Gestern gab es eine Diskussion auf radioeins zum Thema „Was darf Satire heute?“ Es ist durchaus interessant, das anzuhören, wenn man über die Männerbeiträge, vornehmlich von Dieter Nuhr hinweghören konnte. Aber auch Florian Schröder war nur halbgut. Die Themenseite auf radioeins bietet die Diskussion zum Nachhören.

Ich will nicht alles beschreiben, ich hab auch nicht alles gehört, aber bei dem, was ich gehört habe, waren Sarah Bosetti und Anny Hartmann sehr gut, konnten ihre Position beschreiben und auch die Komplexität des Themas auseinanderdröseln. Anna Dushime hatte leider Tonprobleme, wenn ich zugehört habe.

Was mich erschreckt und zu diesem Beitrag angeregt hat, war die Schlichtheit der Argumentation von Dieter Nuhr und Florian Schröder. So aus dem Kopf:

„Minderheiten müssen in Satire vorkommen, um sie nicht auszugrenzen.“ – einfacher geht es ja nun wirklich nicht, Herr Schröder. Konkreter wurde Nuhr: „Satire muss wehtun, da kann man niemand ausgrenzen.“ (Wobei es da feine Unterschiede gibt, mal sehen ob ich das richtig hinkriege: Türken als „Ziegenficker“ beleidigen, das ist völlig ok, Herrn Nuhr rassistische Texte vorwerfen natürlich nicht. Und „alte weiße Männer“ geht gar nicht. Wehtun nur für die anderen.)

Auch Satire, die hauptsächlich nach oben tritt, das konnte Nuhr nicht überzeugen, und außerdem: „bei uns ist das Volk ja der Souverän, damit also an der Macht und damit oben, also heißt ’nach oben treten‘ ja, es dem Volk mitzugeben.“

Ach ja, und „Greta Thunberg war ja eine Zeit lang die mächstigste Frau der Welt und damit war Kritik an ihr ja sowieso nach oben treten“.

Und zur Kritik an seinen Texten: „das kommt nur, weil alle nicht seinen ganzen Text genommen haben, sondern nur Ausschnitte und da wirkt das alles ganz anders.“

Cancel Culture: „Ja, ok, so richtig gibt es die zwar nicht in der Kultur aber er meint ja eher die Arbeitswelt und die Ministerien [ich habs nicht ganz genau verstanden]“.

Viel mehr war da nicht.

Im Gegensatz dazu konnte insbesondere Frau Bosetti ein Argument strukturiert aufbauen, Grautöne hervorarbeiten und trotzdem zeigen, was ihre konkrete Kritik war, ohne auf solch dumme Pauschalitäten zurückgreifen zu müssen.

Ernsthaft: diese intellektuelle Schlichtheit hat mich erschreckt, denn sowohl Nuhr als auch Schröder (der immerhin einige Zwischentöne erkennen konnte) sind intelligenter als das, was sie da von sich gegeben haben. Aber sie bemühen sich absichtlich, alles möglichst falsch zu verstehen, um sich in einer eingebildeten Opferrolle bestätigt zu fühlen, um ja nichts verändern zu müssen. Das ist auf Dauer nicht gut.

Ich vermute mal, ich kann froh sein, Martenstein nicht gehört zu haben.

Anny Hartmanns Beitrag zur Situation der Frauen in der Comedy-Szene ist hervorragend.

Sagen wir mal so: auch diese Runde war ein hervorragendes Beispiel dafür, dass nicht die Qualität über die Besetzung der Hauptsendeplätze in der ARD entscheidet.

Ein Beispiel, das mir einfiel: bei „Mein Name ist Nobody“ gibt es den Jahrmarkt, bei dem Torten auf Schwarze geworfen werden „So ein N…-Kopf kann das ab.“ Terence Hill wirft den Jahrmarkttyp ko und holt die Schwarzen aus der Leinwand. Jedem ist klar, wer hier was falsch gemacht hat.

Nuhr würde sagen: Hill hat da überreagiert, der Jahrmarkttyp hat denen ja Arbeit gegeben und überhaupt sollen die sich mal nicht so haben, hätten ja auch Weiße sein können bei den Torten, waren es nur zufällig nicht und außerdem ist das nur ein Ausschnitt aus seinem Werk, der hat sicher noch viele andere, diverse Sachen gemacht, die unter den Tisch fallen.

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