Hexenjagd – ein Hexenverfolgungs- und Beutetürkenfilm mit Erkan Acar und Xenia Assenza in den Hauptrollen.

Der Film spielt im 17. Jahrhundert, mitten in den „Türkenkriegen“, die jedoch nur kurz thematisiert werden, um die Figur Tahir (Theodor) zu charakterisieren, der als „Beutetürke“ an den Hof von Fürst Wilhelm gelangt und auf Flucht sinnt.

Parallel dazu ist die Ernte verdorrt und, da eine Schuldige gefunden werden muss, trifft es Catharina, die gefoltert wird und nach einem Geständnis als Hexe verbrannt werden soll.

Tahir flieht mit ihr mehr oder weniger erfolgreich.

Ach.

Fangen wir mit dem Positiven an: ich kannte „Beutetürken“ vorher nicht – was gelernt. Der Film ist gut gedreht und die Schauspieler:innen sind ebenfalls gut. Gedeon Burkhard als Fürst Wilhelm ist herausragend, er hat auch die einzige nachvollziehbare, tiefere Figur mit vernünftigem Dialog bekommen.

Leider sind alle anderen Figuren sehr klischeehaft ausgefallen, da ist wenig Entwicklung, wenig Schauspiel, viel Starren und nichts sagen. Das ist schade, denn wie man am Fürsten sieht: Dialoge wären vorhanden gewesen.

Leider trifft das auch auf unsere Hauptfiguren zu, Erkan Acar spielt sehr zurückgenommen und erlaubt seiner Figur kaum Freiheiten. Xenia Assenza darf mit großen Augen gucken und sich wundern. Und das ist insbesondere deswegen schade, weil sie im Rahmen der Geschichte so interessant hätte werden können. Das zeigt sich in den letzten zwei Minuten und den ganzen Abspann über fragte ich mich: warum erst jetzt? Das hätte so ein guter Film sein können, wenn man nicht buchstäblich bis zur letzten Minute gewartet hätte.

Abgesehen davon: bei „Hexenjagd“ erwarte ich heutzutage schon eine ausgearbeitete Frauenrolle und nicht ein großäugig-verhuschtes Mädchen. Immerhin mit Rekordheilungskräften: eben noch blutig im Kerker, am nächsten Tag unversehrt auf der Flucht.

Dazu kommt, dass die visuelle Bildsprache zu oft auf Verzerrungen und Zeitlupen zurückgreift, ohne dass das nötig oder im Film gerechtfertigt ist. Dadurch werden Erwartungen aufgebaut und nie eingelöst.

Und, letzter Kritikpunkt, alle Figuren agieren sehr, sehr seltsam. Da ist so viel Potential drin, da hätte so ein guter Film draus werden können. So ist leider aufgrund der Aktionen und der Inszenierung viel Leerlauf in der Mitte des Films.

Dennoch: von den deutschen Filmen in letzter Zeit war der mit Abstand der beste, es ist halt nur schade, wie eine wirklich gute Geschichte durch eine behäbige Inszenierung ohne Mut zur Herausforderung der Zuschauer:innen in Mittelmaß abgleitet.

Fazit: viel Potential, leider wenig draus gemacht, solide inszeniert.

Related Posts

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

+ 22 = 28