr gewesen. Damit stört es dann auch nicht, wenn fast alle sterben, ich hab die sowieso nie richtig kennengelernt. Das gilt leider auch für Anna.

Der Liederinhalt ist gut, passt aber bis auf die Schulaufführung zu selten zum gezeigten Inhalt des Films. Beispiel: Wenn klagend darüber gesungen wird, dass man gerne wieder eine menschliche Stimme hören würde, muss doch auffallen, dass das vier Leute im selben Raum singen! Oder das unmotivierte Lied über das fehlende Happy-End. Nein, leider passen die Lieder zu selten zum Film.

Das Verhalten aller Personen ist komplett unglaubwürdig, unmotiviert und unlogisch. Wenn man sich so blöd wie das Liebespaar anstellt, dann hat man den Tod verdient. Und warum die Bad Boys die Bösen sind, wenn sie die Zombies beseitigen und dadurch unsere Haupthelden retten – ich weiß es nicht. Es wird explizit drauf hingewiesen, dass Zombiefilme bekannt sind und man das Verhalten dran anpassen muss – dann tut das auch.

Das alles reisst einen aus dem Film heraus und trübt nachhaltig den Filmgenuss. Da wird sich mal gut durch die Schule gemetzelt, dann wird das wieder gestoppt. Warum?

Ich wollte den Film wirklich mögen, denn hey – schottisches Zombiemusical!

Fazit: leider zu wenig aus der Ausgangssituation gemacht und nur ein sehr durchschnittlicher Filmgenuss.