Kategorien
Kino Kritik

Kritik: Spectre

Spectre (dt. James Bond 007: Spectre) ist der vierundzwanzigste James-Bond-Film (Metakritik zur Bond-Reihe).

In einer sehr gut gedrehten Anfangssequenz (bis zum Hubschrauber) während des Tags der Toten in Mexiko Stadt tötet Bond einen Mann, indem er versucht, ihn zu erschießen, dann stürzt das halbe Haus ein, der Mann flieht in einem Hubschrauber, Bond hängt sich dran und wirft schließlich Mann und Pilot aus dem Hubschrauber, nachdem er dem Mann seinen Oktopusring abgenommen hat. Keine Rücksicht auf Verluste.

Zurück in London stellt sich heraus, dass Bond auf Anweisung der alten M gehandelt hat, die ihm einen Namen mitteilte, den er umbringen und dessen Begräbnis er besuchen soll. Macht Bond natürlich. Der neue M suspendiert ihn (mal wieder), er hat sowieso einen schweren Stand gegen C, der den MI6 vom physischen zum informationellen Geheimdienst umbauen will. An sich ein völlig vernünftiges Ansinnen. Und die Verteidigung, dass die 00-Agenten nicht nur die Lizenz zum Töten, sondern auch zum Nichttöten haben, ist zwar ernst gemeint angesichts der Vorfilme aber eher eine hohle Phrase. Natürlich will man den Umbau nicht, den C anstrebt, das heißt aber nicht, dass nicht auch ein Geheimdienst reformbedürftig ist (wenn man den denn überhaupt braucht, außer, um Filme drüber zu drehen).

Wie dem auch sei, Bond ignoriert das natürlich und geht mit Qs Deckung (nein!) nach Rom zur Beerdigung des getöteten Mannes. Dort verführt er dessen Witwe (Monica Bellucci) in einer sehr sehr unangenehmen, creepigen Szene. Da schaudert es mich jedesmal. Wie er allerdings dazu kommt, mit ihr alleine zu sein, ist elegant gedreht.

Bond infiltriert jetzt Spectre, die Organisation, die unter anderem auch C in seinen Geheimdienstplänen unterstützt. Das Treffen der Organisation ist stark gedreht, hier wird Dave Bautista als Zwischengegner eingeführt, mit dem nicht zu spaßen ist. Oberböser ist Franz Oberhauser (Christoph Waltz), der Bond direkt mal entlarvt, er ist mit Bond zusammen aufgewachsen und doch noch nicht tot, wie Bond glaubte.

Verfolgungsjagd mit Supercars, an sich gut gedreht aber schon sehr Over-the-Top.

Die Spur führt zu Mr. White, der Bond vor laufender Sicherheitskamera den Aufenthaltsort seiner Tochter verrät, die weiterhelfen kann, von der Spectre nichts erfahren darf. Bond gibt Mr. White eine Pistole, der erschießt sich. Warum auch immer.

Dave Bautista kommt auch zu Mr. White und findet die Aufnahmen der Sicherheitskamera, daher weiß nun auch Spectre, wo die Tochter ist. Lazy, very lazy.

Bond kommt als erster bei ihr in der Schweiz an, kann sie noch nicht überzeugen, dafür wird sie von Bautista entführt und Bond versucht, sie zu retten. Q ist auch irgendwie dabei. Sehr, sehr blöde Actionszene mit Flugzeug und Autos – das ist kurz vor Brosnan-Humor. Wer hat sich das ausgedacht? Rettung gelingt.

Q entnimmt dem Ring, dass alle Bond-Bösewichter seit Casino Royal schon Spectre-Mitglieder waren (aha). Die Spur führt weiter in Hotel L’Américain in Marokko. Im Hotelzimmer (kein Sex) finden sie nach einer Nacht den geheimen Raum des Vaters und dort die Koordinaten des Spectre-HQs mitten in der Wüste. Sie fahren im Zug hin und kurz vor Sex kommt Bautista und wird aus dem Zug geworfen. Mittlerweile haben sie auch die Unterstützung von M.

Mitten im Nirgendwo steigen sie aus dem Zug aus und warten und werden tatsächlich abgeholt und ins HQ gebracht. Warum. Auch. Immer. Dafür ist das cool gedreht.

Dort machen sie sich frisch, damit Bond die anschließende Folterung durch Waltz genießen kann. Der bohrt ihm lustig in den Kopf, lässt die beiden aber trotzdem entkommen, sie jagen alles in die Luft. Alles. Alles explodiert in der Wüste. Als ob die Häuser aus Dynamit gebaut worden wären.

Zurück in London soll das Überwachungssystem von C live gehen und muss gestoppt werden. Das können nur M, Q, Moneypenny und Bond machen. Es gibt niemanden sonst mehr. Swann will damit nichts zu tun haben und geht nachts einfach so weg. Waltz schnappt sie sich und versteckt sie im mit Dynamit gespickten, ehemaligen MI6-HQ. Wie auch immer er das in der kurzen Zeit gemacht hat. Bond kriegt die Chance, sie innerhalb von 3 Minuten zu finden, Waltz ist durch die Wüstenexplosion zu Blofeld geworden, Narbe inclusive. M tötet C.

Wer hätte das gedacht: Bond rettet Swann, sie fliehen mit einem Boot aus dem explodierenden Haus. Auf der Themse schießt Bond mit seiner Pistole den Hubschrauber aus einigen hundert Metern Entfernung ab (argh). Er verschmäht es, Blofeld zu töten (denn das war ja das Wichtige, auch mal nicht zu töten, die ganzen Programmierer und Informationsmenschen in der Wüste haben da natürlich nix von, verschont werden nur die Oberbösewichter, damit sie mehrere Filme halten), er lässt Blofeld liegen und zieht mit Swann in ein Sexwochenende.

Wieder Puh. Die Idee des Films ist an sich gar nicht so schlecht, sie ist aber schlecht ausdefiniert und gedreht worden. Wieder einmal ist vieles Zufall aber diesmal stört es. Weil der Film nicht die Qualität des Vorgängers besitzt. Dabei ist die Eröffnungssequenz beeindruckend. Bis der Hubschrauber kommt und alles überdreht wird.

Der MI6 scheint nur noch aus vier Personen zu bestehen, M muss offensichtlich jetzt in jedem Film mitkämpfen, selbst Q wird ins Feld geschickt. Das will ich nicht sehen. Nicht umsonst gibt es unterschiedliche Aufgaben für unterschiedliche Personen. Bond macht die Leute tot, Q unterstützt ihn logistisch, Moneypenny recherchiert und M leitet einen Geheimdienst aus mehreren tausend Mitarbeitern. Lasst Bond sein Ding machen und mischt das nicht dauernd.

Ach ja, und wenn man schon Christoph Waltz hat, dann kann man ihm doch auch eine würdige Rolle geben. Gerd Fröbe z.B. war fast den ganzen Film zu sehen. Waltz hätte das durchaus auch verdient gehabt und Craig wäre ihm schauspielerisch gewachsen gewesen.

Dazu kommen wieder einmal alberne oder unglaubwürdige Actionsszenen, die einfach unangenehm auffallen. Exemplarisch der Anfang: Infiltration des Gebäudes und Einsturz des Gebäudes: gut; Hubschrauberszene: schlecht. Das Wüstenset hätte auch verlustlos aus dem Film gestrichen werden können. Die Verfolgungsjagd mit dem Flugzeug, dessen Flügel auch noch abbrechen – Fremdschämen.

Nein, der Film ist ein deutlicher Rückschritt. Er ist immer noch ein unterhaltsamer Film, immerhin ist Sam Mendes der Regisseur, bleibt aber deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurück, sowohl inszenatorisch als auch drehbuchtechnisch (wie auch immer das Fremdwort dafür sein mag).

Das Titellied ist grottenschlecht (hat einen Oscar gewonnen – WTF?).

Fazit: mittelmäßiger Bond.

Kategorien
Kino Kritik

Kritik: Spectre

Spectre – der wahrscheinlich letzte Bond mit Daniel Craig – was für eine Enttäuschung.

Dabei fing der Film mit einer richtig guten Szene an, für Bond innovativ gedreht in einer Einstellung von der Straße bis zur Zerstörung eines Hauses. Ab da ging es bergab mit eingesprenkelten genialen Szenen.

So waren einige Setpieces erstaunlich gut und verströmten den Glanz eines Bond-Films, z.B. in der Wüste am Bahnhof.

Der Hauptteil des Films drehte sich aber leider um eine an den Haaren herbeigezogene, verwirrte, schlecht geschrieben Geschichte, die jegliche Logik vermissen ließ, nicht nur in der äußeren Welt, sondern auch in der inneren Welt des Films.

Dazu geniale Schauspieler, die für sinnloseste Szenen verheizt wurden, allen voran Christopher Waltz, aber was war das für eine creepy-eklige Szene mit Monica Bellucci?

Dazu kamen starke Probleme, den Film über die Zeit zu bringen, Füllszenen, Langeweile, dann wieder Over-the-top-Action, die nicht passte.

Nein, das war ein unwürdiger Abgang für Craig, der bei aller Kritik an seiner Interpretation der Rolle nicht der schlechteste Bond war.

Fazit: richtig schlecht, aber so richtig.