Schäuble – eine Erklärung

Seit längerem rege ich mich nun über die Forderungen meines Innenministers auf, der partout das Grundgesetz ändern will, um möglichst undemokratische Sachen machen zu können: Computerspionage; Töten von Zivilisten, die das Pech haben, neben Terroristen im Flugzeug zu sitzen; Einsatz einer bewaffneten Armee innerhalb des Landes gegen Bürger desselben usw.

Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht eine neue Idee des Ministers in die Presse gelangt, er ist da ja weniger zurückhaltend. Gestern überraschte er mit der Idee, die Menschenwürde komplett aufzugeben, wenn man nur einen Terroristen dafür töten kann.

Dabei ist erstaunlich, dass er darauf hinweist, unsere Rechtsordnung damit schützen zu wollen, dass er sie abschafft. Eine seltsame Idee. So seltsam und verworren, dass mir erst gestern beim Lesen des lawblogs die Antwort auf die Frage „Warum?“ eingefallen ist: Bildung!

Erst durch die massiven Angriffe des Ministers habe ich mich richtig mit dem Grundgesetz beschäftigt. Damit es nicht zu viel wird, zielt er immer auf neue Teile, mit denen man sich beschäftigen kann. Gestern gab es die Ewigkeitsklausel zu lernen. Sie besagt (kurz):

Es gibt Grundsätze (Artikel 1-20), die nie geändert werden dürfen und durch Änderung nicht berührt werden dürfen.

Das hätte ich ohne den entsprechenden lawblog-Artikel nie selbst herausgefunden, aber das ist ja genau die richtige pädagogische Methode: selbst erarbeitetes Wissen hält länger. So gesehen wird er seinem Auftrag – politische Bildung und Schutz der Verfassung – durchaus gerecht.

Ab jetzt heißt es nicht mehr: „Was hat er sich nun wieder ausgedacht?“ An jetzt heißt es: „Was lerne ich denn heute?“

(Quellen: Spiegel-Online, Lawblog, Wikipedia)

Kritik: Casshern

Casshern – beeindruckend.

Ein moderner Film nach einem Anime aus den siebziger Jahren – das mussten wir sehen. Und es hat sich gelohnt. Es ist unglaublich, welche visuelle Kraft man in einem Film entfalten kann, wenn man sich von festgefahrenen Sehgewohnheiten löst. Das ist einer der Gründe, warum ich so gerne Anime sehe.

Der Film nimmt große Anleihen an der visuellen Sprache des Originals, bis hin zu zeichnungsartigen Animationen, die im Film auftreten. Dagegengestellt wird eine interessante Geschichte, die stellenweise etwas lang ist, was beim Sehen aber nicht stört.

Einziges Problem für mich (wie immer) ist die Identifikation der Personen, wenn sie sich zu ähnlich sehen (für Japaner wahrscheinlich völlig unterschiedliche Personen). Der Geschichte kann man trotzdem gut folgen.

Sehempfehlung.

Kritik: dt. Synchro von „Die Mumie“

Gestern kam „The Mummy“ im Fernsehen, ein sehr vergnüglicher, humorvoller Film – wenn man das englische Original sieht.

Was die deutsche Synchro wieder daraus gemacht hat, ist ein eindrucksvolles Plädoyer für weniger Synchro und mehr Untertitel. Das fing bei den „lustigen Stimmen“ an, die nichts, aber auch gar nichts mit dem Original zu tun haben. Welche Zielgruppe soll damit abgeholt werden? Kinder? Police-Academy-Seher? Damit wurde schon „Beverly Hills Cop“ verlustigt.

Da fielen die grottenschlechten Dialoge kaum noch auf. Nicht, dass der Film im Original shakespearesche Qualitäten offenbaren würde, aber er nimmt die Zuschauer ernst, ohne Gaga-Furz-Humor.

Wir haben dann weggeschaltet, es war einfach zu schlimm.

Kritik: The Tiger Blade

Seua khaap daap – thailändische Action um einen Polizisten (der Tiger Blade heißt), nicht um das Schwert, wie ich ursprünglich dachte.

Ein teilweise sehenswerter Film. Die Actionszenen sind gut gemacht und gut gefilmt. Die Einfälle während des Films sind gut bis sehr gut, manchmal überdurchscnittlich innovativ oder nett anzusehen. Dafür springt die Handlung voran, ich weiß nicht, ob das für Thailänder besser zu verfolgen ist, ich konnte dem inneren Zusammenhang des Films manchmal nicht folgen. Der Handlung schon.

Insgesamt Sehempfehlung, wenn man für wenig Geld rankommt, Trash mit guten Ideen, der nicht über die ganze Zeit unterhält.

Kritik: Die Hard 4.0

Live Free or Die Hard ist einfach ein guter Film.

Ich hatte so meine Bedenken, denn Bruce Willis ist alt, der zweite Teil war mies, der dritte gefiel mir ausnehmend gut. Der Trailer ließ auch nichts Gutes vermuten, meine Erwartungen waren also im Keller.

Was dann kam, war überwältigend. Ein gut aufgebauter, gut gespielter Film, bei dem die Handlungslöcher zwar groß sind, was aber nicht stört, weil die Leute sympatisch sind und Bruce Willis mitspielt. Ich hoffe, die dt. Synchro versaut den Film nicht, laut Kalkofe soll sie aber gelungen sein. Lediglich die neue Hollywood-Moral bringt uns um den Die-Hard-typischen Spruch, verstehe einer die Amis.

Klare Sehempfehlung.

Kritik: Shrek 3

Shrek The Third ist nicht ganz so lustig wie seine Vorgänger aber immer noch extrem unterhaltsam.

Die Latte ist durch die Vorgänger natürlich sehr hoch gelegt, so dass man da schon ins Straucheln kommen kann. Die erste halbe Stunde habe ich Tränen gelacht (der Frosch!), danach wurde es etwas gemächlich und sogar besinnlich. Das war dann auch der nicht so spannende Teil, wenngleich in bewährter Manier die zeigefinger-Stellen kurz darauf wieder aufgelöst wurden.

Insgesamt eine Empfehlung für den Film, wenngleich die Reihe damit ein Ende finden kann.

Kritik: Hot Fuzz

Hot Fuzz – ein Film über Mord und Totschlag in einem englischen Dorf.

Nachdem ich „Shaun of the dead“ immer noch nicht gesehen habe, wollte ich wenigstens „Hot Fuzz“ sehen, um mir einen Eindruck über die Macher holen zu können. Jetzt suche ich nach „Shaun of the dead“!

Hot Fuzz ist einfach ein guter Film. Von Anfang bis Ende faszinierend, gut gespielt, viele bekannte Schauspieler, die dem Film eine besondere Note verleihen. Keine übertriebene Pietät (um es vorsichtig auszudrücken) stört den Tod bei seiner Arbeit.

Insgesamt sehr lustig, wenngleich manchmal etwas hart. Aber wen stört das schon.

Reparatur Harman/Kardon AVR 35RDS

In letzter Zeit hatte unser Receiver die unangenehme Angewohnheit, beim Ausschalten die Einstellungen (Lautstärke, Radiosender und Digitaleingang) zu vergessen. Leider ist die Default-Lautstärke „20“, bei einer Skala, auf der „0“ extrem laut und „64“ extrem leise bedeutet. „20“ haben wir nie an, schon bei „30“ ist der Raum gut mit Schall gefüllt.

Unsere Vermutung ging dahin, dass die Speicherbatterie erschöpft ist, die für das Merken der Einstellungen zuständig ist. Gestern rafften wir uns auf, durchsuchten das Internet und öffneten den Receiver. Im Internet fand I im HiFi-Forum einen Thread zum Thema „Vergessen der Einstellungen„. Dort wurde von Wagemutigen beschrieben, wie man an den Speicherkondensator herankommt.

Ja, Kondensator. H/K hat keine Batterie eingebaut, sondern einen Goldcap, einen hochkapazitiven Kondensator. Der scheint den Geist aufgegeben zu haben. Leider sitzt der Kondensator (und jetzt kommts): hinter dem Display, das auf der Platine hinter der Blende sitzt.

Benötigte Werkzeuge und Material:

  • Kreuzschlitzschraubendreher mittel
  • kleine Kneifzange
  • kleine Festhalte- und Biegezange
  • Lötkolben (und Lötzinn)
  • Ersatzkondensator (Goldcap, 5,5 V, 0.1 F)
  • Kabelbinder

Man muss also:

  1. den Receiver vom Stromnetz trennen. Nicht vergessen. Nicht überspringen.
  2. den Receiver aufschrauben. Dabei empfiehlt es sich, die Schrauben getrennt aufzubewahren, um die verschiedenen Größen nicht zu vermischen.
  3. die Blende abschrauben
  4. die Blende soweit herausnehmen, dass man die Platine von der Blende abschrauben kann. Dazu muss man etliche Kabelbinder durchtrennen und evtl. Steckverbindungen lösen
  5. die Platine von der Blende abschrauben, die Bass-Einstellknöpfe und den Lautstärkeknopf abziehen, die Mutter des Lautstärkepotis abschrauben
  6. die Platine lösen, das Display hochbiegen, dort sitzt der defekte Kondensator
  7. defekten Kondensator abkneifen, neuen Kondensator einlöten (Polung beachten, Bauhöhe beachten, das Display muss wieder draufpassen; Tip am Ende beachten)
  8. Platine wieder einschrauben, alle(!) gelösten Kabel wieder einstecken
  9. Blende anschrauben, zuschrauben, fertig

Es ist gut, wenn einem geholfen wird, und Mut zugesprochen. Und wenn noch jemand auf eventuell lose Kabel achtet. Im Anschluss eine Bilderserie, die das oben Geschriebene verdeutlicht.

Harman/Kardon AVS 35RDSHarman/Kardon AVS 35RDSHarman/Kardon AVS 35RDSHarman/Kardon AVS 35RDSHarman/Kardon AVS 35RDSHarman/Kardon AVS 35RDSHarman/Kardon AVS 35RDSHarman/Kardon AVS 35RDSHarman/Kardon AVS 35RDS

Tip von Maschbauer in den Kommentaren:

habe in einem anderen blog noch den cleveren tipp gefunden, einfach ein kabel an die bisherige stelle zu löten um den goldcap dann an eine besser zugängliche stelle zu platzieren. ich muss zum austausch nun nur noch den deckel abschrauben!“

Update 27.1.2013: Tip von Okailey im Kommentar: es geht auch für den Harman Kardon AVR 435:

nach ca. 2 Std. fand ich in einem der vielen Foren den Hinweis das der Kondesator bei Modellen der Baureihe 6.. und ähnlich unter der Platine im rechten Feld (die mit den ganzen Audioanschlüssen) liegt. Und siehe da da war er.

Update 6.1.2014: Michael hat den Tip gefunden und in den Kommentaren gute Tips für den AVR 51 gegeben, von denen ich einige schnell hierherhole:

Die Knöpfe für Lautsprecher und Balance etc. lassen sich mit moderatem (fast starkem) Zug von vorne abziehen und dann kann es weitergehen. Bei diesem Receiver sitzt der Kondensator nicht unter dem Display sondern direkt oberhalb des Displays – leicht links – oberhalb der „FM AM“ Anzeige. Wenn man die Platine ausgebaut hat – zur Sicherheit – auf der Stelle mit der Bezeichnung „C 305“.

Noch ein Tipp: bei dem Panasonic Gold-Cap-Kondensator ist es nicht ersichtlich, wo + und – ist – hier muss man sich im Internet unter Panasonic schlau machen,

Achtung: man muss nicht alle Steckverbindungen lösen, am besten nur die, bis man gut an die Blende so weit nach unten kippen kann, dass man alle (viele!) Schrauben lösen kann, die die Blende mit der Platine verbinden.

Berliner Firmenlauf (5,7 km)

Am Freitag (6.7.7) fand der sechste Berliner Firmenlauf statt, für mich der dritte. Im Gegensatz zu den letzten Jahren wollte ich diesmal Laufen statt Skaten.

Zur Vorbereitung lief ich drei Kilometer am Sonntag und fuhr im Laufe der Woche ein wenig Fahrrad, eine Woche vorher hatte ich mir bereits neue Schuhe gekauft. Somit hervorragend vorbereitet ging es am Freitag an den Start.

Der Startschuss sollte 20 Uhr fallen, die Skater bekamen aber bereits eine Viertelstunde Verspätung drauf, so dass es für uns erst 20:10 losging. Aufwärmung mit zwei energiegeladenen Vorturnern war ab 19:45, 20 Uhr war ich warm und ablaufbereit. Noch ein paar Sprünge, um warm zu bleiben, ein Stich im rechten Knie und dann ging es an den Start.

Ca. 10 Minuten nach dem Startschuss konnte ich endlich losrennen, durch die Verengung am Start war es dafür möglich, sofort Leute zu überholen. Und es ist erstaunlich, wie viele Läufer bereits 50-100 Meter nach dem Start gehen statt laufen. Die ersten 500 Meter gingen so, obwohl ich mit meinem rechten Knie kämpfte, bei Belastung wollte es erst gar nicht, als es merkte, dass das nichts nützt, schlossen wir für die nächste halbe Stunde Waffenstillstand.

Ich brauche das Knie auch gar nicht zur Demotivation, denn bereits nach 600 Metern merkte ich, dass Laufen wirklich gar nichts für mich ist. Langsam, langweilig, anstrengend und körperschwächend. Um mich zu motivieren, freute ich mich auf den Verpflegungsstand zur Hälfte der Strecke, den ich nach 15 Minuten (gefühlt 2 Stunden) erreichte. Das Wasser tat wirklich gut. Die nächste Hälfte der Strecke war genauso schlimm, selbst der Zieleinlauf war zäh. Und dann immer noch die Gesprächsfetzen („reißt man auf der halben Backe ab“ oder „Erwärmungsstrecke mit Sprint am Ende“). Verrecken sollen sie.

Nach dem Lauf gab es Getränke, Banane und einen großen Apfel, das war ok. Ich schleppte mich mit Mühe zum Auto, die Treppen hoch, in die Wanne, vor den Fernseher, ins Bett. Heute geht es schon besser, der Schmerz in beiden Knien ist zwar noch da, dafür brauche ich nicht mehr gebückt gehen.

Fazit: nicht noch einmal. Lieber Marathon auf Skates. Mit Gegenwind. Meine Zeit weiß ich noch nicht, der Server ist down, dafür habe ich meine Uhr fehlbedient. Irgendwas in der Drehe von einer halben Stunde.

Nachtrag: 0:30:52, Platz 1545, in der AK M35: 220

Taxis machen nichts falsch

Gestern war auch so ein Tag. Regen, daher glatte Straßen, ich mit Motorrad. Auf der Tiergartenstraße, kurz hinter Baden-Württemberg will ein Taxi von links einbiegen. Stand schon quer vor dem entgegenkommenden Verkehr und wartete auf eine Lücke unsererseits. Statt die Lücke hinter mir zu nutzen (ich war der Letzte in der Schlange), muss es vor mir rein. Vollbremsung, ordentlich gehupt und gut.

Dachte ich. So einfach war es aber nicht. Der Taxifahrer hatte nämlich nichts falsch gemacht. Und das wollte er mir mitteilen. Also stellte er sich auf die Straße und rief mir was zu (Tip: Helm behindert Hörvermögen). Also noch mal gehupt, ich wollte weiter. Das forderte mehr Reden heraus. Gang rein, rechts vorbei und gut.

Dachte ich. Aber jetzt fuhr er auch los, ganz eng hinter mich (einen Meter vielleicht, bei Regen!) und rief mir was zu. Wahrscheinlich wollte er mir mitteilen, dass er nichts falsch gemacht hat. Tip: Helm und Fahrtwind: schlecht fürs Hören. Mir egal, weiter an Ampel, drüber, los, hinter mir gelassen und gut.

Dachte ich. Um mir mitzuteilen, dass er nichts falsch gemacht hat, raste er wie ein Idiot durch den Verkehr, um mir zu folgen. Ich habe ihn am Zoo verloren.

Moral: Taxifahrer machen nichts falsch. Und das wissen sie auch mitzuteilen.