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Kino Kritik

Indy und der Kristallschädel

Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull, wie der ausführliche Titel des Films ist, tritt ein beträchtliches Erbe an. Bis auf den albernen zweiten Teil sind die Filme großartig, besonders der dritte Teil scheint schwer zu toppen. Dazu kommt, dass der Hauptdarsteller in die Jahre gekommen ist, Abenteurerfilme geboomt haben und wieder abgeflaut sind, und die Protagonisten, allen voran George Lukas, zuletzt tüchtig ins Klo gegriffen haben.

Unter diesen Vorbedingungen ist der Film nicht so schlecht geworden, wie er hätte sein können. Von Bestform ist er andererseits meilenweit entfernt.

Angesiedelt in den späten fünfziger Jahren sind Nazis als Gegner passé, es müssen Russen herhalten. Der Beginn ist launig, teilweise gelungen, teilweise hanebüchen, aufgefangen vom ersten Wiedersehen mit Indiana Jones, das wiegt viel wieder auf. Aber nicht den Kühlschrank. Und nicht die albernen Viecher. Das ist Kinderhumor à la Lukas, mit dem er schon die alten Star-Wars-Filme in der Neuauflage verseucht hat.

Danach kommt die Geschichte, ein wilder Mix aus Akte X, Mumie, Alien, National Treasure 2 und diversen anderen Filmen. Kaum eigene Ideen, hauptsächlich geklaut, oft sogar szenengetreu. Inklusive sinnloser Verfolgungsjagden, nicht treffenden Maschinengewehren, Holzhammerhumor etc. Nein, der Teil konnte mich nicht überzeugen. Alle Klischees, die schon überwunden geglaubt sind, massenhaft persifliert wurden, werden wieder ausgegraben und ernsthaft umgesetzt. Vom Humor des dritten Teils nur in Ansätzen etwas zu sehen, viel zu selten.

Die Idee, Karen Allen wieder auszugraben, ist nett gemeint, passt aber nicht in die Reihe. Das Ende ist dann allerdings nur noch peinlich. Böse dürfen nicht nur Böse sein, da wird der dritte Teil zitiert, eine schlimme Begegnung der dritten Art folgt. Und der Weichzeichnungsfilter ganz am Schluss ist ernst gemeint. Da kommen alte Moralvorstellungen wieder zum Vorschein, die gerade in den ersten Teilen nicht vorkamen. Ärgerlich.

Fazit: nicht so schlecht wie die Star-Wars-Filme, aber immer noch weit weg vom Niveau der vorigen Indy-Filme (und das schließt den zweiten Teil mit ein).