Kritik: Sisters Of Mercy – Die Skurrilität in Tüten

 25. Januar 2024 •  Ekkart •  Kritik, Live, Musik •  Kritik, Live
 angesehen am 5. Oktober 2023

The Sisters of Mercy – eine coole Band der 80er mit mehreren Klassikern und einem coolen Aussehen – was soll da schiefgehen?

Am 5.10.23 trafen wir pünktlich in der ausverkauften Columbiahalle ein, nicht unsere Lieblingshalle aber wir bekamen einen guten Platz auf der Empore mit Blick auf die Tribüne, ohne Gedrängel oder Raucher wie bei Knorkator.

Die Vorband fing auch sofort an, The Virginmarys aus England, ein Gitarrist und Sänger sowie ein Schlagzeuger. Beide allein auf der Bühne vor großen Marshall-Boxen, aus denen auch der Ton kam.

Beeindruckend. Eine Dreiviertelstunde schneller Rock, fast Punkrock mit unglaublichem Gesang, der Mensch muss Dauerhalsschmerzen haben. Und der Trommler war so intensiv, dass wir dachten, er fällt irgendwann um. Mit Pullover.

Die beiden rockten wirklich das Haus. Es ist erstaunlich, wie viel und vielfältige Musik man aus zwei Instrumenten bekommt. Dabei auch sehr nett und zurückhaltend in der Publikumsansprache.

Insgesamt ein sehr schöner Auftritt, der uns gut auf die Sisters einstimmte. Die Lieder hier von Hamburg, waren die gleichen bei uns.

Dann Auftritt der Sisters of Mercy – schicke Bühne mit viel Platz. Es erscheint ein Mensch hinter zwei Computern, dessen Aufgabe darin besteht, das neue Lied zu starten, wenn das alte durch ist. Die Musik kommt aus dem Rechner bis auf Gitarre und Gesang.

An der Gitarre Ben Christo, stilecht mit Sonnenbrille, abgeschnittenen Ärmeln und 80er-Rock-Attitüde. Kam gut an.

Dann Auftritt Andrew Eldritch, der über die Bühne schleicht und sich erratisch zwischen den Lichtern bewegt. Dazu ein Hissen und Zischen, so dass wir an Mikroausfall oder Mikroprobleme dachten. Aber weit gefehlt, das war schon der Gesang. Unhörbar, unentzifferbar.

Ben Christo tat sein Möglichstes, durch Nebengesang zu unterstützen aber es half nix. Wir schauten uns an, die anderen Zuschauer:innen auch und fragten uns, ob das ernst gemeint ist. War es.

Wir nahmen es mit Humor, denn das war so daneben, dass es schon wieder cool war. Teile des Publikums waren da anderer Meinung, was Eldritch zu der Frage veranlasste “What did you expect?” Gute Frage. Irgendwie Musik.

Nach ca. einer halben Stunde Abgang rechts von Eldritch mitten in “More”. Christo spielte das Lied noch zu Ende und dann gingen alle gucken, was los ist.

Nach weiteren zehn Minuten kam dann ein Verantwortlicher und teilte uns mit, dass das Konzert aus gesundheitlichen Gründen abgebrochen wird. Karten sollen wir behalten, die vergütet werden oder für ein mögliches Nachholkonzert gelten.

Dann sehr lange 30 Minuten gewartet, bis wir raus konnten, ein Grund, die Columbiahalle nicht zu mögen.

Insgesamt ein skurriler Abend: sehr gute Vorband, einige Lieder der Sisters und ein denkwürdiger Auftritt und Abbruch. Mal sehen, was das Nachholkonzert bietet…