Am Freitag (12.9.) war es soweit, die O2-World in Berlin wurde durch Metallica dem Publikum vorgestellt, Die Eröffnung im kleinen Kreis fand schon am Mittwoch statt, dort waren auch entsprechende Gegendemonstranten anwesend. Am Freitag waren dann nur Fans von Metallica da: Fanclubmitglieder wie ich und je eine Begleitperson.

Anlass des Konzerts aus Sicht von Metallica war die Veröffentlichung des neuen Albums „Death Magnetic“, mit dem die Geldmaschine wieder einmal angeschmissen werden sollte. Es ist erstaunlich, wie zwiespältig Metallica so handelt: es ist durchaus so, dass sie sich über die Veröffentlichung eines neuen Albums freuen und das aus reiner Musikliebe tun. Andererseits gibt es kaum eine andere Band, die so unverschämt Geld aus ihrer Musik zieht, mit Sondereditionen, Gutscheinen für Alben, Sonderaktionen etc. Und die dabei keine Skrupel hat, missliebige Umtriebe gerichtlich stoppen zu lassen, man denke an Napster oder Blogs oder Fanseiten im Netz. Hinterher war es dann immer die böse Musikindustrie und nicht Metallica – wer es glaubt…

Aber egal, Metallica ist eine der besten Bands der Welt, vor allem live kaum zu schlagen. Die Erwartungen waren also hoch. Andererseits berichtete Jakob Kranz im Stahlwerk (übrigens Fritz: ganz schlechte Webseite) davon, dass das Konzert pünktlich 20 Uhr anfängt und genau eine Stunde dauert, während der Metallica nur unbekannte Lieder spielt. Die Erwartungen waren also stark gedämpft. Danke Jakob.

Um es vorwegzunehmen. alle Informationen von Jakob Kranz waren falsch.

Nach einer Stunde und zwanzig Minuten Warten (!) begann das Konzert 21:20. Das ist unverschämt. Wenn man 20 Uhr auf eine Karte schreibt, sollte man 20 Uhr anfangen. Evtl. eine Viertelstunde später, aber nicht über eine Stunde später. Zwar war die Wartemusik sehr gut, aber das ist einfach kein Umgang. Da können sie danach dauernd betonen, dass wir eine große Metallica-Familie sind. Wenigstens waren die Sitze bequem, anderthalb Stunden kann man da aushalten. Apropos: die O2-World ist wirklich gut gemacht. Ohne Sichtbeton, gut ausgestattet, gut verarbeitet. Wenn da nicht die negativen Begleitumstände wären.

Der Auftritt war dann aber überragend. Kann man nicht anders sagen. Metallica sind live richtig gut. Und laut. Die Halle hatte einen guten Ton, gutes Licht und endlich wieder eine „Metallica-Bühne“, also eine Bühne, die in der Mitte steht, Mikrofone rundherum, Schlagzeug drehbar, so dass die Musiker herumgehen können und jede Seite bespielen können. Was sie auch getan haben. Sie waren sogar gut drauf, wirklich gelassen und fröhlich, das neue Album herauszuhaben. Und bei Metallica sind alle Lieder live noch besser auf den Alben. Vor allem die Stinker sind live erträglich.

Außerdem fällt mir immer wieder auf, wie kompliziert die Lieder sind. Das ist nicht einfach nur Geschrammel, sondern durchdacht, aufeinander abgestimmt, mehrstimmig, mit Rhythmuswechseln, klasse. Außerdem gab es für fast jedes Lied eine eigene Gitarre für alle drei Schrammler. Jede mit ihrem eigenen Klang.

Höhepunkt eines Konzerts ist für mich immer „One“, das meiner Ansicht nach beste Stück von Metallica. Wer ein gutes Lied hören will, das alles hat: langsame Teile, guten Text, schnelles Geschrammel, Musik passend zum Text, der sollte sich „One“ anhören. Und nicht auf Youtube, sondern in einer ordentlichen Aufnahme.

Von der neuen Platte gab es einige Lieder zu hören, klangen ganz nett. Muss man sehen, wenn die CD da ist, wie der Gesamteindruck ist. Immer besser gefällt mir „The Day That Never Comes“, im Radio wird leider immer die verkürzte Version gespielt, die das coole Ende weglässt. Schade drum. Zum Lied gibt es ein Video, das mir ausnehmend gut gefällt. Auf Vollbild stellen und laut machen.

Ansonsten spielten Metallica einen bunten Reigen ihrer Lieder, eine sehr gute Auswahl, von bekannten und nicht so bekannten Stücken, war schon gut. Es gab noch eine Zugabe und schwarze Metallica-Strandbälle von oben (James Hetfield kann Fußball spielen, Kirk Hammett nicht). Fast zwei Stunden Konzert – da kann man nicht meckern.

Insgesamt ein sehr gelungener Abend, wenn die Warterei nicht gewesen wäre. Immerhin haben sie I überzeugen können, eine gute Band zu sein. Das hatten sie in Prag nicht geschafft. Ist ja auch was.

Und ein weiteres Fazit des Abends (nicht neu): Robert Trujillo ist ein ultracooler Kerl. Spricht auch nicht.

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